Schlange auf dem Altar

Der Evangelik Färber fällt fast aus dem Bett, als ausgerechnet der Gebetsruf des Muezzins seinen Schlaf jäh beendet. Kaum zu glauben, was so eine Mini-Moschee aus Plastik für einen Lärm machen kann. Die ihm anvertrauten Schäfchen jedenfalls stehen wie vom Donner gerührt vor der Gotteshaustür, trauen ihren Ohren nicht und spähen hilfeheischend gen Himmel. Das fängt ja gut an.

Wie schon in „Geiselfahrt ins Paradies“ mimt Armin Rohde auch in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Hans-Erich Viet den Geprellten. Gab er in der Gaunerkomödie jedoch einen schmierigen Schurken, der eher durch Zufall um sein sauer Geklautes gebracht wird, hat er sich hier zum allzu gefühlsduseligen Gottesvertreter gewandelt, der es seiner eigenen Leichtgläubigkeit zuschreiben muss, dass er zum Hilfspastor degradiert wird – und das in Hamburgs Schanzenviertel, wo Sodom und Gomorrha Koks verticken und kleine Mädchen auf die Straße schicken. Doch Färber nimmt die Zwangsversetzung an – und somit auch die Herausforderung, in einem von Grund auf verrufenen Stadtteil gegen den Untergang des Abendlands anzukämpfen.

Zunächst lässt sich alles sehr gut an für den sympathischen Färber, der endlich neuen Schwung in die verstaubte Kanzlei bringt. Die erste Predigt sitzt, der schwule Kantor staunt, und die weibliche Klientel ist Feuer und Flamme – bis zu dem Tag, da die Nigerianerin Mambele bei ihm um Kirchenasyl bittet und mit ihr eine drei Meter lange Python, eingangs erwähnter Muslimenwecker und allerlei erotische Spannungen in das Haus Gottes einziehen …

Doch so reich die Schlange auf dem Altar an Verwicklungen, skurrilen Einfällen und komischen Zuspitzungen ist, eine Gratwanderung zwischen Liebesromanze, Kiezkirchengroteske und Asylantendrama vermag auch sie nicht zu leisten. Drehbuchautor Georg Heinzen konnte sich offenbar ebenso wenig entscheiden wie die beiden Hauptfiguren Färber/Mambele zum Ende des Films, wohin die Reise gehen soll. Der irrige Glaube allerdings, Unterhaltung entstehe dadurch, dass überhaupt nichts mehr ernst genommen wird, ist fast schon wieder so menschlich wie das Heldengespann, dem man wirklich gern dabei zuschaut, wie es zum Beispiel um den richtigen Sound auf der Landstraße streitet und den Boss aus dem Cabrio feuert (nieder mit Bruce Springsteen!).

Obwohl es dem Film an einer bündigen Einheit mangelt und man bisweilen auch mit seltsam altmodisch anmutenden Gute-Laune-Szenen wie dem Schwoof in der Kirche konfrontiert wird – der Gesamteindruck bleibt positiv. Und die Fans von Viet, der nebenbei wieder einmal fleißig Kaurismäki zitiert (Gemeindepastor Reinhardt pflegt über der Lektüre von „Lucky Luke“ einzuschlafen), haben ihre Mini-Moschee ohnehin schon auf den Sendetermin programmiert.

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