Warten ist der Tod

Alfred Hitchcock hätte dieser Film auch gut gefallen: Drei ehemalige Luftwaffenflieger, frühzeitig pensioniert, finden sich im bürgerlichen Leben nicht zurecht und benehmen sich überhaupt nicht zivil – gemeinsam mit einem angeheuerten „Profi“ überfallen sie die Kassenräume einer Flugschau. Doch nicht um diesen gelungenen Bruch geht es in dem ungemein spannenden, zweiteiligen Thriller. Der Blick des Drehbuchautors und Regisseurs Hartmut Schoen, bisher vor allem als Dokumentarist aufgefallen, gilt ganz den Charakteren: dem alles kontrollieren wollenden Venske, der sich zwischen Ehefrau und Geliebter zerreibt, seinen beiden „Kameraden“ Kellermann und Glöckler und dem kleinen Laux in Nöten, der die militärisch agierende Heldentruppe als gar nicht so gewiefter Gauner komplettiert. Schon der Überfall geht beinahe schief, aber das ist nichts im Vergleich dazu, was sich hinterher abspielt. Da einige des millionenschweren Gaunerquartetts keine Böcke mehr haben, sich von Zahnbelag zu ernähren (diesen Ausspruch verdanken wir Helen Vita, die hier in einer kleinen Nebenrolle ein exquisites Darstellerensemble mit ihrem bodenständigen Humor krönt) und nicht abwarten wollen, bis das verabredete halbe Jahr bis zur Verteilung der Beute vorbei ist, fliegen bald schon die Fetzen, dass die Nerven nur so sirren. Und dafür braucht Schoen keine effektvollen Tricks – ihm genügt das Psychogramm des Perfektionisten Venske (hervorragend: Ulrich Tukur), der an seinen eigenen Werten und Prinzipien scheitert, um Hochspannung zu erzeugen: Warten ist der Tod.

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Dornröschen erwacht

Und aus die Maus: Als die Pianistin Juliane nach drei Jahren im Koma erwacht, glaubt ihre Tochter Antonia, sie hätte einen Selbstmordversuch unternommen, ihr Mann Stefan hat den Klavierbauerbetrieb ihres Vaters aufgegeben und das Haus verkauft, außerdem ist er mit ihrer ehemals besten Freundin, der Lehrerin Inga, zusammen. Dornröschen erwacht, der zweite abendfüllende Spielfilm von Elmar Fischer nach „Fremder Freund“, ist ein fesselnder Psychothriller, der ein klassisches Thema des Genres noch einmal neu erfindet. Ein bestechendes Ensemble (neben Nadja Uhl sind Misel Maticevic, Marie-Lou Sellem und Ulrich Tukur als behandelnder Psychologe in weiteren Hauptrollen zu sehen) und die ausgezeichnete Kameraarbeit des DffB-Absolventen Ngo the Chau erzeugen eine ganz eigene Stimmung von kalter Distanz und entwerfen das spannende Bild einer von verletzten Gefühlen dominierten Gemeinschaft.