Mörderherz

Mit einer auf höchstens sechs weitere Monate geschrumpften Lebenserwartung entschließt sich der ansonsten vitale Mittfünfziger Daniel Elsner für einen Benzinpumpen-Austausch, wie es der Arzt seines Vertrauens formuliert. Als ihm allerdings nach gelungener Transplantation dämmert, dass in seiner Brust nun möglicherweise ein Mörderherz schlummert, benimmt er sich, von sonderbaren Alpträumen geplagt, wie ein Gehirnamputierter, der alle Warnungen der Mediziner in den Wind schlägt und sich auf die Spurensuche nach dem tödlich verunglückten Organspender macht. Eine reichlich krude, in wohlfeilen Bildern erzählte Geschichte von Christian Görlitz, die antike Tragödie, Ehedrama und Landkrimi in sich zu vereinen sucht.

Die Ohrfeige

Bankdirektor Friedrich Gelmini (Herbert Knaup) bekommt von seiner hysterischen Frau Margarete gleich des Morgens eine geschallert, weil sie „mit eigenen Augen“ geträumt hat, dass er sie betrügt. Die Ohrfeige löst eine Kettenreaktion aus, die eine Reihe ohnehin schon missgelaunter Personen erst an den Rand der Verzweiflung treibt und sie dann zu ganz neuen Erkenntnissen führt. Zu nennen wären der manisch-zweiflerische Komponist und Pianist Alexander (Alexander Lutz), der auf Umwegen die panisch kontrollbesessene Werbefachfrau Julia (Julia Stemberger) kennenlernt, die überarbeitete Kellnerin Elisabeth (Mavie Hörbiger), sowie der vom Pech verfolgte Lehrer Ferdinand, der seinen Frust an Gelminis Sohn Oliver auslässt. Regisseur und Autor Johannes Fabrick liefert hier eine reichlich brave, zuweilen immerhin gut pointierte Komödie ab, die auf naive Weise für mehr Mut zur persönlichen Eigenbestimmung wirbt.

Teuflischer Engel

Während im Leben immer alles anders kommt, als man denkt, kommt im Film immer alles, wie es kommen muss. Kaum wird Vera Gräf auf einem Bahnsteig von einem der Häscher ihres Mannes belästigt, da steht ihr auch schon ein Helfer zur Seite, der ihn in die Flucht schlägt: Gestatten Boxer, gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und eigentlich selbst schutz- und liebesbedürftig ohne Job, ohne Frau, ohne Bleibe. Henry, wie der Mann in Wirklichkeit wie die besten anderen Boxer auch heißt, hat zwar keine richtigen Sachen zum Anziehen, dafür aber Mumm und Courage, das Leben in Freiheit neu zu entdecken. Und Vera, die panische, verängstigte Frau, die keinen Weg aus ihrer Not weiß, einem ganz und gar nicht güldenen Ehekäfig, schöpft neue Hoffnung. In seinem Thriller Teuflischer Engel führt der Berliner Regisseur und Autor Peter Kahane zwei Menschen zusammen, die wie die Faust aufs Auge passen: sie, das vom gewalttätigen Ehemann gepeinigte, verwundete Reh, das zurückschlagen will, ihn, den verletzlichen und vom Leben geschundenen Schläger, der schon mal zulangt und Tod produziert.

Eine klassische Ausgangssituation, die in einem amerikanischen Massenprodukt in die ewig gleiche Mär von der Gattin, die eigentlich nur hinter der Kohle ihres verhassten Mannes her ist, münden würde. Doch in diesem Film kommt alles ganz anders, als man so denkt.

Zum einen wird da aus anfänglicher Berechnung aufrichtige und leidenschaftliche Liebe, die den perfiden Plan Veras, diesen ersichtlich mit einem ungebändigten Beschützerinstinkt versehenen, ehemaligen Profiboxer als Mordwerkzeug für ihren Mann zu benutzen, total unterläuft. Zum anderen entwickelt Peter Kahane den üblichen Plot zu einer noch viel perfideren Parabel weiter: Wie sich die Gewalt in seinem Thriller wie selbstverständlich verselbständigt – das ist es, was seinen Film so spannend und sehenswert macht.

Um nicht zu viel zu verraten: Nach gut einer Stunde erfährt der Film eine entscheidende Wendung, dann nämlich, als Gatte Gräf tatsächlich ins Gras beißen muss. In dieser Schlüsselszene ballt sich die ganze Intensität dieses sich zwar ruhig entwickelnden, aber immer wieder beklemmenden Films, wenn die Gesichter der Figuren für Sekunden zu Masken erstarren, der Ton auf ein Minimum reduziert ist und Gevatter Tod – fast wie bei Takeshi Kitano – in Slowmotion zuschlägt.

Eine Intensität, die natürlich vor allem auch die Schauspieler vermitteln müssen. Schon lange hat man Gottfried John und Julia Stemberger nicht mehr so ausdrucksstark in derart differenzierten Rollen gesehen. Plakativer Titel, nuancierte Performance: Mit einem einzigen Blick, einer einzigen Geste treiben sie die Handlung in eine andere Richtung – und weiter.

Gut möglich außerdem, dass Peter Kahane, der sein Handwerk bei der DEFA erlernte, Mitte der Achtziger mit „Ete und Ali“ einen ersten Publikumserfolg hatte, Anfang der 90er mit „Cosimas Lexikon“ einen totalen Flop landete und zuletzt mit seinem Roadmovie „Bis zum Horizont und weiter“ doch wieder erfolgreich im Kino vertreten war, eigentlich für die Arbeit mit der großen Leinwand bestimmt ist. Den Fernsehzuschauer wird sein neuerlicher Ausflug in das etwas kleinere TV-Fach freuen.