Kein Weg zurück

Dass man nach mehr als 140 Drehbüchern für die ZDF-Krimireihe „Der Alte“ ein gewisses Interesse verspürt, wieder einmal etwas anderes zu machen, ist nur zu verständlich. Nach elf Jahren Regieabstinenz hat sich Volker Vogeler, Mitbegründer des Filmverlags der Autoren, nie aber so ins Bewusstsein der Öffentlichkeit getreten wie seine Kollegen Lilienthal, Wenders und Bohm, noch einmal direkt vor Ort an den Set begeben, die Geschichte einer „schönen jungen Frau“ zu erzählen, die sich, offenkundig genau wie er, danach sehnt, vom Schreibtisch ins richtige Leben zu treten. Schade nur, dass er sein weibliches Alter Ego Barbara Auer, erfolgreiche Kriminalautorin und nach einer gescheiterten Affäre von Rachegelüsten getrieben, nur als Drahtzieherin im Hintergrund agieren lässt. So gerinnt sein mit Miroslav Nemec, Karoline Eichhorn und Thure Riefenstein in den weiteren Hauptrollen famos besetztes Ehe- und Liebesdrama selbst zu einem „verhinderten Abenteuer mit schwarzer Seele“, wie sich der Autor und Regisseur Vogeler im Pressetext ausheult: Kein Weg zurück für den seit langem auf Mallorca residierenden „Alten“-Chefdenker.

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Schwindelnde Höhe

Auf dem Zenit des Erfolges kann man leicht in Routine erstarren. Das muss auch die Dombaumeisterin Marie Steinhard erkennen, als sie eines Tages dem jungen Steinmetz Ben Neubauer begegnet. Der hat zwar keinen Gesellenbrief vorzuweisen, dafür aber ist er dermaßen talentiert und hat als echter Naturbursch so viel Feuer im Herzen und unter dem Hintern, dass sogar die resolute Frau Dr. Steinhard ganz weich wird und sich in den viel jüngeren Mann verliebt. In Schwindelnde Höhe wollen wir dieses Liebesdrama von Jobst Oetzmann zwar auch nicht gleich jubeln, Ulrike Kriener und Roman Knizka aber überzeugen in diesem unaufdringlich erzählten Frauenporträt.

Sehnsucht

Wie jeder Mensch wird auch die junge Psychologiestudentin Lisa von einer Sehnsucht getrieben, und so sehen wir sie eingangs des Films, wie sie vergeblich das Gespräch mit einem Verflossenen sucht, der sie kurzerhand über die Fernsprechanlage abblitzen lässt. Außer sich vor Wut rennt Lisa zum Training und gleich darauf gegen eine weitere Wand, landet in der Notaufnahme und verliebt sich dort in ihren Chirurgen. Geht es anfangs Schlag auf Schlag, so konzentriert sich Ciro Cappellaris Psychodrama im Folgenden ganz auf die fatale Liebesbeziehung zwischen einer Frau mit einer Affinität zu Problemen und einem Mann mit einem Problem: Alexander (Misel Maticevic) ist Alkoholiker. Nach einem Drehbuch von Tobias Stille ist ein vielschichtiges Drama entstanden, das vor allem von der intensiven Präsenz seiner Hauptdarstellerin Katharina Schüttler profitiert und so komplexe Themen wie Sucht, Opferbereitschaft und Selbstaufgabe auf weitgehend überzeugende Weise thematisiert.

