Der Runner (2000)

Auf was man sich so alles einlässt, wenn man sich in die Bredouille gebracht hat. Tim Bergmann zum Beispiel in seiner Rolle des Journalisten Jan, der im Berlin einer beängstigenden Zukunft einfach nicht die Finger vom Glücksspiel lassen kann. Um seine Spielschuld zu begleichen, dient er sich einem Kreditinstitut der besonderen Art an: Er verkauft seinen Körper an die Organhändler von Lifecorps, einem ganz und gar verdorbenen Unternehmen. Für seinen Science-Fiction-Thriller Der Runner hat sich Michael Rowitz munter im Fundus der Endzeitvisionen bedient, und einen visuell ansprechenden, auf flott-morbide getrimmten TV-Unterhalter gedreht, der sich gar nicht erst die Mühe gibt, ein seriöses Anliegen vorzugaukeln. Marie Zielke als gnadenlose, im Herzen aber eigentlich gute Schuldeneintreiberin darf wie eine nymphomane C-Ausgabe von Nikita agieren, Doreen Jacobi mimt die politisch-korrekte und engagierte Ex-Frau, und  Sonja Kirchberger übernimmt den dämonisch-melodramatischen Part in diesem Film, der sich nach anderthalb Stunden deftiger Dramatik ein peinlich-kitschiges Happy End gönnt. Und wenn sie nicht gefleddert sind …

Sehnsucht nach Jack (2000)

Sehnsucht nach Jack von Mika Kaurismäki ist ein kriminalistisch-komödiantisches Roadmovie geworden, in dem vor allem Kai Wiesinger als sympathischer Antiheld überzeugt. Glücklicherweise gelang es dem Regisseur, die hanebüchene Liebesgeschichte zwischen ihm, einem Lebens- und Improvisationskünstler um die 30 (Wiesinger) und einer jungen Frau der höheren Gesellschaft (Marie Zielke), die verzweifelt versucht, ihrem Milieu zu entkommen, nicht zu sehr ins Zentrum zu stellen. Dafür überzeugt die Geschichte des untadelig unbeugsamen Jack durch ihren lakonischen Witz und eine Reihe von weiteren skurrilen Typen, denen man gerne bei ihren zum Scheitern verurteilten Bemühungen zusieht, sich an den Gütern anderer zu bereichern.

Zuckerbrot (2003)

Der fromme Deutschrusse Mitja (Ivan Shvedoff, „England!“ u.a.) ist erst ein paar Tage an der Spree, da lernt er auch schon zwei kleinkriminelle Geschwister und echte Berliner Gören kennen. Jenny (Marie Zielcke), gerade aus dem Jugendgefängnis entlassen, und ihr Bruder Ricki (Florian Lukas) benutzen den zurückhaltenden und scheinbar ziemlich einfältigen jungen Mann, der auf einer U-Bahn-Station als Blumenverkäufer jobbt, als Zwischenstation für ihre krummen Geschäfte. Sie als Zuckerbrot, er als Peitsche, so will es die simple Verbrecherphilosophie des gelehrigen und strebsamen Ricki. Das es dann doch alles ganz anders kommt, dafür sorgt dieser stimmungsvoll fotografierte und bis in die Nebenrollen prächtig besetzte Film von Hartmut Schoen („Warten ist der Tod“ u.a.), der gekonnt zwischen Krimi, Familiendrama und märchenhaftem Liebesfilm oszilliert. Und wie Deutschrussen daheim ihre Hunde zu nennen pflegen, wissen wir jetzt auch: „Claudia Schiffer, sitz!“

Nachtangst (2004)

Von furchtbaren Alpträumen gequält, leidet die junge Medizinstudentin Anna Sonnenberg (Marie Zielcke) unter einem gefährlichen Schlafdefizit – mehrfach droht sie in einen Sekundenschlaf mit möglicherweise fatalen Folgen zu fallen. Ihre Nachtangst wollen drei ehrgeizige Kommilitonen lindern, die einer sensationellen Entdeckung auf dem Gebiet der Schlafforschung auf der Spur sind und versuchen, bei einem ominösen Pharmakonzern den ganz großen Reibach zu machen. Wie schon mit seinem Organspende-Thriller „Der Runner“, ebenfalls ein Produkt aus dem Hause PRO 7, liefert Michael Rowitz auch hier einen Film auf ästhetisch hohem Niveau ab, der sich hinter seiner schicken Schale als vollkommen hohl erweist. Anstatt sich wirklich auf das Sujet Schlafentzug zu verlassen, bombardiert er den Zuschauer mit unmotiviert aus der Trickkiste des Spannungsfilms gegriffenen optischen Reizen, die ob ihres beliebigen Einsatzes auch nicht die offensichtlich angestrebte Suggestivkraft erzielen.

Wilsberg – In alter Freundschaft

Lebenskünstler und Privatdetektiv Georg Wilsberg gerät in ein undurchsichtiges Komplott um Liebe, Macht und Geld, in das nicht nur sein Schwarm Ines aus der Schulzeit, sondern auch diverse andere seiner Freunde (und Feinde) verwickelt zu sein scheinen. Wie praktisch immer in der Reihe werden die Ermittlungen dadurch erschwert, dass der gute Mann keinen Pfennig auf der Naht und den Gerichtsvollzieher an den Hacken kleben hat. Der im katholischen Münster spielende Krimi In alter Freundschaft ist mit Leonard Lansink, Barbara Rudnik und Marie Zielcke hervorragend besetzt.