Sehnsucht

Wie jeder Mensch wird auch die junge Psychologiestudentin Lisa von einer Sehnsucht getrieben, und so sehen wir sie eingangs des Films, wie sie vergeblich das Gespräch mit einem Verflossenen sucht, der sie kurzerhand über die Fernsprechanlage abblitzen lässt. Außer sich vor Wut rennt Lisa zum Training und gleich darauf gegen eine weitere Wand, landet in der Notaufnahme und verliebt sich dort in ihren Chirurgen. Geht es anfangs Schlag auf Schlag, so konzentriert sich Ciro Cappellaris Psychodrama im Folgenden ganz auf die fatale Liebesbeziehung zwischen einer Frau mit einer Affinität zu Problemen und einem Mann mit einem Problem: Alexander (Misel Maticevic) ist Alkoholiker. Nach einem Drehbuch von Tobias Stille ist ein vielschichtiges Drama entstanden, das vor allem von der intensiven Präsenz seiner Hauptdarstellerin Katharina Schüttler profitiert und so komplexe Themen wie Sucht, Opferbereitschaft und Selbstaufgabe auf weitgehend überzeugende Weise thematisiert.

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Dornröschen erwacht

Und aus die Maus: Als die Pianistin Juliane nach drei Jahren im Koma erwacht, glaubt ihre Tochter Antonia, sie hätte einen Selbstmordversuch unternommen, ihr Mann Stefan hat den Klavierbauerbetrieb ihres Vaters aufgegeben und das Haus verkauft, außerdem ist er mit ihrer ehemals besten Freundin, der Lehrerin Inga, zusammen. Dornröschen erwacht, der zweite abendfüllende Spielfilm von Elmar Fischer nach „Fremder Freund“, ist ein fesselnder Psychothriller, der ein klassisches Thema des Genres noch einmal neu erfindet. Ein bestechendes Ensemble (neben Nadja Uhl sind Misel Maticevic, Marie-Lou Sellem und Ulrich Tukur als behandelnder Psychologe in weiteren Hauptrollen zu sehen) und die ausgezeichnete Kameraarbeit des DffB-Absolventen Ngo the Chau erzeugen eine ganz eigene Stimmung von kalter Distanz und entwerfen das spannende Bild einer von verletzten Gefühlen dominierten Gemeinschaft.