Verleugnung (2016)

Nach einer wahren Begebenheit entstandenes Justizdrama mit Rachel Weisz, die sich an der Seite ihrer Anwälte in einem Gerichtsverfahren gegen die Verleumdungsklage eines Populisten und Holocaust-Leugners wendet. In mehrfacher Hinsicht für seine aktuellen politischen Bezüge sehenswerter Film von Mick Jackson , der sich gegen die immer wiederkehrenden Versuche wendet, historische Tatsachen zu verdrehen, aber auch die Schwierigkeiten zeigt, im Zweifelsfall eine allgemeingültige Wahrheit vor Gericht zu beweisen.

Sa., 25. Januar, 23.30 Uhr, RBB

Deine besten Jahre (1999)

Vera Kemp, 36, hat sich zeit ihres Lebens ausschließlich mit den schönen Dingen dieser Welt umgeben. Die Leitung der Geschäfte hat die kunstbeflissene Firmenerbin ihrem schönen Mann überlassen, auf ihrem schön gedeckten Tisch brennen Kerzen, und wenn sie, wie heute, Geburtstag hat, dann kann sie sich sicher sein, dass ihr eine schöne Überraschung ins Haus im Grünen steht. Wie schon in seinem letzten Fernsehfilm „Bittere Unschuld“ nimmt sich Dominik Graf auch hier den drängenden Problemen an, die die High Society plagen: Ehebruch, Familiendünkel, knallharter Konkurrenzkampf, wenn es ums Geld geht. Dies alles, kameratechnisch virtuos und durchaus fesselnd in Szene gesetzt, mögen wir dennoch nur den relativ seltenen frustrierten Millionärsgattinnen dieses Landes zur Ansicht empfehlen – und Hauptdarstellerin Martina Gedeck, dass du, wenn du die persönliche Anrede erlaubst, Deine besten Jahre nicht noch einmal mit einer derart überflüssigen Story verschwendest. Kurzfassung unter höflicher Auslassung der Elemente, die frustrierte Millionärsgattinnen interessieren: In behütetem Reichtum Aufgewachsene entdeckt das Böse in der Welt, schluckt erst mal Pillen und liest dann einen sie rettenden Brief vor. Tragic!

Stunde des Wolfs (2000)

Sich entwickelnde Charaktere sind für Schauspieler stets die größte Herausforderung. In diesem Film von Hermine Huntgeburths kommt Richy Müller die dankbare Aufgabe zu, das Leben eines ehrbaren Familienvaters zu ruinieren – was er mit Bravour löst. Wäre da nicht ein überkonstruiertes Drehbuch und der in anderthalb Stunden kaum einzulösende Anspruch, auch den zahlreichen Nebenfiguren viel Platz zur Entfaltung zu geben, die Stunde des Wolfs hätte nahtlos an so überzeugende Filme der Regisseurin wie „Gefährliche Freundin“ anschließen können. Doch auch so gehört die spannende Wandlung des Kranführers Grosche vom Lebensretter und Bewährungshelfer zum brutalen Mörder und Knasti, die Geschichte einer ehrlichen Haut, die, zunächst von ihrer Libido übermannt und später von Eifersucht getrieben, in ihr Verderben rennt, zu den besseren TV-Produktionen.

Verschwinde von hier (1999)

Jannas Freund Janosch macht sich gerne einmal aus dem Staub, zum Beispiel wenn sie gerade wieder einmal schwanger ist. In Verschwinde von hier erzählt Franziska Buch mit einem im deutschen Fernsehen seltenen Mut zu fiesen, aber vitalen Figuren am Rand der Gesellschaft eine proletarische Lebensgeschichte. Der eine oder andere Schlenker weniger wäre in diesem Drama um einen Jungen (Simon Glöcklhofer), der seinen in den Knast gewanderten, über alles geliebten Ziehvater partout nicht vergessen kann, zwar besser gewesen, doch auch so steht der Film als ungewöhnlich lebensnahe Darstellung eines Milieus da.

Lieb mich! (2000)

Hauptsache ist doch, man weiß, was man will. Ein Grundsatz, den die Regisseurin Maris Pfeiffer auf vorbildliche Weise beherzigt. Lieb mich! konzentriert sich ganz auf seine Geschichte und seine Figuren: Eine junge Ehefrau und Mutter verliebt sich in die Lehrerin ihres Sohnes, was nicht nur das für geordnet gehaltene Alltagsgrau ihres Gatten verdüstert, sondern auch für neuen Schwung in einem erstarrten Lebensmodell sorgt. Mit einem heute selten gewordenen Selbstvertrauen stellt die Regie das uralte Thema der Liebe ins Zentrum der Betrachtung und entwickelt ein beachtlich unaufdringliches Drama, das man einfach gern haben muss. Bemerkenswert auch die Leistung der drei Hauptdarsteller: Julia Richter, Naomi Krauss, Oliver Stokowski.

Verhängnisvolles Glück (2000)

Als Witwer Christoph hat Dieter Pfaff einmal mehr eine Glanzleistung an Einfühlungsvermögen abgelegt. Dessen Verhängnisvolles Glück besteht darin, sich ausgerechnet in eine Frau zu verlieben, die nicht nur seine Tochter sein könnte, sondern auch ist. Was sich auf dem Papier wie Kolportage ausmacht – 50-jähriger Banker lernt eine junge Prostituierte kennen und will sie aus ihrem Milieu befreien – erweist sich als vielschichtige Betrachtung des menschlichen Wesens mit all seinen Stärken und Schwächen. Die von Autor Johannes Reben ausgesprochen wahrhaft und lebendig gestalteten Charaktere werden von einem durchwegs überzeugenden Ensemble gegeben, und auch Regisseur Thorsten Näter hatte ein glückliches Händchen für diesen ungewöhnlich dicht gestalteten, archaischen Stoff.

Rote Glut (2000)

Eine Dreiecksgeschichte erzählt Mark Schlichters Film Rote Glut. Hier zoffen sich Roman Knizka als der jüngere und Richy Müller als der ältere Spross eines legendären Arbeiterführers um Meret Becker. Ersterer, als Unternehmensberater beschäftigt und nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder in seiner Heimat, avanciert zum Buhmann Nummer eins im Revier, als sein Gutachten für die Schließung des Stahlwerks sorgt, das schon seinem Vater und nun seinem Bruder Arbeit und Brot gab. Ein hoch emotionaler und leidenschaftlich gespielter Film, der sich leider nicht entschließen kann, ob er lieber Wirtschaftskrimi, Liebes-, Brüder- oder Ruhrpott-Drama sein will – oder vielleicht doch eine Fabel über die wirklichen Träume seiner zerrissenen Helden.