Außer Atem (1960)

Improvisiert-amouröses Krimidrama von Jean-Luc Godard um einen Polizistenmörder und Schürzenjäger auf der Flucht und seine Begegnung mit der amerikanischen Studentin Patricia, das einigen frischen Tabakqualm in das europäische Kino brachte. Vom frühen amerikanischen Gangsterkino gleichermaßen fasziniert wie angeödet von den Konventionen des Kinos allgemein, konfrontiert der Regisseur seine Hauptfigur mit nervösem Lippenleiden mit einer burschikosen jungen Frau, die sich trotz aller Sprachschwierigkeiten in einem verbalen Schlagabtausch kleinerer Gehässigkeiten mit ihm übt. Jean-Paul Belmondo erspielt sich in der legendär gewordenen, ironisch gebrochenen finalen Szene ein Stück seiner Unsterblichkeit und stattet seinen Charakter, eine Art suizidale Verbrennungsmaschine für französische Zigaretten, mit einem Lächeln frühzeitig vollendeter Weisheit aus.

Di., 12. Mai, 22.00 Uhr, Servus TV

Rabia – Stille Wut (2009)

In der Summe virtuos inszeniertes, romantisches Krimidrama von Sebastián Cordero um einen kolumbianischen Bauarbeiter, der sich nach einem fahrlässig begangenen Tötungsdelikt an seinem Vorarbeiter in einer Villa versteckt hält, dort einen weiteren Mord aus Vorsatz begeht und später im Rahmen einer den häuslichen Ratten geltenden Ausräucherungsaktion vom Kammerjäger ins Jenseits befördert wird. Als düstere „balada triste“ erzählter Film, der zwar einige, der waghalsigen Geschichte geschuldete Logikschwächen aufweist, dafür aber auf eindringliche Weise eine nur vorgeblich fortschrittliche westliche Zivilisation als Ausbeuter und moderne Sklavenhalter entlarvt.

Mo., 30. März, 23.15 Uhr, Kinowelt TV

U-Turn – Kein Weg zurück (1997)

Stark ironisiertes Krimidrama mit Thriller-Elementen von Oliver Stone, das seinen Hauptdarsteller Sean Penn in der Rolle eines zahlungssäumigen Spielers nach dem Verlust zweier seiner Finger und einer Autopanne in ein provinzielles Wüstenkaff führt, wo er schon von den klassischen Fettnäpfchen des amerikanischen Spannungskinos erwartet wird. Lange Zeit sehenswert für seine überdurchschnittliche Besetzung und eine Reihe ausgefeilt-satirischer Miniaturen, kippt dieser Film zu seinem herbeigesehnten Finale in eine wenig originelle Leistungsshow des Genres, um, letztlich enttäuschend, als ausgedehntes Blutbad mit mäßig komischer Schlusspointe und als Futter für die Geier zu enden.

Sa., 21. März, 0.10 Uhr, ZDF Neo

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (2013)

Komplexes Kriminaldrama um eine unter Depressionen leidende junge Frau unter Suizidverdacht, die eines Tages unter dem Einfluss eines neuartigen Medikamentes ihren Gatten ersticht, was ihren behandelnden Arzt und Psychiater Jude Law um seinen Job und beinahe auch um seine Approbation bringt. Nach dem klassischen Genre-Rezept des doppelten Bodens inszeniert, bringt der solide gemachte Film eher seltener behandelten Themen wie Börsenmanipulation aufs Tapet, krankt aber auch an der Unplausibilität seines kriminalistischen Plots.

Mi., 11. März, 23.55 Uhr, ZDF Neo

City of God (2002)

Krimi- und Gesellschaftsdrama, das, brillant inszeniert, gespielt und montiert, den Werdegang eines selbsternannten Drogenbosses in der namensgebenden Vorstadt Rio de Janeiros vom verlachten, aber völlig verrohten „Löckchen“ zur gefürchteten „Locke“ erzählt, bis er selbst von einer neuen Generation von Löckchen aus dem Weg geräumt wird. Der Film von Fernando Meirelles ist eine brillante Studie des brasilianischen Alltags in einer von Kinder- und Jugendkriminaliät dominierten Region, der die Mechanismen des Drogengeschäfts und der eskalierenden Gewalt aufzeigt und auch die unheilvolle Rolle eines korrupten Polizeiapparates thematisiert.

Fr., 14. Februar, 20.15 Uhr, Kinowelt TV

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

Im Gewand eines Thrillers inszeniertes, gesellschaftskritisches Krimidrama um einen Kleinkriminellen auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld und lukrativen Einkommensquellen, der, fasziniert von den Möglichkeiten im Nachrichtengeschäft, als Freelancer auf die Jagd nach spektakulären TV-Nachrichtenbildern geht und zu diesem Zweck einen obdachlosen jungen Mann als unterbezahlten Azubi anheuert. Die zynisch überhöhte Mediensatire, die nebenbei die Verhandlungstaktiken der Branche karikiert und auch den Zuschauer zu einer Selbstreflektion über die eigene Schaulust zwingt, bietet dem Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal die Gelegenheit für die beunruhigende Charakterstudie eines Mannes, der keinen blassen Schimmer von journalistischer Ethik hat und sich stattdessen vom manischen Arschkriecher in ein größenwahnsinniges Arschloch verwandelt.

Mo., 20. Januar, 18.15 Uhr, TNT Film

Hin und weg (1999)

Heiß in Liebe entbrannt lernen wir David (Daniel Brühl) in seinem ersten Film kennen, den er gemeinsam mit Vater Hanno auf dem Regiestuhl realisierte. Und tatsächlich: Diese für eine Staffel der „Wilden Herzen“ entstandene Love-and-Crime-Story erweist sich auf den ersten Blick als liebenswert. Absolut glaubwürdig in den Charakteren, glänzend gespielt und ungemein spannend entwickelt sich hier eine mitreißende Achterbahnfahrt der Gefühle, die lediglich ganz zum Schluss unter einem etwas erzwungenen Happy End leidet. Von Brühls Filmpartnerin Katharina Schüttler jedenfalls ist man von Anfang an Hin und weg.