Am Ende des Tunnels (2002)

Eigentlich hat die U-Bahnfahrerin Silke (Ulrike Kriener) gar keinen Dienst, als die unter Schüben manischer Depression leidende Yvonne ihrem Leben gewaltsam ein Ende setzt. Einen Tag später tritt Silke den gemeinsamen Urlaub mit ihrem Mann Albert (Armin Rohde) im sonnigen Süden an, doch da ist die Finsternis der Trauer schon in ihr Herz gezogen. Am Ende des Tunnels von Dror Zahavi (Regie) und Georg Weber (Buch) erzählt nicht die Leidensgeschichte einer selbstmordgefährdeten Frau, sondern ist ein dicht am Leben entlang entwickeltes Psychodrama, das die ehedem in nahezu glücklicher Partnerschaft lebende U-Bahnfahrerin komplett aus der Bahn wirft. Ein stimmiger und glaubhafter Film, mit dem Dror Zahavi das Kunststück gelungen ist, für den introvertierten und an äußeren Handlungen armen Prozess der Trauerarbeit emotional bewegende Bilder zu finden.

Katzenzungen (2003)

Die ganze Fahrt nach Rügen hat Dodo geschwiegen. Als ihre Reise mit Nora und Claire zu Ende geht, hat sie sich endlich ihren aufgestauten Frust von der Seele geredet. Das Psychodrama Katzenzungen von Torsten C. Fischer, nach dem gleichnamigen Roman von Martina Borger und Maria Elisabeth Straub entstanden, verfolgt über fast eine Stunde den im Flüsterton gesprochenen Subtext, der ausschließlich in den Köpfen der drei Frauen vorgeht. Seit ihrer Schulzeit miteinander befreundet, treffen sie sich bereits zum siebten Mal zu einem Kurzurlaub wieder, und wahren dabei nur noch mühsam den Anschein von Harmonie. Ein von der Idee her interessantes Filmexperiment über Sprachlosigkeit und weitere höchst menschliche Schwächen, das vor allem unter der Schwierigkeit leidet, tragfähige Bilder für den Gedankenstrom der mehr oder weniger neurotischen Frauen zu finden. So aber beobachten wir Meret Becker, Birge Schade und Ina Weisse die längste Zeit bei ihrer Abendtoilette – was für ein Katzenjammer.

Die Verlorenen (2006)

Regisseur Christian Görlitz nimmt sich in seinem Film Die Verlorenen einmal mehr den Opfern sexueller (und struktureller) Gewalt an und erzählt die Geschichte einer Frau, die früh von ihrer Tochter getrennt wird, später in den Bann eines religiösen Fanatikers gerät und beinahe zur Mörderin wird, ehe sie selbst von Mörderhand stirbt. Karoline Eichhorn spielt den zerrissenen Charakter der Krista mit einer faszinierenden Subtilität, die man in dem Film ansonsten schmerzlich vermisst. In Hauruckmanier inszeniert, vermischt das Drama die verschiedensten Genres, verhackstückt gleich drei verschiedene Erzählstränge und paart billige, die Spannung steigernde Thrillerelemente mit mediterraner Folklore.

Der letzte Tanz (2005)

Molotow-Cocktails, Studentenproteste, sexuelle Revolution – das alles hat der Mittfünfziger Dieter Walling, verheiratet, ein Kind, längst hinter sich gelassen. Der Betrieb des etablierten Tierpharmazeuten soll an den Sohn Jens übergeben werden, und Walling (Peter Sattmann) möchte gerade eine gute Flasche Sekt zur Feier seines Lebensabends köpfen, als ihn ein Fernsehbericht mit seinem alten Freund Willi (Hans Uwe Bauer) konfrontiert, der mittlerweile als Robbenfänger auf einer Seehundstation an der Nordsee arbeitet. An der Küste eingetroffen, um ein Antiserum gegen ein Robbenvirus zu entwickeln, begegnet Walling aber auch seiner ersten großen Liebe Anna (Franziska Walser) wieder, die er in seiner Studentenzeit mit seinem Freund Willi teilte. Der letzte Tanz von Jan Ruzicka nach einem Drehbuch von Barbara Engelke und Bele Nord bietet im Wesentlichen eine leidenschaftliche Dreiecksgeschichte, jede Menge weichgespülte Schmuse-Songs und wunderschön fotografierte Bilder vom Watt – die Alt-68er-Thematik allerdings wirkt lediglich aufgesetzt.