Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln

In Weißkittelkreisen wird man diesen Thriller nicht diskutieren, untermauert er doch die weit verbreitete Ansicht, der wahre Irre sei der Seelenklempner. Mit Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln ist Götz George im aufregenden Kosmos der Serienmörder gestrandet: als gescheiterte Koryphäe der Psychiatrie, die sich – inzwischen selbst ein Fall für Bonnies Ranch – zum Richter so „minderwertiger, abartiger Geschöpfe“ wie Sexualverbrecher aufschwingt. Besonderer Coup für den „Nervenkitzel am Freitag“: Neben „Schimanski“ mimt mit „Sperling“ Dieter Pfaff gleich noch ein zweiter Kriminaler einen manischen Mörder. Ein zugegebenermaßen spannender Anstalts-Thriller von Thorsten Näter, der neben seiner Starbesetzung allerdings auch ein Klischee nach dem anderen auffährt. Trost bietet da nur die vom Sender dankenswerter Weise beigefügte „Hintergrund-Information“: „Niemand kann unter Hypnose zu Handlungen überredet oder gar gezwungen werden, die er eigentlich ablehnt.“

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Im Club der Millionäre

In Thorsten Näters Thriller Im Club der Millionäre bringt sich ein gestandener, aber leider vor dem finanziellen Ruin stehender Kunsttischler (Heio von Stetten) binnen von Tagen beinahe um alles, was ihm lieb und teuer ist. Da wäre zum Beispiel sein Leben, das er mehr als nur einmal verteidigen muss, nachdem ihn sein Bruder (Gregor Törzs) in den erlauchten Kreis des Universe-Masters-Club eingeführt hat. Hier lernt der rasch vom Goldrausch infizierte, eifrige Neuling in der Welt des schnellen Gewinns, dass man auch als Börsen- und Kredithai absaufen kann – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, wie das Beispiel seines Bruders zeigt. Überzeugt, dass dieser um die Ecke gebracht und er abgezockt wurde, entwickelt er entschiedenen Ehrgeiz, wenigstens seine eigene Haut zu retten und ferner die Drahtzieher hinter diesem undurchsichtigen Liebes- und Finanzmonopoly ausfindig zu machen. Geschickt aufgebaute, spannende Unterhaltung, in den Hauptrollen überzeugend gespielt.

 

Verhängnisvolles Glück

Als Witwer Christoph hat Dieter Pfaff einmal mehr eine Glanzleistung an Einfühlungsvermögen abgelegt. Dessen Verhängnisvolles Glück besteht darin, sich ausgerechnet in eine Frau zu verlieben, die nicht nur seine Tochter sein könnte, sondern auch ist. Was sich auf dem Papier wie Kolportage ausmacht – 50-jähriger Banker lernt eine junge Prostituierte kennen und will sie aus ihrem Milieu befreien – erweist sich als vielschichtige Betrachtung des menschlichen Wesens mit all seinen Stärken und Schwächen. Die von Autor Johannes Reben ausgesprochen wahrhaft und lebendig gestalteten Charaktere werden von einem durchwegs überzeugenden Ensemble gegeben, und auch Regisseur Thorsten Näter hatte ein glückliches Händchen für diesen ungewöhnlich dicht gestalteten, archaischen Stoff.

Bangkok – Ein Mädchen verschwindet

In der Acht-Millionen-Hauptstadt Bangkok wird die Tochter eines deutschen Zollbeamten entführt, bei ihrer verzweifelten Suche geraten er und seine Frau erst an einen versoffenen Ex-BND-Mann und dann zwischen die Fronten Kung-Fu praktizierender Drogenhändler. Die deutsch-thailändische Koproduktion Bangkok – Ein Mädchen verschwindet von Thorsten Näter überzeugt vor allem durch ihre Liebe zum Detail und eine ungestüme Lust, tausenderlei bekannte Motive durcheinanderzuwirbeln und zu einem völlig neuen Gefüge zusammenzusetzen. Ein Unterfangen, dass auch dank seiner bestens gerüsteten Darsteller glückte – mit Ulrich Noethen, Bettina Kupfer und Axel Milberg in den Hauptrollen gelang der eindrucksvolle Beweis, dass man auch hierzulande mit dem Genre Thriller spielerisch umzugehen versteht, ohne dass Dramaturgie und Spannung darunter leiden.