V.I.P. – Die Bodyguards

Pamela Anderson Lee, mit ihrer Entscheidung gegen das Silikonimplantat der Konkurrenz wieder einmal zwei Brüste voraus, bleibt zwar der Serie und auch den Schönen und Reichen treu, wagt mit V.I.P. – Die Bodyguards jedoch den erfreulichen Sprung in die „aufgeklärte“ Welt der Dekolleté-Unterhaltung, die sich durchaus bewusst ist, dass der Heißhunger auf Luxus in der Regel mit einem Hot-Dog gestillt wird. Vom halb entblößten Rettungsengel zum Leibwächter für Beverly-Hills-Schnösel und zur Mitproduzentin aufgestiegen, hat sie gemeinsam mit Jonathan F. Lawton (u.a. Script für „Pretty Woman“) einen hyperbunten, schrillen Action-Comic kreiert, in dem es – ähnlich wie in „Pulp Fiction“ – eigentlich ständig um Belangloses geht, derweil sich die üppige Leiterin der exklusiven Agentur Vallery Irons Protection den bleihaltigen Plots stellt (Stichwort: kugelsicherer Schreibtisch). Gemessen an der Biederkeit von „Baywatch“, wo Pam nur dauernd planschte, ist der furztrockene Humor und der lockere, selbstironische Ton dieser Serie ein erheblicher Fortschritt.

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Geisterjäger John Sinclair

Als „Mystery-Crime-Serie“ kündigt RTL seinen durchwegs gelungenen Versuch an, das Niveau des deutschen Fernsehens auf den Nullpunkt zu drücken. Bisher hat man gottlob nur einen Pilotfilm und acht weitere Folgen in Auftrag gegeben, doch wenn auch diese Bastei-Lübbe-Verfilmung (nach „Dr. Stefan Frank“ u.a.) Anklang beim Publikum findet, dann stehen uns gruselige Zeiten ins Haus. Fürwahr als Verbrechen am guten Geschmack angelegt und der äußerst mysteriöse Versuch, ausgerechnet Kai Maertens („Ufos über Waterloo“) als Drei-Tage-Bart-Gentleman-Retter für eine total beknackte Menschheit zu etablieren, könnte der nach Jerry Cotton und Perry Rhodan drittbeliebteste unter den Groschenhefthelden bei bisher 1130 Romanabenteuern zu einer Dauerplage dieses Millenniums werden. Plumpe, billige Effekte, hölzernes Spiel und dummdreiste Dialoge in einer, summa summarum, kongenialen Umsetzung von Trivialliteratur – hier kommt Geisterjäger John Sinclair.

Die Motorrad-Cops – Hart am Limit

Das muss kesseln, müssen sich die Macher dieser neuen Attacke auf die Grenzen des (Un-)Möglichen im Gut-merzt-Böse-aus-Genre gedacht haben. Nach „Alarm für Cobra 11“ und „Der Clown“ schickt die Firma action concept Die Motorrad-Cops ins Rennen, ein so genanntes Risk-Team, das besonders brutalen Verbrechern mit ihren eiskalten Öfen die Hölle heiß macht. Zumindest der Pilotfilm dieses Großangriffs auf die „HeliCops“ und „Derricks“ des TV-Universums, sprich: die RTL-Konkurrenz, startet mit einem im deutschen Fernsehen tatsächlich selten so gesehenen Krawumm. Man müsste zwar einen Kopfschuss haben, wollte man dieses zunächst auf acht Folgen limitierte und mit einem beängstigend großen Stab von fünf Regisseuren und zwölf Drehbuchautoren gestemmte Bombenspektakel wirklich empfehlen. Für die nicht seltener werdenden Freunde spektakulärer Stunts, nicht enden wollender Verfolgungsjagden und fein platzierter finaler Rettungsschüsse allerdings wird wirklich nur Bestes geboten. Dass sich Ballermann-Sender RTL, bekannt für die wildesten Polizeijagden und heftigsten Explosionen der Welt, dabei auch anderweitig Hart am Limit zu bewegen versteht, zeigen die Slip-, pardon, Stripeinlagen der Caviga-Enduro-Politesse Yvonne de Bark.

