Oben (2009)

Der kantig-grantige Witwer Carl Fredricksen, von Abrissbirnen und vom Altersheim bedroht, begegnet dDer kantig-grantige Witwer Carl Fredricksen, von Abrissbirnen und vom Altersheim bedroht, begegnet dem kugelig-quirligen Wildnis-Erforscher Russell, der, schon stolze acht Jahre hoch, nur ein einziges weiteres Pfadfinder-Abzeichen für den Dienst an Senioren und sein Glück benötigt. Während der ehemalige Ballonverkäufer Carl ein altes Versprechen einzulösen versucht und kurzerhand die Segel seiner altehrwürdig-schmucken Bruchbude gen Südamerika setzt, macht sich der zunächst schmählich der Türe verwiesene Russell als Reformator und Trendscout eines Greisenlebens unnützlich, das ihn an der Seite seines neuen Methusalem-Freunds Carl, einst selbst vom Faszinosum des Pioniergeistes infiziert, in ein traumhaftes Abenteuer voller neuer Möglichkeiten, aber auch voller Gefahren stürzt. Bemerkenswert homogen inszeniert und als warmherzig-spöttische Mehrgenerationen-Geschichte komponiert, bietet sich diese ergreifende, computeranimierte Tragikomödie von Pete Docter für einen gemeinsamen Kinobesuch für Jung und Alt förmlich an.

So., 26. Dezember, 10.10 Uhr, RTL

Spartacus (1960)

Monumentale Heldenbiografie von Stanley Kubrick, die Kirk Douglas in der Rolle des antiken Sklavenanführers vom einfachen Wadenbeißer ohne Aussichten auf ein befriedigendes Liebesleben in einen kampferprobten Gladiator und schließlich in eine Respektsperson inmitten des nach ihm benannten, historischen Sklavenaufstands verwandelt. Musikalisch von schmissig-pompösem Schnettereteng begleitet, bietet dieser Film alles, was eine Großproduktion unter dem machtvollen Einfluss des amerikanischen Studiosystems erwarten lässt: Eine melodramatische Liebesgeschichte, eine dekadente und vergnügungssüchtige römische Oberschicht, die sich, wie in einem guten Schlachtbetrieb üblich, ihre Gladiatoren selbst aussucht, kistenweise erbeutetes edles Geschmeide, formidable Selbstdarsteller wie Peter Ustinov, Laurence Olivier oder Charles Laughton, ja sogar einen jungen Tony Curtis, der, zuständig für die Wissensgebiete Gedichte und Zaubern, als späterer Liebling der Damenwelt vom römischen Feldherren Crassus mit zweideutigen Angeboten umworben wird. Die eigentlich gute Nachricht hinter all diesem Historiengedröhne ist, dass diese einzige Auftragsarbeit Stanley Kubricks auch seine letzte blieb – und dass es ihm gelang, wenigstens gelegentlich so etwas wie richtige Menschen und eine aufrichtig gemeinte Anklage gegen die Barbarei und den Machtmissbrauch eines totalitären Staatsgefüges auf die Leinwand zu zaubern.

So., 26. Dezember, 16.25 Uhr, TELE 5

Eine Leiche zum Dessert (1976)

Fünf berühmte Roman- und Leinwanddetektive treffen sich im abgelegenen Herrenhaus eines exzentrischen Gastgebers zu einem gemeinsamen Essen ohne Vorsuppe und ohne Hauptgang, um einen rätselhaften Mord ohne Opfer aufzuklären: Peter Falk, auch zur Nachtruhe noch in einen Trenchcoat gekleidet, persifliert den amerikanischen Detektivtypus eines Sam Spade, Peter Sellers verulkt Charlie Chan und David Niven veräppelt den „dünnen Mann“, während Elsa Lancaster in der Rolle der Jessica Marbles und James Coco als Milo Perrier Erzählprinzip und Personal einer klassischen Agatha-Christie-Verfilmung auf die Schippe nehmen. Ergänzt durch den blinden Butler Bensonmum alias Alec Guinness, die taubstumme Köchin Yetta alias Nancy Walker und einen diabolischen Hausherren namens Lionel Twain (Truman Capote in einer seiner seltenen Rollen) avancierte dieser freche Ensemblefilm von Robert Moore zu einem Meilenstein der parodistischen Krimikomödie.

Sa., 25. Dezember, 20.15 Uhr, KABEL 1

Die rechte und die linke Hand des Teufels (1970)

Terence Hill und Bud Spencer, erstmals als „Laurel und Hardy“ ihres Genres unterwegs, veredeln diese parodistische Westernkomödie von Enzo Barboni, die ihre beiden Hauptdarsteller als Sheriffs wider Willen in heftige Auseinandersetzungen mit einer Gruppe mexikanischer Raufbolde verwickelt, die sich einem skrupellosen Pferdezüchter angedient haben, eine gläubige Gemeinschaft pazifistischer Siedler von ihrem Land zu vertreiben. Als Reaktion auf die in den 1960er Jahren populären, oft überharten Italo-Western auch filmhistorisch von Interesse, wendet sich diese munter inszenierte Backpfeifen- und Backenfutter-Komödie von den Stereotypen und Klischees ihrer bärbeißigen Vorbilder ab, um sie durch die berühmten Hammerschläge und den aufreizenden Augenaufschlag zweier Publikumslieblinge am Anfang ihrer Prügelwestern-Karriere zu ersetzen.

