Couscous mit Fisch (2007)

Zwischen kühl-analytischer Zustandsbeschreibung und mitfühlender Anteilnahme ausgependeltes Migrantendrama von Abdellatif Kechiche, das, lange Zeit nahezu ausschließlich in Nah- und Superaufnahmen seines Laienensembles fotografiert, konsequent mit den Sehgewohnheiten eines an Kinoproduktionen westeuropäischer oder amerikanischer Prägung gewöhnten Publikums bricht, um anhand minutiös gestalteter Szenen, die die Geschlechter- und Generationenkonflikte innerhalb einer Gemeinschaft nordafrikanischer Einwanderer schildern, zur klassischen Tragödie zurückzufinden. Gleich eingangs durch ein Streitgespräch zwischen dem 61-jährigen Werftarbeiter Slimane und seinem Vorgesetzten als „Topografie des Terrors“ einer westlich-dominanten Zivilisation eingeführt, fühlt sich dieser kraftvoll poetische Film in die Mentalität und die Alltagsprobleme seiner arabischen Hauptprotagonisten ein und belohnt die Geduld seines Zuschauers mit einem emotional berührenden Finale von übergeordneter Bedeutung.

Fr., 07. August, 1.15 Uhr, ARTE

Die Zeit, die uns noch bleibt (2007)

Tragikomisches Familiendrama von Anand Tucker nach einem autobiografischen Roman von Blake Morrison, das einen von seinem Vater entfremdeten Sohn kurz vor dessen Krebstod noch einmal in sein Elternhaus führt. Gute Schauspielerleistungen – Jim Broadbent gibt den bis zur Unerträglichkeit in jovialer Selbstgefälligkeit ruhenden Familienvater Arthur, Juliet Stevenson die sträflich vernachlässigte Gattin und Colin Firth den sensiblen Literaten und gedemütigten Schöngeist, der die Anerkennung durch seinen Vater vermisst – werten diesen Film auf, der, unentschlossen zwischen Unterhaltungsansprüchen und psychologischer Studie pendelnd, nur wenig emotionale Nähe zu seinen Figuren zulässt. Kinowelt TV zeigt diese britisch-irische Produktion unter ihrem Originaltitel „And When Did You Last See Your Father?“.

Di., 04. August, 20.15 Uhr, Kinowelt TV

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit (2013)

Biografisch-historisches Drama von Justin Chadwick über den Widerstandskämpfer und späteren Präsidenten Südafrikas Nelson Mandela. Der durchgängig überzeugend gespielte Film versteht es, sein Publikum zu berühren und den Wandel der Machtverhältnisse als unausweichliche Reaktion auf das politische Versagen der Apartheids-Regierung darzustellen, scheitert jedoch an der Mammutaufgabe, die komplette Lebensgeschichte Mandelas erzählen zu wollen und erregt vor allem in seiner ersten Stunde den Widerwillen eines kritischen Publikums durch seine berechenbar kitschige Motivwahl quietschvergnügter kleiner Kinder und atemberaubender Panoramaaufnahmen der südafrikanischen Landschaft.

So., 19. Juli, 0.05 Uhr, Das Erste

Fight Club (1999)

Hochästhetisch-sarkastisches Drama um einen unter Schlaflosigkeit und Konsumzwang leidenden, als Rückrufkoordinator einer Autofirma beschäftigten Mann in einer amerikanischen Großstadt, der nach der kompletten Zerstörung seiner Designerwohnung in die Abrissbude eines gewissen Brad Pitt zieht, der, wie sich später herausstellt, in Wirklichkeit ein Alter-Ego seines paranoiden Ichs ist, um gemeinsam mit ihm einen illegalen Fight Club zu betreiben, „auf den Nullpunkt zu kommen“ und im nächsten Schritt das anarchistische Terrorprojekt „Chaos“ ins Leben zu rufen. Der viele wichtige Denkanstöße liefernde, aber gefährlich überfrachtete Film von David Fincher demontiert seinen gesellschaftskritischen Anspruch durch die allzu häufige, genüssliche Darstellung äußerst brutaler Gewalt, die mal eben 63 Millionen Produktionskosten verschlungen hat.