Baywatch Hawaii

Als Gefangener der Badehose ist uns seit geraumer Zeit der Dumpfmime David Hasselhoff  bekannt. Für die neueste Staffel der Lifeguard-Serie hat er den Traumstrand gewechselt, die zum Bodyguard gemauserte Pam ist nicht mehr dabei, ansonsten aber bleibt sich die Produktionsfirma auch bei Baywatch Hawaii treu und präsentiert uns einmal mehr ihr bewährtes Erfolgsrezept: viele knackige und durchtrainierte Körper, kräftige Männer und noch stärkere Frauen, markige Sprüche gepaart mit Null Handlung. Fazit: Freibad für alle!

Wilde Engel

Das Heer der weiblichen Superhelden ist noch längst nicht komplett. Nach dem Import von James Camerons Science-Fiction-Serie „Dark Angel“, auch auf RTL erstausgestrahlt, schickt der Marktführer gleich drei Wilde Engel ins Primetime-Quotenrennen. Der so genannte Backdoor-Pilot der selbstproduzierten Actionserie arbeitet sich mit großem Bängbäng an einer immerhin plausiblen und beinahe aktuellen Kriminalstory ab: Eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten plant mittels eines genialen Coups, die Euro-Umstellung für einen genialen Coup zu nutzen und damit für immer der kniffligen Frage „Wer wird Millionär?“ zu entgehen. Leider haben sie die Rechnung ohne die Kickboxerin Birgit Stauber gemacht, die in Eva Habermann tat- und in Susann Uplegger zahlungskräftige Unterstützung im Kampf gegen das Böse findet. Der augenscheinlich auf einen Kult spekulierenden „Drei Engel für Charlie“-Variante des Drehbuchautors Timo Berndt mangelt es zumindest in der ersten Folge an Charme und Witz, und auch die Chemie zwischen den frisch gebackenen Superheldinnen wirkt reichlich unausgegoren.

K3 – Kripo Hamburg: Auf dünnem Eis

Schon seit 1987 versetzen „Die Männer vom K3“ die Hamburger Unterwelt höchst erfolgreich in Angst und Schrecken, doch nach gut drei Dutzend abgeschlossenen Fällen hat sich der produzierende NDR jetzt zu einem Relaunch der Krimiserie entschlossen. K3 – Kripo Hamburg nennt sich das neue Format leicht abgewandelt, und behandelt auch weiterhin klassische Whodunits, um das Stammpublikum nicht zu verprellen. Dafür ermitteln mit Ulrich Pleitgen, Oliver K. Wnuk, Jürgen Tonkel und Oliver Bäßler sage und schreibe vier Kommissare, die sich gleich in der ersten Serienepisode Auf dünnem Eis bewegen: Für den brutalen Mord an dem zwielichtigen Kaufmann Pöschel kommen allzu viele Verdächtige in Frage. Größtes Plus der von den beiden alten TV-Füchsen Friedemann Fromm (Regie) und Norbert Ehry (Buch) gestalteten Eröffnungsfolge ist ihr unaufdringlich eingestreuter Humor. Und die bereits gut ausgereifte Chemie zwischen den sehr unterschiedlich temperierten Cops sorgt ständig für weiteren Zündstoff.

K3 – Kripo Hamburg: Porzellan

Tot im Boot – dieser Tag ist für den Sportlehrer Wolfgang Kranach gelaufen. Nahezu mit jedem seiner Kollegen war der beliebte Pädagoge befreundet, und in dessen engstem Umfeld kann man es erst recht nicht begreifen, wie es zu dieser schrecklichen Bluttat kommen konnte. Auch der zweite Fall von K3 – Kripo Hamburg: Porzellan ist einem klassischen Whodunit auf der Spur und führt in familiäre und zwischenmenschliche Abgründe in einer Hamburger Vorstadt-Idylle, wo sich gleich zwei angeheiratete Verwandte des Ermordeten um die attraktive Witwe Kranach balgen. Wiederum von Friedemann Fromm nach einem Buch von Peter Petersen inszeniert, ist ein virtuos fotografierter und spannender Kriminalfilm entstanden, in dem die neckischen Kabbeleien zwischen den vier Kommissaren etwas sparsamer ausfallen als im ersten Teil – „Auf dünnem Eis“ hatte im letzten August Premiere und war in diesem Jahr für einen Grimme-Preis nominiert.