Grüße aus Kaschmir

Gerade erst dem langweiligen Leben auf dem Land entronnen, schwebt die junge Tonassistentin Lisa (Bernadette Heerwagen) im siebenten Himmel, als sie in einer Münchener Disco den Ingenieur und Kaschmiren Sharif (René Ifrah) kennen lernt. Gleich nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht schwanger, macht sie ferner Bekanntschaft mit der Weltanschauung des Orientalen und dessen fürchterlicher Familiengeschichte. Nach einem Drehbuch von Harald Göckeritz entstanden, erreichen die Grüße aus Kaschmir den Zuschauer zu gleichen Teilen als emotionale Liebesgeschichte und politischer Thriller. Ein gewagter Spagat, der eigentlich noch nie zu einem wirklich gelungenen Ergebnis geführt hat. Einerseits gelingt es Regisseur Miguel Alexandre vorzüglich, die inneren Konflikte seiner beiden Hauptfiguren herauszuarbeiten, andererseits wirkt die Thematik Terrorismus dann doch aufgesetzt in einem Film, der zuvor Momente höchsten Liebesglücks zu süßlich tröpfelnden Melodien beschwor. Das SAT.1-Remake „Im Bett mit einem Taliban“ scheint unausweichlich.

Dresden

Die feierliche Weihe der Dresdner Frauenkirche im letzten Jahr gehört zweifellos zu den kulturellen Höhepunkten des noch jungen Jahrtausends, der Event-Zweiteiler Dresden definitiv nicht. Durchgehend in Distanz schaffendes Sepia getaucht, handelt der zehn Millionen Euro teure Antikriegsfilm von Roland Suso Richter brav Themen wie Hunger, Vertreibung und Gewalt gegen Kollaborateure ab, um sich nach einem besonders zäh inszenierten ersten Teil allmählich dem flammenden Inferno vom Februar 1945 zu nähern. Die Krankenschwester Anna (Felicitas Woll) verliebt sich in den abgeschossenen britischen Bomberpiloten Robert (John Light), der im Gegensatz zu seinen Kameraden fließend deutsch spricht und deshalb, wie praktisch, auch nicht untertitelt werden muss. Einmal mehr verbrämt teamWorx einen bedeutenden historischen Stoff mit einem kitschigen Arztroman, Autor Stefan Kolditz entreißt ein paar Kapitulationswitze dem Vergessen.

Eine Liebe in Saigon

In „Der Fan“, einem ihrer ganz frühen Filme, präsentierte sich Désirée Nosbusch noch als männermordender Kannibale, als Ärztin einer internationalen Hilfsorganisation, die in Vietnam mit einer Häufung von Meningitis-Fällen kämpft, macht sie sich zumindest nicht verdächtig, unter dem Helfer-Syndrom zu leiden. Der TV-Zweiteiler Eine Liebe in Saigon, man ahnt es, erzählt eine melodramatische Liebesgeschichte vor exotischer Bilderbuchkulisse, die en passant Kriegsverbrechen und der Veruntreuung von Spendengeldern auf der Spur ist. Monica Bleibtreu als Pensionswirtin raucht leidenschaftlich Zigarre, Mehmet Kurtulus als Halbvietnamese und Minensucher spielt den rauen Burschen mit weichem Kern. Ein typisches Genre-Produkt, das trotz einiger Bemühungen, den Klischees zu entkommen, ein reichlich schiefes Bild von Vietnam zeichnet – die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen entstanden am Drehort Südafrika.

Mathilde liebt

Die Kinder sind groß und aus dem Haus, der Mann ist tot, nun könnte auch Mathildes Leben zu Ende gehen. Doch weit gefehlt: Mathilde (Christiane Hörbiger) lernt in der Oper den Entwicklungshelfer Carlo (Michael Mendl) kennen, der sie nach einem leidenschaftlichen One-Night-Stand mit einer falschen Telefonnummer sitzen lässt, wenig später begegnet sie auf einer Radtour Hannes (Elmar Wepper), mit dem sie sich auf Anhieb versteht und eine Beziehung eingeht. Mathilde liebt überrascht zunächst als mutiger und fortschrittlicher Fernsehfilm, der tabuisierte Themen wie Liebe und Sexualität im Alter behandelt, enttäuscht aber auch, wenn er seine Erzählhandlung immer wieder auf Nebenschauplätze lenkt, etwa auf den Dialog zwischen der sexy Oma und der kleinen, verknallten Enkelin Mascha (Joana Fink-Mendl). Unter dem Strich bleibt ein konventioneller Unterhaltungsfilm für die ganze buckelige Familie.