Schwindelnde Höhe (2001)

Auf dem Zenit des Erfolges kann man leicht in Routine erstarren. Das muss auch die Dombaumeisterin Marie Steinhard erkennen, als sie eines Tages dem jungen Steinmetz Ben Neubauer begegnet. Der hat zwar keinen Gesellenbrief vorzuweisen, dafür aber ist er dermaßen talentiert und hat als echter Naturbursch so viel Feuer im Herzen und unter dem Hintern, dass sogar die resolute Frau Dr. Steinhard ganz weich wird und sich in den viel jüngeren Mann verliebt. In Schwindelnde Höhe wollen wir dieses Liebesdrama von Jobst Oetzmann zwar auch nicht gleich jubeln, Ulrike Kriener und Roman Knizka aber überzeugen in diesem unaufdringlich erzählten Frauenporträt.

Am Ende des Tunnels (2002)

Eigentlich hat die U-Bahnfahrerin Silke (Ulrike Kriener) gar keinen Dienst, als die unter Schüben manischer Depression leidende Yvonne ihrem Leben gewaltsam ein Ende setzt. Einen Tag später tritt Silke den gemeinsamen Urlaub mit ihrem Mann Albert (Armin Rohde) im sonnigen Süden an, doch da ist die Finsternis der Trauer schon in ihr Herz gezogen. Am Ende des Tunnels von Dror Zahavi (Regie) und Georg Weber (Buch) erzählt nicht die Leidensgeschichte einer selbstmordgefährdeten Frau, sondern ist ein dicht am Leben entlang entwickeltes Psychodrama, das die ehedem in nahezu glücklicher Partnerschaft lebende U-Bahnfahrerin komplett aus der Bahn wirft. Ein stimmiger und glaubhafter Film, mit dem Dror Zahavi das Kunststück gelungen ist, für den introvertierten und an äußeren Handlungen armen Prozess der Trauerarbeit emotional bewegende Bilder zu finden.

Liebesschuld (2001)

Die beiden Hamburger Anwälte Anke und Stefan turteln gewaltig, im Bett allerdings kommt es bei ihr zur Blockade. Mitten in dieser angespannten Situation bekommt Anke einen Anruf von ihrer todkranken Mutter, von der Stefan bisher gar nichts wusste. Und so erfährt nicht nur er, sondern auch der geneigte Zuschauer von ihrer Liebesschuld, von einem Dorf, in dem Anke aufgewachsen ist, einem Bauern, dem das Sorgerecht für die Tochter entzogen werden soll, von seiner verunfallten Ehefrau und deren verzweifelten Eltern. Ulrich Starks Film ist von der Anlage her ein brauchbares Drama, das aufzuzeigen versucht, wie sich komplizierte Familienverhältnisse reproduzieren. In der Umsetzung allerdings ist das alles übelster Postkartenkitsch über die Schönheit der ostholsteinischen Landschaft, der die merkwürdigen Probleme der sonderbaren Zweibeiner mit dem aufrechten Gang in ein lachhaftes Licht setzt. Schade um so gute Darsteller wie Dominique Horwitz oder Ulrike Kriener …

Die Reise in die Nacht (1998)

Die Reise in die Nacht von Matti Geschonneck – angelehnt an einen authentischen Fall – beschreibt  das Schicksal zweier Frauen, die auf Zypern einen Traumurlaub verbringen wollen und dabei in den Alptraum ihres Lebens geraten. Irene (Ulrike Kriener) und ihre Tochter Lili (Julia Brendler) sollen nach dem Willen der Mutter ein paar ruhige Tage zusammen verbringen, um wieder besser zueinander zu finden. Während Irene, die sich als Lehrerin in Berlin um die Integration ihrer türkischen Mitbewohner verdient gemacht hat, den Einheimischen mit unbekümmerter Freundschaft begegnet, findet Lili die sozialliberale Selbstverständlichkeit ihres Verhaltens für unangebracht. Nach einer ausgelassenen Feier muss die Mutter ohnmächtig mitansehen, wie ihre Tochter vergewaltigt wird, und findet sich in einem Justizdrama wieder, das die Verschiedenheit der westeuropäischen und der islamischen Kultur eindrucksvoll nachfühlbar macht.