Die Geiseln von Costa Rica

Geradezu peinlich ist die Angewohnheit von PRO 7, sich einerseits ständig den Anstrich eines Tourismusexperten zu geben (regelmäßig erfährt man aus den so genannten der Presse zugespielten Hintergrundinformationen Wissenswertes über die „Naturparadiese“ der Welt) und andererseits pausenlos vor den Gefahren im Ausland zu warnen. Erst wird Peter Maffay „Gefangen im Jemen“, diesmal erwischt es Suzanne von Borsody und Nina Hoss: Die Geiseln von Costa Rica, überraschenderweise weniger als Geiseldrama denn als Amour fou angelegt, schildert die überraschende Wandlung einer reise- und lebenslustigen Ost-Maus, die ihren inneren Maschendrahtzaun überwindet und sich in ihren Entführer, einen nicaraguanischen Contra-Rebellen verliebt. Nun glauben zwar auch wir, dass die Liebe immer wieder einmal hinfallen kann und dass im Busch höllisch viel los ist. Dieser beschworenermaßen auf einer wahren Begebenheit beruhenden Wende eines unpolitischen deutschen Girlies zur Revoluzzerin verleihen wir dennoch die erste goldene Kichererbse des Jahres. Wenn „Das Mädchen Rosemarie“ Nina Hoss in einer breit ausgewalzten Szene gewohnt Nitribitt-like rituelle Kriegsbemalung mit Body-Painting verwechselt, dann hat dieser Film seinen Höhepunkt an Lächerlichkeit erreicht.

Eine Hand voll Glück

In dem von Christiane Balthasar (Regie), Claudia Garde und Britta Stöckle (Buch) gestalteten Krimidrama Eine Hand voll Glück gerät die allein stehende Neurochirurgin Martha (Suzanne von Borsody) in Gewissenskonflikte, als sie eines Tages den kleinen Straßenjungen Gigi anfährt, in Panik Fahrerflucht begeht und in der Folge von dem mit allen Wassern gewaschenen Jungen erpresst wird. Eine ungewöhnliche engagierte, glaubhaft und spannend in Szene gesetzte Begegnung, die sich auf angemessene Weise mit dem Schicksal jener Kinder befasst, die von der rumänischen Mafia zum Taschendiebstahl und zur Prostitution gezwungen werden.

Der zweite Blick

Jede Beziehung leidet darunter, wenn einer der Partner verpassten Chancen nachtrauert. Der zweite Blick, geschrieben von Niklas Becker und von Ariane Zeller inszeniert, führt zwei Ehepaare auf einer Nordseeinsel zusammen und wirbelt deren Leben dezent durcheinander. Folgt man dem in ruhigen Bildern erzählten Film um die Probleme einer langjährigen Partnerschaft und die Wiederentdeckung einer Jugendliebe anfangs noch gern, wenn sich Suzanne von Borsody als Linda mit frischem Mut einem neuen Lebensabschnitt stellt (die Kinder sind aus dem Haus), machen sich später gediegene Langeweile und auch Unmut breit, wenn erfahrene Schauspieler wie Guntbert Warns, Catrin Striebeck oder Michael Mendl andauernd druckreife Sätze aufsagen wie „Ich hätte gern einen Obstsalat für die Dame“. Trotz einiger gelungener Momente ein viel zu bemühter Liebesfilm, der einen nie emotional zu bewegen versteht.

Lilly unter den Linden

… ist eine sehenswerte Familientragödie von Erwin Keusch. 1988: Die 13-jährige Lilly ist vaterlos aufgewachsen und soll nach dem frühen Tod ihrer Mutter bei einer Pflegefamilie untergebracht werden – doch Lilly will lieber zu Lena, ihrer Tante aus Jena, die sie kürzlich bei der Beerdigung ihrer an Krebs verstorbenen Mama kennenlernte, und flüchtet vor dem Zugriff der westlichen Behörden in den gar nicht so begeisterten Schoß der Familie im Osten. Eine ausgesprochen anrührend erzählte emotionale Geschichte, die kenntnisreich an die politisch-gesellschaftlichen Zustände im Deutschland des Kalten Krieges erinnert und bestechende Bilder für das archaische Thema Erbmasse findet. In einem bis in die Nebenrollen sehenswert besetzten Ensemble glänzen Suzanne von Borsody als Lena und die zur Entstehungszeit des Films erst 15-jährige Cornelia Gröschel, die ihre schwierige Rolle zwischen kindlicher Unbeschwertheit und tiefem Kummer mit Bravour meistert.