Eins, zwei, drei (1961)

In einem frisch geteilten Berlin verfolgt James Cagney seinen eigenen Marshall-Plan und trifft auf eine an Nebeneinnahmen interessierte Lilo Pulver, einen „ideologisch fundierten“ Horst Buchholz sowie auf eine dressierte deutsche Bevölkerung, die ganz wild auf die Coca-Cola-Produkte einer imperialen Handels- und Besatzungsmacht, aber wenig erpicht ist, das Flaschen-Leergut in den Kreislaufkollaps des Kapitalismus zu retournieren. Auf Grundlage des gleichnamigen Bühnenstücks von Ferenc Molnár entstanden und im energischen Stakkato-Kasernenton der jeweiligen Überzeugung vorgetragen, mischt diese herrliche Kalter-Kriegs-Satire von Billy Wilder leichtfüßige Unterhaltung mit beißender, anspielungsreicher Gesellschaftskritik.

Sa., 01. Oktober, 23.25 Uhr, RBB

Doctor Strange (2016)

Als Comicverfilmung mittels verfeinerter optischer Tricks in Bereiche jenseits der üblichen Vorstellungs- und Superkräfte strebend, führt diese Fantasy- und Abenteuer-Action-Komödie von Scott Derrickson einen gewissen Dr. Stephen Strange in die Welt tibetanischer Zauberheilkundiger ein, die sich schon auf die fälligen Säumnisgebühren für einige unrechtmäßig entwendete Blätter aus ihrer Bibliothek freuen. Als brillanter Chirurg seiner Handwerkszeuge beraubt, wird Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch in die entwürdigende Position eines Studienanfängers versetzt, der sich nach einem Sprung ins kalte Wasser einer „Früh übt sich“-Prüfung ziemlich rasant in den Stand eines Meisterzauberers katapultiert, was ihn allerdings auch mit vollkommen neuen Herausforderungen konfrontiert. Gelungen ironisch pointiert, sorgt dieser Film für einigen frischen Wind im Marvel-Universum multitalentierter Ausnahmemenschen.

Fr., 30. September, 20.15 Uhr, PRO 7

WALL-E – Der Letzte räumt die Erde auf (2008)

In einem letzten Atemzug mit den Filmklassikern seines Genres „Der Omega-Mann“ und „2001 – Odyssee im Weltraum“ zu nennen, verwickelt dieses liebenswerte Sci-Fi-Action-Abenteuer von Andrew Stanton den titelgebenden Müllordner und Lastenheber WALL-E in eine vor Lebenslust überschäumende Beziehungskiste mit der Next-Generation-Robotik-Dame EVE, die ausgesandt wurde, auf einem bemitleidenswerten Ödland namens Erde nach einem Zeichen von Fotosynthese zu suchen. Ordnungsliebend bis zur Selbstaufgabe, zugleich aber auch hochgradig neugierig und erfinderisch in der Umdeutung nachhaltiger Denkmalspflege, lässt der mächtig verschossene Romantik-Blechwürfel sein trautes Heim sausen und trotzt an der Seite seiner äußerlich völlig wesensfremden, aerodynamischen Auserwählten mit den schönen blauen Augen allen Weltraumgefahren, um einer auf die schiefe Ebene geratenen, fettleibig-degenerierten Restmenschheit den Weg zurück zur Natur und zum Pizzagemüse zu weisen. Auch nach mehrmaligem Filmgenuss für viele überraschende Entdeckungen gut, lädt dieser berührend-komische Film nicht nur zum Verweilen im Pixar-Kosmos der gehobenen Familienunterhaltung ein.

Sa., 24. September, 20.15 Uhr, Disney Channel

Cars 2 (2011)

Auf den Spuren der „Mission: Impossible“-Reihe kreuzende Fortsetzung der abenteuerlichen Erlebnisse von Lightning McQueen und seinem treuen Freund Hook, der sich im Rahmen einer aufgesetzt wirkenden Geheimagenten-Story mit kümmerlich-ökologischer Botschaft einen tüchtigen Wasabi-Brand einfängt und, umgerüstet zum raketenbetriebenen Spezialgefährt, die Pläne eines hinterhältigen Treibstoffmagnaten vereitelt. Reich an eingestreuten Gags und seltsam vertraut menschelnden, blechernen Klapperkisten, Nuckelpinnen und Möhren, setzt diese Action-Abenteuerkomödie von John Lasseter und Bradford Lewis auf animierte Rasanz in 3D, um seine inhaltlich dünne Geschichte um Profitgier und Freundschaft hinter einer touristischen Rennserie um den „World Grand Prix“ zu verstecken, die wohl nicht aus purem Zufall finanzstarke Metropolen in Japan und in Europa ansteuert.

Sa., 10. September, 20.15 Uhr, Disney Channel

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (2011)

Ungeachtet ihrer unbestreitbaren Qualitäten, missfällt diese hawaiianische „Sterbehilfe“-Komödie von Alexander Payne als beständig knapp am Tabubruch vorbei inszenierter Familienfilm, der den Rechtsanwalt Matt in haarsträubenden Situationen mit einer erschreckend disharmonischen Sippschaft zeigt, die mit Rücksicht auf ihren eigenen Seelenschmerz auf jeden Anflug von Mitgefühl für die nur mühsam von medizinischen Apparaten am Leben gehaltene und noch dazu untreue Gattin des sichtlich verzweifelten Matt verzichtet. Aufs Äußerste gewöhnungsbedürftig in seinem Humorverständnis, wendet dieser Film die Mittel der Schwarzen Komödie auf eine tragikomische Betrachtung menschlicher Makel an, die von den ansprechenden Leistungen ihres Hauptdarstellers George Clooney auf den wackeligen Badelatschen eines Drehbuches gehalten wird, das sein Publikum weder düpieren noch wirklich trösten will.

