Verliebt in eine Unbekannte

Das schwülstige Italo-Komödchen Verliebt in eine Unbekannte stellt unter Beweis, wie variabel deutsche Fernsehnasen heute sein müssen. Hier mimt Gabriel Barylli nicht nur den Laiendompteur im Regiestuhl, sondern gleich auch noch einen Arzt, der einem Hallodri (Heio von Stetten) die Arbeitsunfähigkeit bestätigen soll. Was der von seinem Unfall längst genesene Versicherungsbetrüger nicht weiß: Im Koma hat sich die Verursacherin seines bemitleidenswerten Zustands (Cecilia Kunz) unsterblich in sein Herz gegraben. Ein unsäglicher Mix aus klebrig-sentimentalem Gefühlskitsch und unfreiwillig komischen Bonnie-und-Clyde-Allüren, der, von allerlei italienischen Schnulzen begleitet, zu einer immerhin überraschenden Lösung für sein vorprogrammiertes Happy End findet.

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Der Voyeur

Reichlich mysteriös ging es schon in Roman Kuhns erstem Spielfilm „Die Schläfer“ zu, der sich ausgiebig an der herben Schönheit der britischen Kanalinsel Guernsey delektierte. Auch in seinem zweiten Thriller spielt die Location, wie es heute gern heißt, die größte Rolle. Seine erotische Entdeckung Claudia Mehnert jedenfalls darf sich praktisch ausschließlich ihrer Körpersprache bedienen, und so hat es Der Voyeur, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich in Abwesenheit eines „dubiosen“ Italieners in dessen „atemberaubend“ schöne Gattin verguckt, vor allem mit den seltsamen Gestalten in der „morbiden, geheimnisvollen Atmosphäre“ des Grand Hotel Locarno zu tun, einem durchgeknallten Ex-Agenten zum Beispiel, der völlig unmotiviert für Rabatz sorgt. Ein in Hochglanzbildern vorgeführter Pseudo-Thriller, der letztlich nur Langeweile verbreitet.

Neuschnee

An Weihnachten kommt niemand vorbei. Auch nicht Léa („Dogma 5“-Actrice Elodie Bouchez) und Eric (Stéphane Rideau), zwei junge Franzosen, die sich in einer schmutzigen Welt zurechtfinden sollen, über die sich gerade – dem Anlass gemäß – Neuschnee und Nasenpulver verbreiten. Gaël Morels mal schrille, mal märchenhafte Amour fou von der diebischen Lesbe und dem einsamen Wachmann lockt mit viel typisch französischer (Kino-)Tristesse und schwelgt selbstverliebt in Neonbildern, ehe George Michael mit „Careless Whisper“ endgültig das Fest der Liebe einläutet. Sicherlich gut gemeinte, aber reichlich gekünstelte Pop-Ballade, die sich zudem als äußerst geschwätzig erweist: „Jungs reden mit Mädchen, weil sie mit ihnen schlafen wollen, und Mädchen schlafen mit Jungs, weil sie mit ihnen reden wollen“  …

Die Geiseln von Costa Rica

Geradezu peinlich ist die Angewohnheit von PRO 7, sich einerseits ständig den Anstrich eines Tourismusexperten zu geben (regelmäßig erfährt man aus den so genannten der Presse zugespielten Hintergrundinformationen Wissenswertes über die „Naturparadiese“ der Welt) und andererseits pausenlos vor den Gefahren im Ausland zu warnen. Erst wird Peter Maffay „Gefangen im Jemen“, diesmal erwischt es Suzanne von Borsody und Nina Hoss: Die Geiseln von Costa Rica, überraschenderweise weniger als Geiseldrama denn als Amour fou angelegt, schildert die überraschende Wandlung einer reise- und lebenslustigen Ost-Maus, die ihren inneren Maschendrahtzaun überwindet und sich in ihren Entführer, einen nicaraguanischen Contra-Rebellen verliebt. Nun glauben zwar auch wir, dass die Liebe immer wieder einmal hinfallen kann und dass im Busch höllisch viel los ist. Dieser beschworenermaßen auf einer wahren Begebenheit beruhenden Wende eines unpolitischen deutschen Girlies zur Revoluzzerin verleihen wir dennoch die erste goldene Kichererbse des Jahres. Wenn „Das Mädchen Rosemarie“ Nina Hoss in einer breit ausgewalzten Szene gewohnt Nitribitt-like rituelle Kriegsbemalung mit Body-Painting verwechselt, dann hat dieser Film seinen Höhepunkt an Lächerlichkeit erreicht.

Stunde des Wolfs

Sich entwickelnde Charaktere sind für Schauspieler stets die größte Herausforderung. In diesem Film von Hermine Huntgeburths kommt Richy Müller die dankbare Aufgabe zu, das Leben eines ehrbaren Familienvaters zu ruinieren – was er mit Bravour löst. Wäre da nicht ein überkonstruiertes Drehbuch und der in anderthalb Stunden kaum einzulösende Anspruch, auch den zahlreichen Nebenfiguren viel Platz zur Entfaltung zu geben, die Stunde des Wolfs hätte nahtlos an so überzeugende Filme der Regisseurin wie „Gefährliche Freundin“ anschließen können. Doch auch so gehört die spannende Wandlung des Kranführers Grosche vom Lebensretter und Bewährungshelfer zum brutalen Mörder und Knasti, die Geschichte einer ehrlichen Haut, die, zunächst von ihrer Libido übermannt und später von Eifersucht getrieben, in ihr Verderben rennt, zu den besseren TV-Produktionen.

Der kleine Dieb

Vom jungen französischen Regisseur Erick Zonca als „Faustschlag durch die Mattscheibe“ intendiert und bisweilen wahrhaft schockierend, erzählt Der kleine Dieb die an sich einfache Entwicklungsgeschichte eines Bäckergehilfen zum Handlanger eines im Grunde ebenso kleinen Sparschweinknackers und Luden in Marseille (und zurück). In gerade einmal 63 Minuten kurvt dieser harte und düstere Krimi durch einen zwar lauten, aber nahezu stummen und nur von einigen heftigen verbalen Attacken begleiteten Parcours von Vergewaltigung, Raub und Prostitution. Dabei entwirft Zonca das Bild einer Jugend, die mit Politik überhaupt nichts am Hut hat, sondern nur noch versucht, irgendwie „ihr Ding“ zu machen.

Ein Scheusal zum Verlieben

Max Tidof als Ein Scheusal zum Verlieben hat seine guten Momente. Wer könnte sich ein Lächeln verkneifen, wenn der Herzchirurg und überforderte Vater seinen neu geborenen Nachwuchs mit Gummihandschuhen und Mundschutz wickelt? Zwar pendelt diese gleichermaßen simpel gestrickte Liebesgeschichte etwas unentschlossen zwischen Komödie und Melo dahin, dafür können Jasmin Gerat in einer ihrer ersten großen Rollen, die konsequente Ablehnung von Esoterik-Gequatsche sowie die Kameraarbeit überzeugen. Und wenn es zum Ende zu einer herzzerreißenden Liebeserklärung des herzlosen Menschenfeinds kommt, dann weint auch W.C. Fields …