Fr., 24. Dezember, 20.15 Uhr, KABEL 1

Robin Hood – König der Diebe (1991)

Aufwändig gemacht, aber künstlerisch wertlos und von bombastisch-pathetischer Musik untermalt, degradiert dieses kommerziell erfolgreiche Action-Abenteuerdrama von Kevin Reynolds sein talentiertes Personal zu Schießbudenfiguren im Dienst einer stark ironisierten Comicversion der englischen Volksheldensaga. Kevin Costner als Witzbold seiner eigenen Legende trifft beständig ins Schwarze misslungener Pointen, während sich sein treuer Begleiter und Geburtshelfer Azeem alias Morgan Freeman als „Sarotti“-Mohr mit imposantem Krummsäbel präsentieren muss, flankiert von Alan Rickman als Bösewicht-Sheriff von Nottingham, der sich mangels geistreichen Dialogs in der Kunst des Grimassierens und der schwarzen Magie übt.

Mi., 22. Dezember, 20.15 Uhr, Nitro

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Komödiantisch-dramatisches Fantasy-Abenteuer von David Yates nach einem Drehbuch von J.K. Rowling, das Eddie Redmayne 1926 samt Hartschalenkoffer nach New York führt, wo man nicht besonders gut auf die von ihm eingeschleppten „Niffler“ und „Bowtruckles“ zu sprechen ist, weil dort ein freilaufender „Obscurus“ sein mörderisches Unwesen treibt. Unter erheblichem technischen Aufwand entstanden, entführt dieser verspielt zwischen Romanze, Horrorszenario und Artenschutz erzählte Fantasy-Quatsch seinen Zuschauer in eine Welt scheinbar unbegrenzter magischer Möglichkeiten, die unter dem Einfluss von sechs „Giggelwassern“ und einem „Schädelspalter“ vermutlich die gewünschte Wirkung entfalten.

So., 19. Dezember, 20.15 Uhr, PRO 7

Das Familienfoto (2018)

Tragikomödie von Cécilia Rouaud um drei Geschwister, die nach der Beerdigung ihres Großvaters den Geburtstag der gemeinsamen Großmutter feiern, aber keine geeignete Lösung für die Frage der Unterbringung der hilfebedürftig-altersdementen Seniorin finden. Musikalisch vom Frühwerk Cat Stevens‘ unterstützt und von seiner Exposition auf generationsübergreifende Konflikte ausgelegt, konzentriert sich dieser sympathisch unprätentiöse, aber nicht durchgängig gelungene Film auf ein Porträt seiner drei jüngeren Hauptfiguren, die als überlastete Sozialarbeiterin oder als alkoholkranker und selbstmordgefährdeter Computerspiel-Designer schlicht ungeeignet sind, die Verantwortung für die „lustige Oma“ zu übernehmen.

So., 12. Dezember, 20.15 Uhr, Servus TV

Sehnsucht nach Paris (2014)

Dezent-humoristische Ehe- und Beziehungskomödie von Marc Fitoussi um eine Ehefrau mittleren Alters, die, von ihrer wesentlich jüngeren Nachbarschaft an bessere Zeiten ihres Lebens erinnert, einen Ausflug mit zweifelsfreiem Ausgang in die Hauptstadt der Liebe unternimmt. In der weiblichen Hauptrolle mit großer Selbstverständlichkeit interpretiert, erfreut sich der Zuschauer an der Schlagfertigkeit der Dialoge eines angenehm unprätentiösen Films, der seine Beobachtungsgabe und seine Intelligenz schult und mit zarter Hand streichelt.

Mi., 08. Dezember, 20.15 Uhr, ARTE

The Limehouse Golem (2016)

Aufwändig ausgestatteter und stimmungsvoll illuminierter Mystery-Horror-Thriller von Juan Carlos Medina, der einen in seinen Grundfesten erschütterten, britischen Inspektor im viktorianischen London des Jahres 1880 auf den Fersen eines mysteriösen Serienmörders und bei seinen Bemühungen zeigt, die als Giftmörderin angeklagte Varieté-Künstlerin Elizabeth Cree vor dem Galgen zu bewahren. Nach einem Kriminalroman von Peter Ackroyd entstanden, lässt dieser anspruchsvoll erzählte Film die indifferente Zeit eines erbarmungslosen Überlebenskampfes wiederauferstehen, um die grausigen Morde seiner kriminalistischen Handlung als das Ergebnis eines Falles von schwerer Persönlichkeitsstörung zu zeigen.

Sa., 04. Dezember, 22.25 Uhr, TELE 5

Der Mondmann (1999)

Vom klassischen amerikanischen Filmmusical und von einem bis in die Zehenspitzen überdrehten Jim Carrey profitierend, setzt diese als Catcher-Tragödie erzählte, biografische Tragikomödie von Milos Forman all jenen Entertainern ein Denkmal, die sich wie ihr alles überstrahlendes Blend-a-dent-Gesicht Andy Kaufman ins kollektive Gedächtnis eines Publikums eingebrannt haben, das zwischen Jux und Jokus zu unterscheiden weiß. 1984 im Alter von gerade einmal 35 Jahren als Lungenkrebs verstorben, lebt der komische Geist dieses anarchistischen Genies in den Arbeiten seiner deutschen Kollegen Hape Kerkeling, Helge Schneider oder „Super Haftcreme Extra stark“ weiter.

Sa., 04. Dezember, 20.15 Uhr, Kinowelt TV