The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (2011)

Ungeachtet ihrer unbestreitbaren Qualitäten, missfällt diese hawaiianische „Sterbehilfe“-Komödie von Alexander Payne als beständig knapp am Tabubruch vorbei inszenierter Familienfilm, der den Rechtsanwalt Matt in haarsträubenden Situationen mit einer erschreckend disharmonischen Sippschaft zeigt, die mit Rücksicht auf ihren eigenen Seelenschmerz auf jeden Anflug von Mitgefühl für die nur mühsam von medizinischen Apparaten am Leben gehaltene und noch dazu untreue Gattin des sichtlich verzweifelten Matt verzichtet. Aufs Äußerste gewöhnungsbedürftig in seinem Humorverständnis, wendet dieser Film die Mittel der Schwarzen Komödie auf eine tragikomische Betrachtung menschlicher Makel an, die von den ansprechenden Leistungen ihres Hauptdarstellers George Clooney auf den wackeligen Badelatschen eines Drehbuches gehalten wird, das sein Publikum weder düpieren noch wirklich trösten will.

Di., 30. August, 20.15 Uhr, Disney Channel

Terminator – Dark Fate (2019)

Eine filmhistorisch berühmte Sarah Connor ruiniert das frischgewaschene T-Shirt des treusorgenden Familienvaters Carl, trainiert als Terminator-Jägerin von altem Schrot und Korn ihre neue Gebärmutter-Freundin Dani und liefert ihr schwere Waffen – und wahrt in Zeiten des Social Distancing die Abstandsregeln zu den Robotik-Menschen der Zukunft. Neuerlich als Begegnung der Gegenwart mit Vergangenheit und Zukunft erzählt, konfrontiert dieses hinsichtlich der Zeitlinie nach „Terminator 2“ angesiedelte Sci-Fi-Action-Abenteuer von Tim Miller eine verschlimmbesserte Supersoldatin aus der Zukunft mit einer Geschichte, die uns seit Arnold Schwarzeneggers erstem Auftritt als künstlicher Klugscheißer T-800 seltsam vertraut ist. Als selbstironische Reminiszenz an das eigene Filmschaffen auch an Fragen der Jetztzeit interessiert, überzeugt dieser von James Cameron geschriebene und produzierte Film für das gelungene Aufeinandertreffen einer neuen Generation leberwurstbeleidigter Akteure mit den Urgroßvätern und -müttern des unerbittlichen Haudrauf.

So., 28. August, 20.15 Uhr, PRO 7

Oliver Twist (2005)

Detailgetreu ausgestattet, hinreißend illustriert und bemerkenswert dicht erzählt, zeichnet dieses vom Publikum unterbewertete Jugend- und Krimidrama von Roman Polanski den Leidensweg seines Titelhelden vom Waisenjungen zum Handlanger krimineller Subjekte nach, die Anfang des 19. Jahrhunderts in London ein Miteinander als bandenorientierte Verbrecher führen, um sich durch den organisierten Diebstahl von Schnupftüchern über Wasser zu halten. Warmherzig in der Zeichnung seiner Figuren und zugleich mit dem gebotenen Ernst inszeniert, schildert der Regisseur die Zeit der Handlung als Welt armer Schlucker, die in ihrem Kampf gegen eine erbarmungslos verrohte Gesellschaft keine anderen Waffen als ihre Mitmenschlichkeit aufzubieten haben.

Sa., 27. August, 22.15 Uhr, Servus TV

Supermarkt (1974)

Milieubetonter Action-Krimi um einen verwahrlosten Gelegenheitsdieb und „Schmarotzer“, der, von der Polizei gesucht, von einem schmierigen Luden als Lockvogel ausgenutzt, von einem arroganten Homosexuellen der Oberschicht drangsaliert und von einem zweifelhaften Journalisten für seine Zwecke instrumentalisiert, vom unteren Ende der Nahrungskette loszukommen versucht und dabei zum zweifachen Mörder wird. In mancherlei Hinsicht an Jean-Luc Godards „Außer Atem“ erinnernd, setzt Regisseur Roland Klick im Gegensatz zu den meisten deutschen Autorenfilmern seiner Zeit auf schnörkelloses Genrekino und authentische Emotionen und Figuren – und beweist nebenbei sein glückliches Händchen bei einem gelungenen cineastischen Zauberkunststück. Den leitmotivisch eingesetzten Titelsong „Celebration“ singt kein anderer als „Marius West“, der außerdem in einer seiner seltenen Synchronsprecher-Rollen zu hören, aber mittlerweile besser unter seinem vollen Namen Müller-Westernhagen bekannt ist.

