Hin und weg

Heiß in Liebe entbrannt lernen wir David (Daniel Brühl) in seinem ersten Film kennen, den er gemeinsam mit Vater Hanno auf dem Regiestuhl realisierte. Und tatsächlich: Diese für eine Staffel der „Wilden Herzen“ entstandene Love-and-Crime-Story erweist sich auf den ersten Blick als liebenswert. Absolut glaubwürdig in den Charakteren, glänzend gespielt und ungemein spannend entwickelt sich hier eine mitreißende Achterbahnfahrt der Gefühle, die lediglich ganz zum Schluss unter einem etwas erzwungenen Happy End leidet. Von Brühls Filmpartnerin Katharina Schüttler jedenfalls ist man von Anfang an Hin und weg.

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Ein fast perfektes Alibi

Auch Jupp Scholten (Günter Lamprecht) vermurkst sein Leben aus Liebe. Selten leuchtete ein scheint´s so unspektakulärer Charakter in so herrlichen Farben: Wie sich „Biberkopf“ Lamprecht in den Spießer Scholten verwandelt, Hausmeister unter der Knute der Gattin und schon seit 30 Jahren beim selben Bauunternehmen beschäftigt, das kann man schlicht nur beängstigend nennen. Ein fast perfektes Alibi nach dem Roman „Glatteis“ von Hans Werner Kettenbach, den sogar Jörg Fauser „für einen Glücksfall der erzählenden Literatur“ hielt, berichtet gleichfalls von einem durch einen Mordfall ausgelösten Prozess – hier allerdings eher von dem des humanitären Verfalls. Viel mehr sei über Michael Gutmanns superben, mit Hilde van Mieghem, Gottfried John und Elfriede Irrall in weiteren Rollen hervorragend besetzten Kleinbürger-Krimi gar nicht verraten, der hier wie bei seinem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten TV-Film „Nur für eine Nacht“ für Buch und Regie verantwortlich zeichnet.

Thrill – Spiel um dein Leben

Aufklärung tut not – und PRO 7 weiß das. Hier wird nicht etwa blindlings drauflosproduziert, sondern, wie wir aus den stets mitgelieferten „Hintergrund“-Informationen erfahren, fleißig über aktuelle Gesellschaftsphänomene nachgedacht. Sind beispielsweise auch Sie offline depressiv und ruhelos? Versuchen auch Sie vergeblich, ihre Aktivitäten im Netz zu reduzieren? Dann leiden Sie an Internetsucht und müssen sich entweder in einer virtuellen Klinik kurieren lassen – oder Peter Jürgensmeier in seinen Film Thrill – Spiel um dein Leben folgen. Dieser passable TV-Unterhalter bedient sich des seit Hitchcock bewährten Motivs eines unschuldig unter Verdacht geratenen Mannes (Stefan Jürgens), der nun auf eigene Faust herausfinden muss, wie er aus seinem Schlamassel findet. Aufbereitet als Mischung aus bewegendem Familiendrama und spannendem Web-Surfer-Krimi, stört hier eigentlich nur die zu dick aufgetragene Polarität der Figuren.

Eine Hand voll Glück

In dem von Christiane Balthasar (Regie), Claudia Garde und Britta Stöckle (Buch) gestalteten Krimidrama Eine Hand voll Glück gerät die allein stehende Neurochirurgin Martha (Suzanne von Borsody) in Gewissenskonflikte, als sie eines Tages den kleinen Straßenjungen Gigi anfährt, in Panik Fahrerflucht begeht und in der Folge von dem mit allen Wassern gewaschenen Jungen erpresst wird. Eine ungewöhnliche engagierte, glaubhaft und spannend in Szene gesetzte Begegnung, die sich auf angemessene Weise mit dem Schicksal jener Kinder befasst, die von der rumänischen Mafia zum Taschendiebstahl und zur Prostitution gezwungen werden.

Jenseits der Liebe

Ein kapitales Verbrechen beschäftigt auch Jan (Robert Atzorn), Professor der Germanistik in Berlin, der sich in England in die faszinierende Museumsführerin Helen (Martina Gedeck) verliebt. Dummerweise steht ein äußerst düsteres Kapitel der Vergangenheit zwischen ihnen – wie die beiden im Laufe ihrer Recherchen entdecken, ist der Vater von Helen der Mörder des Vaters von Jan und weiterer Männer, die im Zweiten Weltkrieg Opfer eines Erschießungskommandos wurden. Mit seinem Film Jenseits der Liebe hat Matti Geschonneck in gewohnt sorgfältiger Inszenierung eine Mischung aus melodramatischer Liebesgeschichte und der Abrechnung mit einem NS-Verbrecher gewagt, der sich nie seiner Schuld stellte und als Mönch untertauchte. Für ein TV-Movie gewiss diskutabel, erreicht diese Arbeit des Regisseurs aber nicht die Intensität und Glaubwürdigkeit vieler seiner früheren Filme.

Gnadenlose Bräute

In eine ähnliche Richtung zielt Manfred Stelzers Krimidrama Gnadenlose Bräute, das seine beiden Hauptfiguren Fine und Luzzi von einer brenzligen Konstellation in die andere schickt. Wenn die glänzend aufgelegten Schauspielerinnen Stefanie Stappenbeck und Barbara Philipp an der Nordsee auf Mörderjagd gehen, fühlt man sich über weite Strecken an den trockenen Humor der frühen Filme von Detlev Buck erinnert – den Ko-Autoren Eckhard Theophil kennt der Cinephile von der Beziehungskomödie „Männerpension“.

Lautlose Schreie – Eine Frau in Gefahr

Die taubstumme Elvira Ranft wird im Büro ihres Chefs vergewaltigt. Da wir uns bei Lautlose Schreie – Eine Frau in Gefahr in der Gewöhnlichkeit des Fernsehalltags befinden – und damit in jener Welt, die sich stetig bemüht, jedweden Inhalt in einer beliebten, letztlich aber beliebigen, leichtverdaulichen Form zu verstauen, die man als „guter TV-Standard“ zu bezeichnen versucht ist –, lernen wir hier nur, was wir spätestens seit Hitchcocks „Ein Mann unter Verdacht“ schon erahnten: Der wirkliche Täter kommt immer erst später. Als Justizdrama zu dröge und als Krimi nur knapp über dem Durchschnitt vergleichbarer Produktionen, stellt dieser wenigstens psychologisch haltbare, bereits 1996 nach einem Drehbuch von Wolfgang Brenner entstandene Film nicht mehr als eine immerhin passable Möglichkeit dar, seine Zeit zu verschwenden.