Stunde des Wolfs (2000)

Sich entwickelnde Charaktere sind für Schauspieler stets die größte Herausforderung. In diesem Film von Hermine Huntgeburths kommt Richy Müller die dankbare Aufgabe zu, das Leben eines ehrbaren Familienvaters zu ruinieren – was er mit Bravour löst. Wäre da nicht ein überkonstruiertes Drehbuch und der in anderthalb Stunden kaum einzulösende Anspruch, auch den zahlreichen Nebenfiguren viel Platz zur Entfaltung zu geben, die Stunde des Wolfs hätte nahtlos an so überzeugende Filme der Regisseurin wie „Gefährliche Freundin“ anschließen können. Doch auch so gehört die spannende Wandlung des Kranführers Grosche vom Lebensretter und Bewährungshelfer zum brutalen Mörder und Knasti, die Geschichte einer ehrlichen Haut, die, zunächst von ihrer Libido übermannt und später von Eifersucht getrieben, in ihr Verderben rennt, zu den besseren TV-Produktionen.

Der Boxer und die Friseuse (2004)

Als der junge Profiboxer Mirco kurz vor seinem ersten Kampf seinen Promoter (Tilo Prückner) umhaut, verspielt er den letzten Kredit bei seinem Lebensgefährten Fränki, der sich die ganze Zeit rührend um ihn gekümmert hat – und das, obwohl er seit seiner Haftentlassung den Frauen nachsteigt und behauptet, er sei „nur knastschwul“. In der Liebeskomödie Der Boxer und die Friseuse, mit der Hermine Huntgeburth und Drehbuchautor Eckhard Theophil („Männerpension“) einmal mehr ihren köstlichen Sinn für Humor beweisen, haben Ulrich Noethen und Hinnerk Schönemann zwei wunderbare Charaktere geschaffen. Hier trifft ein breitbeiniger Kraftprotz und Einfaltspinsel, der trotzig versucht, seinen eigenen Weg zu gehen, und dabei überall aneckt, auf einen romantischen Feingeist von Starfriseur, bei dem aber auch schon mal die Sicherungen durchbrennen. Paradeschwule wie bei Michael „Bully“ Herbig sucht man in dieser Komödie glücklicherweise vergeblich.