Di., 30. August, 20.15 Uhr, Disney Channel

Terminator – Dark Fate (2019)

Eine filmhistorisch berühmte Sarah Connor ruiniert das frischgewaschene T-Shirt des treusorgenden Familienvaters Carl, trainiert als Terminator-Jägerin von altem Schrot und Korn ihre neue Gebärmutter-Freundin Dani und liefert ihr schwere Waffen – und wahrt in Zeiten des Social Distancing die Abstandsregeln zu den Robotik-Menschen der Zukunft. Neuerlich als Begegnung der Gegenwart mit Vergangenheit und Zukunft erzählt, konfrontiert dieses hinsichtlich der Zeitlinie nach „Terminator 2“ angesiedelte Sci-Fi-Action-Abenteuer von Tim Miller eine verschlimmbesserte Supersoldatin aus der Zukunft mit einer Geschichte, die uns seit Arnold Schwarzeneggers erstem Auftritt als künstlicher Klugscheißer T-800 seltsam vertraut ist. Als selbstironische Reminiszenz an das eigene Filmschaffen auch an Fragen der Jetztzeit interessiert, überzeugt dieser von James Cameron geschriebene und produzierte Film für das gelungene Aufeinandertreffen einer neuen Generation leberwurstbeleidigter Akteure mit den Urgroßvätern und -müttern des unerbittlichen Haudrauf.

So., 28. August, 20.15 Uhr, PRO 7

Oliver Twist (2005)

Detailgetreu ausgestattet, hinreißend illustriert und bemerkenswert dicht erzählt, zeichnet dieses vom Publikum unterbewertete Jugend- und Krimidrama von Roman Polanski den Leidensweg seines Titelhelden vom Waisenjungen zum Handlanger krimineller Subjekte nach, die Anfang des 19. Jahrhunderts in London ein Miteinander als bandenorientierte Verbrecher führen, um sich durch den organisierten Diebstahl von Schnupftüchern über Wasser zu halten. Warmherzig in der Zeichnung seiner Figuren und zugleich mit dem gebotenen Ernst inszeniert, schildert der Regisseur die Zeit der Handlung als Welt armer Schlucker, die in ihrem Kampf gegen eine erbarmungslos verrohte Gesellschaft keine anderen Waffen als ihre Mitmenschlichkeit aufzubieten haben.

Sa., 27. August, 22.15 Uhr, Servus TV

Supermarkt (1974)

Milieubetonter Action-Krimi um einen verwahrlosten Gelegenheitsdieb und „Schmarotzer“, der, von der Polizei gesucht, von einem schmierigen Luden als Lockvogel ausgenutzt, von einem arroganten Homosexuellen der Oberschicht drangsaliert und von einem zweifelhaften Journalisten für seine Zwecke instrumentalisiert, vom unteren Ende der Nahrungskette loszukommen versucht und dabei zum zweifachen Mörder wird. In mancherlei Hinsicht an Jean-Luc Godards „Außer Atem“ erinnernd, setzt Regisseur Roland Klick im Gegensatz zu den meisten deutschen Autorenfilmern seiner Zeit auf schnörkelloses Genrekino und authentische Emotionen und Figuren – und beweist nebenbei sein glückliches Händchen bei einem gelungenen cineastischen Zauberkunststück. Den leitmotivisch eingesetzten Titelsong „Celebration“ singt kein anderer als „Marius West“, der außerdem in einer seiner seltenen Synchronsprecher-Rollen zu hören, aber mittlerweile besser unter seinem vollen Namen Müller-Westernhagen bekannt ist.

Mo., 22. August, 23.15 Uhr, NDR

Mary Poppins (1964)

In einer Zeit schwer depressiver Hochfinanzjongleure angesiedelt, die sich noch um den letzten Penny zweier arg gebeutelter Vorzeige-Kinder balgen, kündigt diese zauberhafte Fantasy-Komödie von Robert Stevenson von den wunderbaren Möglichkeiten der Vorstellungskraft und der befreiend-erhebenden Wirkung eines notwendig gewordenen Galgenhumors, der hier die Knospen der Kirschbaumallee 14 zum Blühen und den Schornstein der britischen Musterfamilie Banks zum Rauchen bringt. Als fantastische Mischform aus Animations- und Realfilm zum Disney-Klassiker des Familien- und Nanny-Films avanciert, begeistert dieses mehrfach Oscar-prämierte Musical bis heute für seinen überbordenden Einfallsreichtum, seine Warmherzigkeit und den gesanglichen Vortrag eines unaussprechlichen Zungenbrechers.

So., 21. August, 20.15 Uhr, Disney Channel

Die Kunst zu lieben (1971)

Ausgehend von einer mehrere Schwanzlängen währenden Männerfreundschaft verfolgt dieses exemplarische Geschlechterdrama von Mike Nichols die wechselnden Paarbeziehungen zweier wesensverschiedener Männer, die in punkto Augenhöhe zwischen Mann und Frau nicht alle auf der Latte haben. Während sich Jack Nicholson den samenraubenden Weibern mit dem Zentimetermaß nähert, versucht sich sein Freund Art Garfunkel ohne durchschlagenden Erfolg in gesellschaftlich besser akzeptierten männlichen Rollenbildern und setzt, „Der Martini, das Essen, die Kinder“, klare Präferenzen bei der Eheaufzucht. Mutmaßlich angetreten, einer emotional verkümmerten Herrlichkeit die Leviten zu lesen, lässt dieser mutig auf Publikumszuspruch pfeifende Film eine angemessen aussagekräftige Frauenrolle vermissen.

So., 14. August, 22.45 Uhr, ARTE