96 Hours (2008)

Primär reißerischer Actionthriller von Pierre Morel, der, zuweilen unterschwellig komödiantisch akzentuiert, vor allem aber zu äußerster Brutalität neigend, seinen famos aufgelegten „Es ist nur eine Fleischwunde“-Hauptdarsteller Liam Neeson in der Rolle eines ehemaligen Security-Spezialisten zu einem Amoklauf gegen die Entführer seiner geliebten Tochter durchstarten lässt, was die französische Metropole Paris vorübergehend auf einen Spitzenplatz in der Ranglisten-Kategorie kürzlich verstorbener Albaner katapultiert. Handwerklich überzeugend, aber berechenbar für seine beständigen Kontrastwechsel, stößt dieser Genrefilm durch eine insgesamt zynische Grundhaltung ab.

So., 09. August, 22.10 Uhr, RTL

Couscous mit Fisch (2007)

Zwischen kühl-analytischer Zustandsbeschreibung und mitfühlender Anteilnahme ausgependeltes Migrantendrama von Abdellatif Kechiche, das, lange Zeit nahezu ausschließlich in Nah- und Superaufnahmen seines Laienensembles fotografiert, konsequent mit den Sehgewohnheiten eines an Kinoproduktionen westeuropäischer oder amerikanischer Prägung gewöhnten Publikums bricht, um anhand minutiös gestalteter Szenen, die die Geschlechter- und Generationenkonflikte innerhalb einer Gemeinschaft nordafrikanischer Einwanderer schildern, zur klassischen Tragödie zurückzufinden. Gleich eingangs durch ein Streitgespräch zwischen dem 61-jährigen Werftarbeiter Slimane und seinem Vorgesetzten als „Topografie des Terrors“ einer westlich-dominanten Zivilisation eingeführt, fühlt sich dieser kraftvoll poetische Film in die Mentalität und die Alltagsprobleme seiner arabischen Hauptprotagonisten ein und belohnt die Geduld seines Zuschauers mit einem emotional berührenden Finale von übergeordneter Bedeutung.

Fr., 07. August, 1.15 Uhr, ARTE

Die Zeit, die uns noch bleibt (2007)

Tragikomisches Familiendrama von Anand Tucker nach einem autobiografischen Roman von Blake Morrison, das einen von seinem Vater entfremdeten Sohn kurz vor dessen Krebstod noch einmal in sein Elternhaus führt. Gute Schauspielerleistungen – Jim Broadbent gibt den bis zur Unerträglichkeit in jovialer Selbstgefälligkeit ruhenden Familienvater Arthur, Juliet Stevenson die sträflich vernachlässigte Gattin und Colin Firth den sensiblen Literaten und gedemütigten Schöngeist, der die Anerkennung durch seinen Vater vermisst – werten diesen Film auf, der, unentschlossen zwischen Unterhaltungsansprüchen und psychologischer Studie pendelnd, nur wenig emotionale Nähe zu seinen Figuren zulässt. Kinowelt TV zeigt diese britisch-irische Produktion unter ihrem Originaltitel „And When Did You Last See Your Father?“.

Di., 04. August, 20.15 Uhr, Kinowelt TV

Logan Lucky (2017)

Katherine Waterston verpasst ihrem ehemaligen Schulkameraden Jimmy Logan alias Channing Tatum als fahrende Ärztin eine Gratis-Tetanusspritze und ein passendes Pflaster – und wird im späteren Verlauf der Geschichte fürstlich für ihre Dienste entschädigt: Amüsante, gegen den Strich gebürstete Heist-Komödie von Steven Soderbergh mit Adam Driver und Daniel Craig, in der die beiden Pechvögel Jimmy und Clyde, als ungleiche Brüder unter dem Logan-Fluch leidend, das perfekte Verbrechen einfädeln. Viele witzig geschriebene Dialoge und Details tragen zum Gelingen einer betont bodenständigen Variante der „Ocean’s“-Räuberkomödien bei.

So., 02. August, 20.15 Uhr, PRO 7

Schräger als Fiktion (2006)

Dramatisch-amouröse Fantasykomödie von Marc Forster um einen ambitionslosen Steuerprüfer und Konformisten (Will Ferrell), der sein bisheriges Durchschnittsleben streng nach den Regeln seiner Armbanduhr geführt hat, aber eines Tages bei der Mundhygiene entdeckt, dass er in Wirklichkeit das Fantasieprodukt einer ihm Unbekannten (Emma Thompson) ist, die sich ihm als Stimme aus dem Off mitteilt, um ihn und seinen zwanghaften Charakter ironisch zu kommentieren. Leider verschenkt dieser Film einen Gutteil seines potentiell tragikomischen Stoffs an eine weniger ergiebige Mischung aus Satire und nur stockend vorgetragenem Drama, die sich, beispielweise, auch in einem albern wirkenden „Mehl-Box“-Kalauer äußert. Dank einer Reihe sehr schöner Gast- und Nebenauftritte, unter anderem von Dustin Hoffman in der Rolle des Psychiaters Jules Hilbert, der den Leiden seines Patienten Harold auf äußerst komische Weise im Ausschlussverfahren auf den Pelz rückt, oder Linda Hunt als lakonisch Schizophrenie diagnostizierende Kollegin, ist dieser von Seiten der Darsteller lebendig interpretierte Film in seinem Gesamtergebnis dennoch zu empfehlen.

