Der Boxer und die Friseuse (2004)

Als der junge Profiboxer Mirco kurz vor seinem ersten Kampf seinen Promoter (Tilo Prückner) umhaut, verspielt er den letzten Kredit bei seinem Lebensgefährten Fränki, der sich die ganze Zeit rührend um ihn gekümmert hat – und das, obwohl er seit seiner Haftentlassung den Frauen nachsteigt und behauptet, er sei „nur knastschwul“. In der Liebeskomödie Der Boxer und die Friseuse, mit der Hermine Huntgeburth und Drehbuchautor Eckhard Theophil („Männerpension“) einmal mehr ihren köstlichen Sinn für Humor beweisen, haben Ulrich Noethen und Hinnerk Schönemann zwei wunderbare Charaktere geschaffen. Hier trifft ein breitbeiniger Kraftprotz und Einfaltspinsel, der trotzig versucht, seinen eigenen Weg zu gehen, und dabei überall aneckt, auf einen romantischen Feingeist von Starfriseur, bei dem aber auch schon mal die Sicherungen durchbrennen. Paradeschwule wie bei Michael „Bully“ Herbig sucht man in dieser Komödie glücklicherweise vergeblich.

Polizeiruf 110 – Vergewaltigt (2005)

Kaum reicht man jemandem den kleinen Finger, schon nimmt er die ganze Hand. Auf einem Dorffest lernt die junge Claudia (Anna Maria Mühe) den glücklosen Bauunternehmer Frank Göber (Harald Schrott) kennen, sie tanzt, sie amüsiert sich, sie streitet mit ihrem Freund (Hinnerk Schönemann). Auf dem Heimweg wird sie von Göber in einem Waldstück Vergewaltigt, kann aber immerhin flüchten, ehe sich auch noch sein tumber Komplize Alex Kohler (Sven Pippig) an ihr vergeht. Eine neue Folge des altehrwürdigen Polizeiruf 110, der nicht nur die erschreckende Banalisierung eines Verbrechens als Kavaliersdelikt anprangert, sondern auch ein beziehungsreiches Geflecht von Gewalt und Gegengewalt in einem Landstrich Brandenburgs entwirft. Bis in die Nebenrollen famos besetzt, überzeugen hier vor allem das nuancierte Drehbuch von Stefan Kolditz und das energische Auftreten von Hauptkommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge), die auch in dieser Folge schier an der Menschheit verzweifelt.

Mörderische Erpressung (2006)

In dem kleinen Dorf Möhnstedt bei Hamburg wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Als man feststellt, dass sie noch kurz vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr mit drei verschiedenen Männern hatte, ist die Aufregung groß. Ein Speicheltest wird durchgeführt, zwei ihrer Sexualpartner sind rasch gefunden. Doch schlief Nina Krohn, den Männern des Ortes bestens als Bartänzerin bekannt, tatsächlich freiwillig mit den Söhnen des Großbäckers Jansen? Und wer ist der dritte Mann, der Sex mit Nina hatte? Regisseur Markus Imboden, schon 2002 mit dem Film „Ein Dorf sucht einen Mörder“ in ganz ähnlichen Gefilden unterwegs, liefert in Mörderische Erpressung noch einmal das große ABC des Dorfkrimis ab. Anfangs stört dabei die allzu stereotype Handlung: Ein eher unbedarfter, etwas unsicherer Polyp muss sich mit einer neuen Kollegin aus der Stadt herumschlagen und wird von der Dorfgemeinschaft zunehmend unter Druck gesetzt. Später jedoch zieht einen die ganz dicht an den Figuren orientierte, spannende Inszenierung in den Bann – und das ausgezeichnete Spiel von Hinnerk Schönemann, der seine Rolle des Dorfpolizisten Burck absolut glaubhaft angelegt hat.