Millionär fürs Leben

Die Friseuse Marie weiß ganz genau, was sie will: Die Blondine sucht und findet nicht nur einen Millionär fürs Leben, sie betört die Gutbetuchten gleich reihenweise. Dass das Drehbuch für diese spätestens seit Marilyn Monroes Abschied von der Lebensbühne überlagerten Mär von der gewitzten Naiven, die in der Welt der Schönen und Reichen für Aufregung sorgt, aus der Feder der „Club Las Piranhas“-Autorin Doris J. Heinze stammt, überrascht nicht. Eher schon, dass sich auch Regisseur Markus Imboden und Armin Rohde für diese Schmonzette hergaben. Gäbe Eva Hassmann, der man, nebenbei, fast alles verzeiht, ihrer hinlänglich bekannten Rolle nicht diesen augenzwinkernden Ausdruck, man müsste das Ganze schlicht als Nebbich abtun.

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Schlange auf dem Altar

Der Evangelik Färber fällt fast aus dem Bett, als ausgerechnet der Gebetsruf des Muezzins seinen Schlaf jäh beendet. Kaum zu glauben, was so eine Mini-Moschee aus Plastik für einen Lärm machen kann. Die ihm anvertrauten Schäfchen jedenfalls stehen wie vom Donner gerührt vor der Gotteshaustür, trauen ihren Ohren nicht und spähen hilfeheischend gen Himmel. Das fängt ja gut an.

Wie schon in „Geiselfahrt ins Paradies“ mimt Armin Rohde auch in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Hans-Erich Viet den Geprellten. Gab er in der Gaunerkomödie jedoch einen schmierigen Schurken, der eher durch Zufall um sein sauer Geklautes gebracht wird, hat er sich hier zum allzu gefühlsduseligen Gottesvertreter gewandelt, der es seiner eigenen Leichtgläubigkeit zuschreiben muss, dass er zum Hilfspastor degradiert wird – und das in Hamburgs Schanzenviertel, wo Sodom und Gomorrha Koks verticken und kleine Mädchen auf die Straße schicken. Doch Färber nimmt die Zwangsversetzung an – und somit auch die Herausforderung, in einem von Grund auf verrufenen Stadtteil gegen den Untergang des Abendlands anzukämpfen.

Zunächst lässt sich alles sehr gut an für den sympathischen Färber, der endlich neuen Schwung in die verstaubte Kanzlei bringt. Die erste Predigt sitzt, der schwule Kantor staunt, und die weibliche Klientel ist Feuer und Flamme – bis zu dem Tag, da die Nigerianerin Mambele bei ihm um Kirchenasyl bittet und mit ihr eine drei Meter lange Python, eingangs erwähnter Muslimenwecker und allerlei erotische Spannungen in das Haus Gottes einziehen …

Doch so reich die Schlange auf dem Altar an Verwicklungen, skurrilen Einfällen und komischen Zuspitzungen ist, eine Gratwanderung zwischen Liebesromanze, Kiezkirchengroteske und Asylantendrama vermag auch sie nicht zu leisten. Drehbuchautor Georg Heinzen konnte sich offenbar ebenso wenig entscheiden wie die beiden Hauptfiguren Färber/Mambele zum Ende des Films, wohin die Reise gehen soll. Der irrige Glaube allerdings, Unterhaltung entstehe dadurch, dass überhaupt nichts mehr ernst genommen wird, ist fast schon wieder so menschlich wie das Heldengespann, dem man wirklich gern dabei zuschaut, wie es zum Beispiel um den richtigen Sound auf der Landstraße streitet und den Boss aus dem Cabrio feuert (nieder mit Bruce Springsteen!).

Obwohl es dem Film an einer bündigen Einheit mangelt und man bisweilen auch mit seltsam altmodisch anmutenden Gute-Laune-Szenen wie dem Schwoof in der Kirche konfrontiert wird – der Gesamteindruck bleibt positiv. Und die Fans von Viet, der nebenbei wieder einmal fleißig Kaurismäki zitiert (Gemeindepastor Reinhardt pflegt über der Lektüre von „Lucky Luke“ einzuschlafen), haben ihre Mini-Moschee ohnehin schon auf den Sendetermin programmiert.

Am Ende des Tunnels

Eigentlich hat die U-Bahnfahrerin Silke (Ulrike Kriener) gar keinen Dienst, als die unter Schüben manischer Depression leidende Yvonne ihrem Leben gewaltsam ein Ende setzt. Einen Tag später tritt Silke den gemeinsamen Urlaub mit ihrem Mann Albert (Armin Rohde) im sonnigen Süden an, doch da ist die Finsternis der Trauer schon in ihr Herz gezogen. Am Ende des Tunnels von Dror Zahavi (Regie) und Georg Weber (Buch) erzählt nicht die Leidensgeschichte einer selbstmordgefährdeten Frau, sondern ist ein dicht am Leben entlang entwickeltes Psychodrama, das die ehedem in nahezu glücklicher Partnerschaft lebende U-Bahnfahrerin komplett aus der Bahn wirft. Ein stimmiger und glaubhafter Film, mit dem Dror Zahavi das Kunststück gelungen ist, für den introvertierten und an äußeren Handlungen armen Prozess der Trauerarbeit emotional bewegende Bilder zu finden.