Fr., 19. Juni, 23.15 Uhr, 3 SAT

Mammut (2009)

Anspruchsvolles, aber zu weitschweifig erzähltes Drama um eine New Yorker Kleinfamilie und deren philippinisches Kindermädchen, die sich aufopferungsvoll-liebevoll um den Haushalt und die Tochter ihrer amerikanischen Arbeitgeber kümmert, dabei aber selbst unter der Trennung von ihren beiden Söhnen leidet. Neben dem global-gesellschaftlich relevanten Thema struktureller Entfremdung schneidet der Film weitere Problematiken wie Prostitution, Armut und Gewalt gegen Kinder an und bringt sich mit seiner didaktisch plakativen, wohlfeilen Inszenierung in die Gefahr, selbst nur als Gemütskino wahrgenommen zu werden.

Fr., 08. Mai, 18.10 Uhr, Kinowelt TV

99 Homes – Stadt ohne Gewissen (2014)

Populistisches Drama um einen alleinerziehenden Handwerker und Bauarbeiter, der, von Arbeitslosigkeit bedroht, nach der Zwangsräumung des Hauses seiner Familie zur rechten Hand eines zynischen und skrupellosen Immobilienmaklers aufsteigt, der unter der Ausnutzung bestehender Gesetze einen schwunghaften Handel mit illegal in Besitz genommenen „leeren Schachteln“ treibt. Dieser Film von Ramin Bahrani kann sich der Wertschätzung einer amerikanischen Mittelschicht gewiss sein, die sich zurecht über die oft brutalen Methoden windiger Finanzjongleure aufregt, dabei aber verkennt, das sie mit einer vollkommen unrealistischen Erwartung an den eigenen Lebensstandard selbst zu dieser prekären Situation beiträgt.

Sa., 18. April, 21.55 Uhr, AXN

Dein Weg (2010)

Komödiantisch-spirituelles Abenteuerdrama von Emilio Estevez um einen amerikanischen Augenarzt, dargestellt von Martin Sheen, der nach dem tragischen Tod seines einzigen Sohnes dessen geplante Pilgerreise antritt, um an der Seite einer holländisch-kräuterkundigen Frohnatur (Yorick van Wageningen) mit Übergewicht, einem großmäuligen irischen Reiseschriftsteller (James Nesbitt) mit Schreibblockade und einer kanadischen Misanthropin (Deborah Kara Unger) mit Rucksack zu neuen Lebensweisheiten zu gelangen.

Di., 07. April, 20.15 Uhr, Servus TV

Der Mann ohne Gesicht (1993)

Anrührend erzähltes Drama von und mit Mel Gibson nach einem Roman von Isabelle Holland um die Begegnung eines verunsicherten heranwachsenden Jungen mit Bildungsdefiziten und einem ehemaligen Lehrer, der sich, wegen Kindesmissbrauchs verurteilt und von den Folgen eines Autounfalls schrecklich gezeichnet, nahezu völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Weitgehend ohne Pathos inszeniert, überzeugt der Film durch sein gesellschaftspolitisches Engagement und die sehr guten Leistungen auch seitens des jugendlichen Hauptdarstellers.

Mo., 06. April, 22.15 Uhr, Kinowelt TV

Nymphomaniac: Vol. 1 (2013)

Provokant blasphemisch-pornografisches Drama von Lars von Trier, der seine „Lebensbeichte einer Nymphomanin“ mit den Anmerkungen und kulturwissenschaftlichen Diskursen ihres Zuhörers Seligmann konstrastiert, um praktisch sämtliche existenziellen Aspekte des Lebens – Liebe, Sexualität, Gewalt etc. – durch den Fleischwolf seiner Erzählung bzw. einer „Möse“ zu pressen und mit dem finalen Klappern der Katzenklappe endgültig ad absurdum zu führen. Formal streng, oft bemerkenswert gespielt und tendenziell pessimistisch, wirft dieser Film ein dubioses Licht auf seinen Regisseur und seine Darsteller, wenn sich diese im Rahmen eines Kinoprojekts zu Sexualobjekten degradieren.

Fr., 31. Januar, 22.10 Uhr, TELE 5

Precious – Das Leben ist kostbar (2009)

Überragend gespieltes Familien- und Inzestdrama um eine sehr korpulente Afroamerikanerin in New York, die, noch minderjährig, das zweite Kind von ihrem leiblichen Vater erwartet, von der Mutter, einer Sozialhilfeempfängerin, dominiert wird und als prügelnde Analphabetin der Schule verwiesen wird. Auch in den Nebenrollen sehr gut gespielt, begeistert der Film vor allem als das Porträt einer scheinbar chancenlosen, ausgenutzten und missbrauchten Außenseiterin, die sich dennoch ihren Lebenswillen, ihren Galgenhumor, einen gesunden Menschenverstand und ihre Träume bewahrt hat.

Do., 30. Januar, 20.15 Uhr, Kinowelt TV