Liebling, bring die Hühner ins Bett!

Familie Teuffel zieht aufs Land, aus der hektischen Großstadt Berlin in das beschauliche Krummenwalde. Mutti, die die ganze Bagage ernährt, bekommt einen neuen Job, die jüngste Tochter einen Hund, die ältere einen Apfel und eine Tafel Schokolade, weil sie pausenlos schmollt, der Sohn fährt ein Huhn platt, und Vati, der ganz tolle Sachbücher schreibt, plumpst von der Leiter und bekommt einen Hahn. Natürlich passiert in Matthias Tiefenbachers flott dahinplätschernder Komödie Liebling, bring die Hühner ins Bett! noch viel mehr, aber man soll ja auch nicht immer gleich alles verraten. Nur so viel vielleicht: Barbara Rudnik und Axel Milberg als die erziehungsberechtigten Teuffel geben ein eingespieltes Gespann ab und der Nachwuchsmime Ludwig Blochberger sieht Leonardo DiCaprio ähnlich. Eine weitere belanglose, sentimentale Familienkomödie, irgendwo zwischen „Liebling, ich muss auf Geschäftsreise“ und „Liebling, vergiss die Socken nicht“.

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Tatort – Väter

Landratten und Kielschweine! Schon seit 25 Jahren wagte es kein einziger Verbrecher mehr, seinen Fuß in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein zu setzen! Und das alles verdanken wir dem legendären Kommissar Finke, der unter der Regie von Wolfgang Petersen sein „Reifezeugnis“ ablegte und Kiel in nur schlappen acht „Tatort“-Folgen von jeglichem kriminellen Abschaum befreite. Doch wehe. Klaus Schwarzkopf wird nicht der einzige Kieler „Tatort“-Kommissar bleiben. Unter der Initiative von Axel Milberg hat der NDR die Küstenstadt wieder zum Ort des Verbrechens erklärt und lässt ihn nun dort unter dem Decknamen Borowski ermitteln. Doch wie heißt es schon im Sprichwort? Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr. Milbergs erster Tatort – Väter ist eine komplette Enttäuschung, der das altehrwürdige Format gedanklich wie inszenatorisch um mehrere Dekaden zurückwirft und kaum neugierig auf eine Fortsetzung seiner Bemühungen um Recht und Ordnung macht.

Der Mann von nebenan lebt!

Was leichte Schläge auf den Hinterkopf doch so alles bewirken. Nachdem die ehemalige Leistungssportlerin Kate (Lisa Martinek) den psychopathischen Kleingeist Willi Mattuschek (Axel Milberg) gemeinsam mit drei Nachbarinnen in einem Waldweiher versenkte, ist aus dem gewaltbereiten Frührentner ein handzahmer Bekloppter geworden, der noch nicht einmal mehr seinen Namen weiß. Was Kate und ihre Komplizinnen, die praktizierende Hexe Malise (Andrea Sawatzki) und die nassforsche Inge (Barbara Magdalena Ahren) nicht wissen: Der Mann von nebenan lebt! Als Kate ihren einstigen Peiniger in einem vorbeifahrenden Fahrzeug entdeckt und sich auch partout keine Leiche im Wasser mehr findet, wiederholt sich für Kate ein schrecklicher Alptraum. Frei nach einer Romanvorlage von Amelie Fried entstanden, überzeugt die Fortsetzung von „Der Mann von nebenan“ (2002) durch die Spiellaune des sich keineswegs immer einigen, vermeintlichen Mördertrios und eine gehörige Portion anarchischen Witzes.

Bangkok – Ein Mädchen verschwindet

In der Acht-Millionen-Hauptstadt Bangkok wird die Tochter eines deutschen Zollbeamten entführt, bei ihrer verzweifelten Suche geraten er und seine Frau erst an einen versoffenen Ex-BND-Mann und dann zwischen die Fronten Kung-Fu praktizierender Drogenhändler. Die deutsch-thailändische Koproduktion Bangkok – Ein Mädchen verschwindet von Thorsten Näter überzeugt vor allem durch ihre Liebe zum Detail und eine ungestüme Lust, tausenderlei bekannte Motive durcheinanderzuwirbeln und zu einem völlig neuen Gefüge zusammenzusetzen. Ein Unterfangen, dass auch dank seiner bestens gerüsteten Darsteller glückte – mit Ulrich Noethen, Bettina Kupfer und Axel Milberg in den Hauptrollen gelang der eindrucksvolle Beweis, dass man auch hierzulande mit dem Genre Thriller spielerisch umzugehen versteht, ohne dass Dramaturgie und Spannung darunter leiden.

Die Schläfer

Die Schläfer schlummern vor Tradum, tückischen Felsen, die Küstenwache Stein stets im Blick hat, und noch manches andere wartet darauf, vom Zahn der Zeit ans Land gespült zu werden. Das allerdings wollen die Bewohner der Ostseeinsel um jeden Preis verhindern, und auch die unter Totalamnesie leidende Claire (Gesine Cukrowski), die ebendort den Schlüssel zu ihrer Geschichte vermutet, prallt bei ihren Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens. Was alles hätte aus diesem wunderbaren Puzzle werden können. Doch obwohl dem Werbefilmer Roman Kuhn neben seinem metaphorischen Plot auch ein malerischer Drehort (die britische Kanalinsel Guernsey) und ein exquisites Darstellerensemble zur Verfügung standen, ist ihm sein Thriller misslungen: Erst kommt er nicht in die Gänge, dann verrät er sein Geheimnis zu früh. Wirklich schade: Wieder einmal wurde der Mut des Senders PRO 7 zu Formexperimenten nicht belohnt.