Stille Nacht – Heilige Nacht

Die Weihnachtsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Während die einen Reißaus nehmen und sich auf einen Trip in die Einsamkeit der Berge machen, sacken die anderen schon einmal die Geschenke ein und überfallen, als Sankt Nikolaus getarnt, ein Kaufhaus. Bei den einen gibt es Streit, bei den anderen Verletzte und Tote, doch wie das Drehbuch so spielt kommen alle wieder glücklich zusammen und finden sich in der klaustrophobischen Enge einer Jagdhütte wieder. Mit seinem Psychothriller Stille Nacht – Heilige Nacht überspitzt Regisseur Thomas Stiller im Grunde nur, was Jahr für Jahr in deutschen Wohnzimmern unter dem Tannenbaum abläuft. Wo jedoch jeder mit Freund Heins Schlachtfest rechnen muss, da ist‘s mit der Harmonie endgültig Essig, und es entspinnt sich ein gelungener Kammerkrimi, der seine von diversen Lügengebäuden zusammengehaltenen Antihelden in eine Hölle aus Angst und Gewalt schickt. Eine eindrucksvolle Ensembleleistung krönt diesen höchst dramatischen Streifen.

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Die Wunde

Die 21-jährige Julia möchte Schauspielerin werden – zornig zerfetzt sie den Brief, der ihr die Aufnahme an der Schauspielschule bestätigt. Ihre querschnittsgelähmte Mutter, die das Motorrad mit dem Rollstuhl getauscht hat, redet ihr beschwörend zu. Und dann ist da noch ihr Vater, ein eiskaltes Manager-Schwein, das gerade die Masturbationstechniken seiner Privatsekretärin in näheren Augenschein nimmt. In seinem neuesten Film Die Wunde führt uns Thomas Stiller eine düster-urbane Familientragödie vor, die sich in ausgesucht verbrämten Kinobildern gefällt und die Gesetze der Wahrscheinlichkeit munter verletzt: Julia (Alexandra Schalaudek), die zeitlebens darunter litt, ihren Vater nie kennen gelernt zu haben, nimmt sogar einen Job in einem Striplokal an, um sich alsbald als Femme fatale zwischen zwei zugeknöpften Egomanen wiederzufinden – der zweite ist pikanterweise Matrose und ihr leiblicher Bruder. Wem in dieser Konstellation noch eine still-verzweifelte Ehefrau fehlt, die ihren Unterleibskrebs mit Selbstmord kuriert, der wird nicht enttäuscht.