Eisleute

Ob man es glaubt oder nicht, überall gibt es Probleme. Drängende Probleme, mit etwas weniger wichtigem würden wir uns gar nicht abgeben. In Deutschland zum Beispiel ist man, genau wie in Japan oder den USA, anscheinend nicht in der Lage, ein schmackhaftes Eis zuzubereiten. Oder woran sonst liegt es, dass man hierzulande, und das schon seit den 20er Jahren, pausenlos zum Italiener rennt? In der deutschen Wirtschaftswunderklamotte wie in den unzähligen Folgen des Schulmädchenreports – der virile südländische Eismann ist längst zum Synonym für zuvorkommende und freundliche Bedienung geworden. Tugenden, die auch Gabriele Soravia pflegt: Sogar der Schwarzwälder, sozusagen der Inbegriff von Nationalstolz und Wertarbeit, weiß den Fleiß und die Künste dieses fremdländischen Mannes zu schätzen. Künste, die er denn auch nicht vorführt: Nur in einem einzigen Moment, dann nämlich, als es um sein Berufsgeheimnis geht, verweigert sich der aus den Dolomiten stammende Gelatiere den Kameras der Dokumentaristen Hannelore Conradsen und Dieter Köster. Diese wiederum porträtieren die Eisleute auf selten umfangende Weise und werfen mit ihrem Film auch einen kritischen Blick auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme im modernen Europa.

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