Die Abbotts – Wenn Hass die Liebe tötet (1997)

Weniger Weltflucht denn Nostalgie prägt die amerikanische Kinoproduktion Die Abbotts – Wenn Hass die Liebe tötet, die mit einiger Verspätung ins deutsche Fernsehen kam. Mit Joaquin Phoenix, Liv Tyler, Jennifer Connelly und anderen US-Jungstars hochkarätig besetzt, erzählt Pat O‘Connor hier ein Familiendrama aus uralter Zeit neu. Ein Hauch von „… denn sie wissen nicht, was sie tun“ weht durch diese gut gespielte, aber überflüssige Reminiszenz an das Lebensgefühl der 50er Jahre, als sich Mädchen noch gegen ihre tyrannischen Väter auflehnen mussten und pubertierende Jungen mit angemalten Koteletten in bonbonfarbenen Schlitten à la Plymouth den Aufstand probten.

Meine Tochter darf es nie erfahren (2000)

Selten sind sie, die wirklich gelungenen, ernsthaften Dramen unter den von den privaten Sendern hergestellten TV-Spielfilmproduktionen. Umso mehr freut es uns, an dieser Stelle ein Beispiel des oft gescholtenen „großen SAT.1-Films“ zu loben. Ohne eine Spur von Rührseligkeit setzt sich das Liebes- und Familiendrama Meine Tochter darf es nie erfahren mit dem Schicksal der jungen Jenny auseinander, die den Inzest mit dem Vater verdrängt hat und sich nun zögernd zu erinnern beginnt. Absolut glaubhaft zeichnet Regisseur und Koautor Lutz Konermann das Porträt einer Frau, die verzweifelt versucht, das Sorgerecht für ihre Tochter gegen einen tyrannischen Satyr im Gewande des Biedermanns zu erstreiten. Walter Kreye in der Rolle des Vaters schickt einem Schauder des Entsetzens über den Rücken, und Muriel Baumeister in der Rolle der Jenny haben wir überhaupt noch nie so ausdrucksstark spielen gesehen.

Für immer verloren

Was bringt uns das „große SAT.1-Event“ in diesem Frühjahr? Einen heißen Gassenhauer wie „Opernball“? Eine weitere Schicksalsmelodie im Stile von „Vera Brühne“? Oder doch nur das Remake von „Liebe darf alles“? Alles weit gefehlt und trotzdem getroffen: In seinem neuesten TV-Zweiteiler schickt der Berliner Sender eine bemitleidenswert ungepflegte Veronica Ferres in eine deftige Kolportagegeschichte um eine Frau, die vom türkischen Zoll wegen Drogenschmuggels hopsgenommen wird. Ist die dreifache Mutti Sabine nun Für immer verloren und muss sich in Zukunft von Kakerlaken ernähren? Wie kommen die Kinder daheim mit der Trennung zurecht? Und wie der Papa – mit der Waschmaschine? Dieser unter der Regie von Uwe Janson entstandene Film durchläuft konsequent alle Genres vom Gefängnisfilm (auf dem Niveau von „Hinter Gittern“) über das Familien- bis zum Eifersuchtsdrama; zum Schluss fühlt man sich gar an „Der Tunnel“ erinnert. Eine haarsträubende Mischung, die nicht nur einmal unfreiwillig für Heiterkeit sorgt.

Geheime Geschichten

Es gibt viele Arten von Familiendramen. Solche, die uns in die verschiedensten Milieus entführen, in die verlogene Scheinwelt der Reichen oder den tristen Alltag sozialer Randfiguren. Es gibt Familiendramen, die nach Schema F Stereotypen produzieren, und es gibt Familiendramen wie „Der Pate“, die sogar noch mehr Fans als Familienmitglieder haben. Selten aber beschränkte sich ein Familiendrama so konsequent auf sein Sujet, wie Christine E. Wiegands Geheime Geschichten. Nach einem Drehbuch von Hans-Ullrich Krause ist ein leiser, eindringlicher Film entstanden, der sich ganz auf den Mikrokosmos einer Kleinfamilie konzentriert und subtil Mechanismen menschlichen Miteinanders und Scheiterns beschreibt. Martina Gedeck und Ulrich Noethen in den Rollen der überforderten Adoptiveltern gewinnen dem Drama eine ganze Reihe von Glanzlichtern ab, und auch die junge Debütantin Marie-Terese Katt vermag der ungewöhnlich liebesbedürftigen Tochter Julia glaubhaft Gestalt zu verleihen.

Engelchen flieg!

Ein neuer Tag beginnt. Während man anderswo in aller Seelenruhe Frühstückseier köpft, stehen die Kollers Kopf. Mutter Hanna hat alle Hände voll zu tun, ihre vierköpfige Familie aus dem Haus zu bringen, Vater Michael (Uwe Ochsenknecht) kommt schon wieder nicht aus den Federn, Sohn Patrick verlangt ungeduldig nach seinem Brot, die Elektro-Steuerung des Rollstuhls der Tochter Pauline streikt. Ab der ersten Sekunde seines Dramas Engelchen flieg! konfrontiert Regisseur Adolf Winkelmann den Zuschauern mit dem Stress, dem Lärm und der Hektik, der den Alltag einer Familie mit einem körperlich schwerstbehinderten Kind dominieren. Entstanden nach einem Drehbuch von Werner Thal, dem leiblichen Vater der behinderten Pauline und ihres Bruders, spielen sich seine Lebensgefährtin Corinna Beilharz und ihre zwei Kinder Marlene und Moritz gewissermaßen selbst in einer zwar autobiografisch gefärbten, aber fiktionalen Geschichte, die bei aller Dramatik der angespannten Situation auch Zeit für humorvolle Betrachtungen findet.

Der Vater meiner Schwester

Nach außen hin nimmt der 19-jährige angehende Koch Paul das Leben leicht, auch als seine Mutter Karola bei ihrem neuen Lebenspartner Michael einziehen will, zuckt er nicht mit der Wimper. Als ihm Karola allerdings gesteht, dass sein tot geglaubter und zum Helden stilisierter Vater Klaus nicht wie jahrelang behauptet in Indien ums Leben gekommen ist, sondern quasi um die Ecke mit Frau und Tochter lebt, bahnt sich ein veritables Familiendrama an. Als Klaus seinen Sohn bei einem ersten Treffen abkanzelt, findet Paul einen Weg, sich bei seiner Halbschwester Susa und Klaus’ Frau Annette lieb Kind zu machen, und seinen Vater, der seine Existenz leugnet, in Bedrängnis zu bringen. Der Vater meiner Schwester von Christoph Stark überzeugt vor allem durch seine einfallsreich und lebensnah gestaltete Story und ein sehr gutes Darstellerensemble: Ludwig Blochberger als Paul und Christian Berkel als sein Vater Klaus liefern eine Glanzvorstellung ab.