Auf schmalem Grat

Einen schweren Irrtum begehen Regisseur Erwin Keusch und Autor Hansjörg Thurn, wenn sie glauben, den Themen der Korruption, des Mobbing und der sexuell motivierten Gewalt am Arbeitsplatz mit einem Film beizukommen, der sich auf weite Strecken wie ein „Basic Instinct“ für Arme ausnimmt. So darf denn Ann-Kathrin Kramer in diesem Thriller nicht nur eine durchaus sympathische, burschikose Frauenfigur verkörpern, sie muss auch noch den leidenschaftlichen Sex auf Damentoiletten entdecken. Auf diese Weise bewegt sich der Film um eine Polizistin, die nach dem Selbstmord einer Kollegin auf deren Dienststelle nach Ursachen forscht, nicht nur Auf schmalem Grat, sondern auch auf gefährlichem Terrain. Der beklagenswerte und gerade erst in letzter Zeit viel in der Öffentlichkeit diskutierte Umstand, dass sich auch unter Polizisten echt virile Bullen befinden, sollte kein Anlass für einen voyeuristischen TV-Reißer sein, der auch noch, wie üblich, die Mitschuld der weiblichen Opfer behauptet.

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