Verliebt in eine Unbekannte

Das schwülstige Italo-Komödchen Verliebt in eine Unbekannte stellt unter Beweis, wie variabel deutsche Fernsehnasen heute sein müssen. Hier mimt Gabriel Barylli nicht nur den Laiendompteur im Regiestuhl, sondern gleich auch noch einen Arzt, der einem Hallodri (Heio von Stetten) die Arbeitsunfähigkeit bestätigen soll. Was der von seinem Unfall längst genesene Versicherungsbetrüger nicht weiß: Im Koma hat sich die Verursacherin seines bemitleidenswerten Zustands (Cecilia Kunz) unsterblich in sein Herz gegraben. Ein unsäglicher Mix aus klebrig-sentimentalem Gefühlskitsch und unfreiwillig komischen Bonnie-und-Clyde-Allüren, der, von allerlei italienischen Schnulzen begleitet, zu einer immerhin überraschenden Lösung für sein vorprogrammiertes Happy End findet.

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Weihnachtsfieber

Von Paul Harathers Weihnachtsfieber lässt man sich gerne anstecken. Der zweite Kinofilm des Regisseurs, ebenso wie dessen „Indien“-Debüt eine gelungene Mischung aus Off-Road-Movie und pointiertem Situationswitz, schweißt einen bestens aufgelegten Uwe Ochsenknecht und eine herrlich genervte Jahresendflügelpuppe (Barbara Auer) zu einer unfreiwilligen Fahrgemeinschaft zusammen, die im Zuge ihrer gemeinsamen Reise immer häufiger die Selbstkontrolle verlieren, dafür aber ein paar ganz einfache Einsichten in ihr Leben gewinnen. Hier prallen eine überzeugte Verächterin des Weihnachtsrummels und ein leidenschaftlicher Fan von Bischofsmützchen in einer liebenswert menschlichen, mitunter urkomischen Schrulle zusammen. Firma dankt.

Ein Scheusal zum Verlieben

Max Tidof als Ein Scheusal zum Verlieben hat seine guten Momente. Wer könnte sich ein Lächeln verkneifen, wenn der Herzchirurg und überforderte Vater seinen neu geborenen Nachwuchs mit Gummihandschuhen und Mundschutz wickelt? Zwar pendelt diese gleichermaßen simpel gestrickte Liebesgeschichte etwas unentschlossen zwischen Komödie und Melo dahin, dafür können Jasmin Gerat in einer ihrer ersten großen Rollen, die konsequente Ablehnung von Esoterik-Gequatsche sowie die Kameraarbeit überzeugen. Und wenn es zum Ende zu einer herzzerreißenden Liebeserklärung des herzlosen Menschenfeinds kommt, dann weint auch W.C. Fields …

Die hohe Kunst des Seitensprungs

Die spinnt, die alte Dame ZDF. Da wehrt sie sich mit Händen und Füßen, ins Lager der Kompostis verbannt zu werden, und sondert dann doch immer wieder Ladenhüter wie diesen ab, den man höchstens in einem „Wir ab 107“ genannten Spartenprogramm dulden würde. Die hohe Kunst des Seitensprungs, als klassische Screwball-Comedy angepriesen, erzählt äußerst lustlos vom Liebesleben eines erfolglosen Schlagerfuzzis in Nöten und seinen drei gut situierten Freunden – ein biederes, mit billigen Anzüglichkeiten und harmlosen Witzchen über das Show-Biz müde gespicktes Schmierentheater, im Geiste noch älter als die hauseigene und -backene „Hitparade“.

Trennungsfieber

Nachdem sich ihre besten Freunde Liane und Toni das Jawort zum Ehebruch gaben, werden auch die seit 23 Jahren miteinander verheirateten Scheidungsanwälte Carla und Fritz mit einem grassierenden Willen zur Selbstverwirklichung infiziert. Für ein richtiges Trennungsfieber plätschert diese Komödie zwar ein bisschen zu belanglos daher, dafür sieht man hier mit Senta Berger und Günther Maria Halmer zwei Quotengaranten bei ihrer tapferen Arbeit, alle mögliche Banalität einer solchen Fernsehschmonzette erfolgreich zu überspielen.

Ich kaufe mir einen Mann

Einen rabenschwarzen Hochzeitstag hat da Helen, Frau im besten Verzweiflungsalter, erwischt: Neben ihrem Job und der häuslichen Ordnung verliert sie überdies ihren Mann, der sich seines lästig gewordenen Ehegespons abrupt entledigt. Fortan schlägt sich Helen paralysiert durch eine Reihe absurder Konfrontationen, bis sich ihr Schicksal durch einen weiteren Schicksalsschlag bessert: Nach dem plötzlichen Tod ihres abtrünnigen Gatten steht sie mit einem Koffer voller Geld da. Ich kaufe mir einen Mann, von der Story her blitzsaubere Kolportage, als Inszenierung eine hitgeschwängerte Beziehungsdramödie, entfaltet einigen Situationswitz, und geht dank des einfühlsamen Spiels der Hauptdarstellerin Mariele Millowitsch überdies als die annehmbare Schilderung einer Emanzipation durch. Die Rolle des zu läuternden Callboys, der die Frauen glücklich macht, ist mit Schauspielerregisseur Gabriel Barylli allerdings ungleich weniger hochkarätig besetzt.

Meine beste Feindin

Aufmerksame Puschenkinobesitzer kennen den Regisseur Utz Weber schon von TV-Shows wie „Beckmann“ oder „Sabine Christiansen“, mit Meine beste Feindin liefert er den Beweis, dass der Mann durchaus zu Höherem berufen ist. Gemeinsam mit der Potsdamerin Kerstin Cantz entwickelte er eine zuweilen derb-amüsante, mitunter auch ernste Töne anschlagende „Beziehungs“-Komödie, die das biedere Landei Johanna (Mariele Millowitsch) nach dem plötzlichen Tod ihres Gatten mit einer ihr vollkommen fremden Welt in Gestalt der lebens- und liebeshungrigen Transe Andrea verbindet – und verbündet. Schade nur, dass der ausgesprochen weibliche Nebenbuhler, eine von Doris Kunstmann wunderbar ausgefüllte Szenetype, die einst das Deep Throat in Hamburg führte, zum Ende der Freundschaft zuliebe im ländlichen „Deep Wash“ versauert …