Mo., 22. August, 23.15 Uhr, NDR

Mary Poppins (1964)

In einer Zeit schwer depressiver Hochfinanzjongleure angesiedelt, die sich noch um den letzten Penny zweier arg gebeutelter Vorzeige-Kinder balgen, kündigt diese zauberhafte Fantasy-Komödie von Robert Stevenson von den wunderbaren Möglichkeiten der Vorstellungskraft und der befreiend-erhebenden Wirkung eines notwendig gewordenen Galgenhumors, der hier die Knospen der Kirschbaumallee 14 zum Blühen und den Schornstein der britischen Musterfamilie Banks zum Rauchen bringt. Als fantastische Mischform aus Animations- und Realfilm zum Disney-Klassiker des Familien- und Nanny-Films avanciert, begeistert dieses mehrfach Oscar-prämierte Musical bis heute für seinen überbordenden Einfallsreichtum, seine Warmherzigkeit und den gesanglichen Vortrag eines unaussprechlichen Zungenbrechers.

So., 21. August, 20.15 Uhr, Disney Channel

Die Kunst zu lieben (1971)

Ausgehend von einer mehrere Schwanzlängen währenden Männerfreundschaft verfolgt dieses exemplarische Geschlechterdrama von Mike Nichols die wechselnden Paarbeziehungen zweier wesensverschiedener Männer, die in punkto Augenhöhe zwischen Mann und Frau nicht alle auf der Latte haben. Während sich Jack Nicholson den samenraubenden Weibern mit dem Zentimetermaß nähert, versucht sich sein Freund Art Garfunkel ohne durchschlagenden Erfolg in gesellschaftlich besser akzeptierten männlichen Rollenbildern und setzt, „Der Martini, das Essen, die Kinder“, klare Präferenzen bei der Eheaufzucht. Mutmaßlich angetreten, einer emotional verkümmerten Herrlichkeit die Leviten zu lesen, lässt dieser mutig auf Publikumszuspruch pfeifende Film eine angemessen aussagekräftige Frauenrolle vermissen.

So., 14. August, 22.45 Uhr, ARTE

Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)

Auf Grundlage des gleichnamigen Jugendbuches von Patrick Ness entstanden, fühlt sich dieses komplex komponierte Fantasy-Drama von J.A. Bayona in den alltäglichen Horror eines zwölfjährigen Jungen namens Conor O’Malley ein, der sich, fasziniert von den Möglichkeiten der schönen Künste, von der Außenwelt abzukapseln beginnt und in Zwiegespräche mit einem „blöden Baum“ mit gebrochener Nase tritt, von dem er sich Hilfe und Beistand in einer persönlichen Notlage erhofft. Rabiat in seinen computeranimierten Trickpassagen voller Zerstörungswut, aber feinsinnig in den sparsamer eingesetzten Märchenerzählungen, präsentiert diese zu Herzen gehende Tragödie mit Lewis MacDougall einen außergewöhnlich talentierten jugendlichen Hauptdarsteller, der scheinbar mühelos in die Fußstapfen seiner berühmten Filmpartnerinnen Felicity Jones und Sigourney Weaver tritt.

Sa., 13. August, 20.15 Uhr, SAT.1

Spider-Man: Far from Home (2019)

Erneut an ein jüngeres Zielpublikum gerichtet, verschickt dieses Sci-Fi-Action-Abenteuer von Jon Watts einen hormongesteuerten Peter Parker (Tom Holland) und seine spinnerten Freunde auf eine ausgedehnte Klassenfahrt durch Europa, mit der Peter, sichtlich noch uneins mit seiner Berufung als Weltenretter, altersgemäß-romantische Vorstellungen verknüpft. Beharrlich von elementaren Todesgefahren in seiner näheren, illuster fotografierten Umgebung bedroht, macht er sich die künstliche Intelligenz „E.D.I.T.H.“, ein im Brillenetui überreichtes Geschenk seines ehemaligen Mentors Tony Stark alias Ironman zunutze, nur um es sich gleich wieder von seinem ärgsten Widersacher Mysterio (Jake Gyllenhaal) entreißen zu lassen. Konterkariert von den herrlich weltlichen Kommentaren seines Klassenlehrers Mr. Harrington (Martin Starr) und äußerlich in einer Bonbonverpackung durchgeknallter Einfälle und Effekte präsentiert, überzeugt diese von zahllosen Schleifchen geschmückte Teenager- und Avenger-Komödie durch ihren selbstironischen Witz, was einen sich die spärlichen Haare raufenden Lehrkörper in die Verlegenheit zu bringt, Schülern der Zukunft erklären zu müssen, warum der nächste Schulausflug nur ins Naturkundemuseum führt.

Do., 11. August, 20.15 Uhr, ZDF