Sa., 01. August, 20.15 Uhr, AXN

Angélique – Eine große Liebe in Gefahr (2013)

Brillant fotografiertes und famos ausgestattetes, trivial-romantisches Mantel- und Degen-Abenteuerdrama nach historischen Romanen von Anne Golon, dass an den Kinokassen floppte, obwohl es nichts auslässt, was in einen Film über das 17. Jahrhundert gehört: eine gefallene Gräfin, die ins Wasser geht und von den Toten wiederaufersteht, ein Duell um die Ehre, Pfaffen, die einen Exorzismus durchführen wollen, prunkvolle Schlösser, verstümmelte Bettler, Kerzen, Fackeln und einen frisch gegossenen Barren Gold. Freunden hochwertiger Filmkunst, die über die Klischeehaftigkeit der literarischen Vorlage hinwegsehen können, sei dieser auch darstellerisch überzeugende Film von Ariel Zeitoun wärmstens ans Herz gelegt.

Do., 30. Juli, 23.30 Uhr, WDR

Terminator – Die Erlösung (2009)

Sci-Fi-Actionthriller, der, sehenswert für seinen Entwurf einer apokalyptischen, von Robotern regierten Zukunft, sein düster-morbides Produktionsdesign und die überdurchschnittliche Leistung des Hauptdarstellers Sam Worthington, einmal mehr vom Triumph der Menschlichkeit über die Maschinen erzählt. Als Auftakt einer weiteren Trilogie geplant, sammelt die Regie zahlreiche Pluspunkte hinsichtlich der Gestaltung seiner Actionsequenzen und der „Menschmaschine“ Marcus Wright, verliert dabei aber den humoristischen Pfad der Geschichte vollkommen aus den Augen, um den Film zum Finale mit einer großherzigen Organspende dem Kitsch zuzuführen.

Mi., 29. Juli, 20.15 Uhr, TNT

Family Man (2000)

Romantische Fantasy-Familienkomödie von Brett Ratner um einen Börsenmakler mittleren Alters, der, eigentlich ein Leben auf der Überholspur gewöhnt, im Rahmen einer Weihnachtsgeschichte noch einmal die Gelegenheit erhält, eine wichtige persönliche Entscheidung zu revidieren und in ein mögliches Dasein als Reifenverkäufer, Bowling-Niete und Windelwechsler reinzuriechen. Trotz einer Reihe gelungener Momente überwiegt insgesamt der Eindruck eines hemmungslos kitschigen Unterhaltungsfilms, der auf breiten Zuspruch bei einem anspruchslosen Publikum hofft.

Di., 28. Juli, 22.00 Uhr, TNT

Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)

Intrigantes Action-Abenteuerdrama von Hark Tsui mit Mystery- und Fantasyfilm-Elementen, das, beeindruckend für seinen Aufwand und seine außergewöhnlichen Kampfkunstchoreografien, eine verzwickte kriminalistische Story auf der Suche nach dem Verantwortlichen für eine feuergefährliche Serie von Attentaten entwickelt, die sich einem westlichen Betrachter auf enttäuschende Weise als die unverhältnismäßig banale Rachegeschichte des ehemaligen Rebellen Shatuo entpuppt, der als Baumeisters einer riesigen Buddha-Statue zu Ehren der ersten chinesischen Kaiserin plant, diese mitsamt ihrem Hofstaat aus dem Weg zu räumen. Gepaart mit einigen humoristischen Höhepunkten, entzieht sich dieser vornehmlich als Augenschmaus inszenierte Film einem genaueren Verständnis für ein Publikum, dass über keine näheren Kenntnisse der chinesischen Geschichte verfügt.

Do., 23. Juli, 16.15 Uhr, Kinowelt TV

Anon – Mit den Augen des Killers (2018)

Formal betont künstlicher Sci-Fi-Thriller mit Horrorfilm-Elementen, in dem ein gewisser Detective Sal Frieland alias Clive Owen auf die Jagd nach einer unbekannten „Unsichtbaren“ geht, um eine Reihe mysteriöser, per Kopfschuss begangener Morde aufzuklären. Als weiterer Beleg für den Einfluss des Videospiel-Zeitalters auf das Medium Film nur mäßig interessant, entwirft dieser Streifen unter der Regie von Andrew Niccol eine bedrohliche Atmosphäre der totalen gesellschaftlichen Manipulation, zeichnet aber zugleich ein äußerst armseliges Bild einer Menschheit, die sich vornehmlich für Alkohol, härtere Drogen und Edel-Prostituierte interessiert.

Mi., 22. Juli, 23.30 Uhr, ZDF