Pommery und Putenbrust

In einem plötzlichen Anfall von unerklärlicher Nächstenliebe lädt sich Luise die ganze bucklige Verwandtschaft ins Haus, um Weihnachten endlich wieder einmal im Kreise ihrer Familie zu verbringen. Gatte Gideon, ganz generöser Galan, willigt zähneknirschend in die Festtagspläne seiner Frau ein, und so trudeln sie auch schon bald in die gute Stube: Bruder Frieder, ein Mann fürs Praktische, samt Anhang, Schwester Jasmin mit ihrer schlechteren Hälfte, und schließlich möchte auch noch die existenzialistische Mutter vom Busbahnhof abgeholt werden. Bis zu diesem Punkt verfolgt man Manfred Stelzers Situationskomödie Pommery und Putenbrust in schadenfroher Erwartung – und wird von einer Reihe pointierter Attacken auf menschliche Macken und so prächtigen Darstellern wie Armin Rohde oder Katharina Thalbach belohnt. Dann allerdings flacht der Film im Gegensatz zu Jasmins Brüsten stark ab und spart auch nicht mit überflüssigen sentimentalen Momenten. Ein Film, in dem als letzter Darsteller ein Hund eingeführt wird, kann nur von der guten alten Oma ZDF produziert sein.

Nachtschicht – Vatertag

Ob „Die Musterknaben“ noch einmal einen Fall übertragen bekommen, ist höchst ungewiss – dafür dürfte ein anderes Vorzeige-Team des ZDF die Herzen der Zuschauer im Sturm erobern. Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken und Minh-Khai Phan-Thi haben sich in Hamburg eine weitere Nacht um die Ohren geschlagen, um sich als schlagkräftige Sondereinheit der Kriminalpolizei mit einem internen Ermittler, einem mazedonischen Kindesentführer und einem entlaufenen Irren herumzuärgern. Die zweite Folge der Krimireihe Nachtschicht – Vatertag besticht vor allem mit einem herausragenden Ensemble – in weiteren Rollen agieren u.a. Wotan Wilke Möhring als scharfer Hund der Dienstaufsichtsbehörde sowie Axel Prahl als sinnesfreudiger Schwachkopf. Einmal mehr hat Autor und Regisseur Lars Becker einen durchweg gut unterhaltenden Kriminalfilm mit einer Fülle komödiantischer Einfälle geschaffen, der, als einziger Kritikpunkt, vielleicht etwas übertrieben fatalistische Züge trägt.

Dumm gelaufen

Eigentlich hat diese Komödie alles, was für eine Empfehlung spricht: Einen Regisseur mit Beobachtungsgabe und dem nötigen Gespür für Situationen und Timing (Peter Timm), zwei famose Hauptdarsteller in glänzender Laune (Bernd Michael Lade als Landwirt und Christiane Paul als Prostituierte), eine ganze Schar von herrlich verrückten Nebenfiguren, die ganz und gar diesem real-irrwitzigen Kosmos Mutter Erde entspringen (großartig zum Beispiel Armin Rohde als Dorfpolizist oder Natja Brunckhorst als „Jäger zu Jagdwurst“-skandierende, militante Tierschützerin), und darüber hinaus jenen tiefschwarzen Humor, um den man hierzulande die Briten schon immer beneidet. Auch die Grundkonstellation, so einfach sie ist, hat sich in der Geschichte des Films bereits durchaus als komödientauglich erwiesen: Kapriziöse Großstadtnutte trifft stoische Jungfrau vom Lande – und beide haben noch eine Leiche im Koffer. Doch so oft man diesen Film vor Freude an sein Herz drücken möchte, so oft unterfordert er einen mit allzu vorhersehbaren Momenten und einer doch immer durchscheinenden, schlicht altbackenen Moral, die auf unangenehme Weise aufdringlich um Sympathie buhlt: Dumm gelaufen.

Dienstreise – Was für eine Nacht

Eigentlich möchte Lehmann das Wochenende in aller Ruhe mit seiner Frau Rita verbringen, doch dann wird er kurz vor Büroschluss noch zu seinem Chef Herling beordert. Mit einer Bali-Reise als Extra-Gratifikation in der Tasche und dem ferrariroten Porsche des Chefs als fahrbarem Untersatz macht er sich auf den Weg nach Potsdam, um seinen endgültig letzten Job im Außendienst anzutreten. In Dienstreise – Was für eine Nacht erzählt der 1968 in Mainz geborene Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Stephan Wagner („Kubanisch rauchen“, „Liebestod“) die überaus dankbare Geschichte eines grundsoliden und pflichtbewussten Mannes, der in der Hauptstadt von Brandenburg unglücklicherweise an einen bierkampferprobten Kollegen namens Wilmers gerät – eine Begegnung mit Folgen. Ein Gespann für die Götter: Christoph Waltz und Armin Rode präsentieren sich in Bestform, köstliche Gastauftritte von Vadim Glowna, Jockel Tschiersch und Frank Giering runden das Ganze ab.