Candy

Wer in der Vorschule des Lebens gut aufgepasst hat, weiß, dass Süßigkeiten in Wahrheit arglistige Häscher der Verdammnis sind, die erst den Himmel auf Erden versprechen und einen später meuchlings ermorden. Oliver, Markus und Robert sind also gewarnt, als sie die junge Candy aus dem Gefängnis abholen, um sie hiernach auf den Weg der Tugend zurückzuführen. Ko-Autor und Regisseur Christopher Roth hätte lieber auf das pseudointellektuelle Gewäsch seines Erzählers Markus verzichten und mehr Sorgfalt auf seine Story verwenden sollen – so ist doch nur ein unausgegorener Mix aus Thrillerkomödie und eklektischem Film noir mit ein paar überraschenden Anklängen an das neuere britische Kino herausgekommen. Absolut kein Wunder, das dieser missratene Genre-Zombie trotz seiner prominenten Besetzung (Nicolette Krebitz, Benno Fürmann u.v.a.) erst drei Jahre nach seiner Fertigstellung zu einer Ausstrahlung im Spätprogramm kommt.

Werbeanzeigen

Die Bubi-Scholz-Story

Dieser Mann will nach oben – und er schafft es. Auf der Sonnenseite des Lebens angelangt, befällt den Frauenschwarm vom Prenzlberg jedoch ein gehöriger Schatten. Bis zum Umfallen feiert er seinen Triumph und präsentiert sich auf zahllosen Promi-Parties als Erfinder des Cocktails „Rum-Reichen“. „Das ist Dostojewski“, bringt Götz George George die tragische Geschichte des Idols der Nachkriegszeit Gustav Scholz auf den Punkt. Dennoch wollte er die Rolle des alternden „Bubi“ ursprünglich nicht übernehmen – sie war ihm, wie der Berliner sagen würde – zu spack. Gut, dass ihn Regisseur Roland Suso Richter doch noch überreden konnte. Denn wie der Handwerker George sich diese Rolle erarbeitet hat, ist allemal knorke. Zum Beispiel, wie er wie ein wilder Stier und voll bis an die Kiemen die Leinwand mit Schlägen traktiert, um den Fight seines Lebens, den längst verlorenen Weltmeisterschaftskampf im Halbschwergewicht gegen Harold Johnson anno 1962, nachträglich doch noch für sich zu entscheiden. Oder wie er im Knast als „Opa Scholz“ beweist, dass er noch längst nicht zu alt ist, einen Möchtegern-Schulz (aus Frankfurt/Oder?) auf die Bretter zu schicken. Da nämlich ist der Herausforderer neese. Und das deutsche Fernsehen um eine mustergültige Produktion reicher.

Die Sturmflut

Die Weltuntergangspropheten sind vorsichtig optimistisch, als sich im Februar 1962 das gewaltige Sturmtief „Vincinette“ der Nordseeküste nähert. Während sich die unwettererprobten Küstenbewohner überwiegend in Sicherheit bringen können, werden die Warnungen des Seewetteramtes in Hamburg vielfach in den Wind geschlagen ­– die Nordlichter erwartet die schlimmste Naturkatastrophe der Nachkriegszeit, die 315 Menschen das Leben kostet.

Die schlimmste Katastrophe wiederum, die einem so genannten TV-Event widerfahren kann, ist, wenn sich mehr als eine Million Zuschauer nicht mehr für den zweiten Teil des Films interessieren – so geschehen bei SAT.1, als Ende 2005 die teamWorx-Produktion „Die Luftbrücke“ ausgestrahlt wurde. Ein Schicksal, dass das von Jorgo Papavassiliou inszenierte Hochwasserdrama Die Sturmflut eigentlich nicht teilen sollte. Gleich mit mehreren Cliffhangern ausgestattet, überrascht „Die Sturmflut“ den Zuschauer nicht wie die meisten Opfer der Flutkatastrophe im Schlaf, sondern lagert den Deichbrüchen in Hamburg eine spannungsgeladene Geschichte auf der ersten deutschen Bohrinsel Frieda 1 vor, wo Heiner Lauterbach und Natalia Wörner das Wasser buchstäblich bis zum Hals steht. Ansonsten stellt der erste Teil vor allem das handelnde Personal vor und arbeitet sich an Themen wie dem Generationenkonflikt ab (Stichwort: lange Haare).

Im zweiten Teil bahnt sich dann das Elbwasser gleich Tränen gewaltsam den Weg, um prima Schauspielern wie Benno Fürmann, Nadja Uhl oder Jan Josef Liefers gleich mehrfach Gelegenheit zu geben, sich das Leben zu retten – während Liefers als Oberarzt Markus Abt quasi am Fließband Verletzte versorgt, machen sich die junge Krankenschwester Katja Döbbelin (Uhl) und ihre Freundin Nicola (Bettina Zimmermann) in einem Sarg auf den Weg zur Seeapotheke; am Rande koordiniert Innensenator Helmut Schmidt (Christian Berkel) die Rettungsarbeiten.

Im Zentrum allerdings erzählt „Die Sturmflut“ eine melodramatische Dreiecksgeschichte und hält sich damit wie zuletzt eigentlich alle teamWorx-Produktionen streng an das Erfolgsrezept von „Titanic“. Im März schon zeigt das ZDF den nächsten teamWorx-Zweiteiler „Dresden“ über den Bombenangriff im Februar 1945, in Arbeit sind Produktionen über den Bau beziehungsweise den Fall der Mauer.