Affenkönig (2016)

Aufdringlich-schrille Buddy-Komödie von Oliver Rihs um vier Freunde, die sich anlässlich des 45. Geburtstags des inzwischen in Kohle schwimmenden Gastgebers zum ersten Mal seit Jahren wiedertreffen und einige gemeinsame Tage in der Provence damit verbringen, jede Menge Jugendsünden aufzufrischen und eine Radtour in Damen-Reizwäsche zu unternehmen. Mutmaßlich als „oberaffengeile Komödie um ein paar Typen in der Midlife-Crisis“ gedachte Komödie, die ohne jegliches Tempo daherkommt und mit einer laschen, aufgesetzt wirkenden Schlusspointe endet.

Mi., 29. September, 0.55 Uhr, ARTE

The Sisters Brothers (2018)

Sanft ironisches Westerndrama von Jacques Audiard, das die beiden gedungenen Revolverhelden Charlie und Eli Sisters 1851 im Auftrag eines gewissen „Commodore“ von Oregon an die Ufer eines goldführenden Flusses führt, um sie mit den Nachteilen einer ungesetzlichen Berufswahl und des Campens unter freiem Himmel zu konfrontieren. Von glänzend aufgelegten Hauptdarstellern wie John C. Reilly und Joaquin Phoenix getragen, erwächst auf sparsam eingesetzten Breitwandbildern einer ursprünglich-unverbrauchten Landschaft das sinnbildlich effektiv ausgestaltete Porträt zweier in Blutsverwandtschaft verbundener Brüder und Kontrahenten, die zwar Geschmack an den ersten Segnungen eines zivilisierteren Lebens, zum Beispiel der Zahnbürste, finden, aber kein gesteigertes Interesse an der Erfindung der Wasserspülung zeigen, die ihnen als Vertretern eines selbstbestimmten, freiheitlichen Daseins eher am Arsch vorbeigeht.

Sa., 25. September, 20.15 Uhr, Servus TV

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989)

Parodistisches Action-Abenteuer von Steven Spielberg, das den mittlerweile hinreichend bekannten Archäologen und Filzhutträger „Indiana“ Jones an der Seite seines altehrwürdigen Vaters auf die Suche nach dem Heiligen Gral schickt, um in seiner Einleitung eine nachträgliche Erklärung für die Schlangenphobie seines Helden abzuliefern, der in jungen Jahren in Gestalt von River Phoenix als Pfadfinder daran scheitert, zwielichtigen Schatzsuchern das Kreuz von Coronado zu entwenden. Von der Mitwirkung Sean Connerys deutlich aufgewertet, wendet sich dieser insgesamt unterhaltsame Streifen zunehmend von einer liebevoll-ironischen Betrachtung unterbewerteter B-Movies seines Genres ab, um als selbstverliebt-actionbetontes Hochgeschwindigkeitskino irgendwie auf der Stelle zu treten und erneut seine nationalsozialistischen Erzfeinde deutscher Prägung als Popanze zu verhöhnen.

Mo., 20. September, 20.15 Uhr, KABEL 1

Das fünfte Element (1997)

Schrill-pazifistisches Sci-Fi-Action-Abenteuer von Luc Besson, das sich in einer fernen Zukunft noch längerer Zigarettenfilter um nichts Geringeres als die Rettung der Erde gegen das unfassbar Böse dreht. In der Hauptsache gehobenen Unterhaltungsansprüchen genügend, feuert dieser überaus pointiert geschriebene und inszenierte Film im Sekundentakt medien- und zivilisationskritische Seitenhiebe auf die Generation seiner Zeit ab, die sich seitens ihrer filmhistorischen Bezüge insbesondere auf das „Star Wars“-Universum und seine vielfältigen Figuren beziehen.

Mi., 15. September, 20.15 Uhr, KABEL 1

Vier im roten Kreis (1970)

In der Tradition des Film noir erzählter, düster-elegischer Heist-Thriller von Jean-Pierre Melville um einen kriminellen Schnurrbartträger mit schlechten Angewohnheiten, der, kaum aus dem Gefängnis entlassen, einen weiteren Ganoven in seinem Kofferraum weiß, mit dem er einen Überfall auf ein Juweliergeschäft mit hochmoderner Sicherheitstechnik plant. Alain Delon, bereits in einem früheren Kriminalfilm Melvilles als eiskalter Engel aufgefallen, sucht sich, von den guten Geistern der Vergangenheit verlassen, neue Verbündete in einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Räuber und Gendarm, in dem die althergebrachten Grenzen zwischen Recht und Unrecht endgültig verschwimmen. Berühmt für seine minutiöse Schilderung des Raubüberfalls selbst, bleibt insbesondere Yves Montand in der Rolle des ehemaligen Polizisten Jansen in bester Erinnerung, der einen Anruf Delons im Delirium entgegennimmt und sein Angebot nutzt, um „Rache an den Bewohnern des Wandschranks“ zu nehmen.

So., 12. September, 20.15 Uhr, ARTE

Porträt einer jungen Frau in Flammen (2018)

Nach dem mutmaßlichen Freitod ihrer Schwester für eine Hochzeit mit einem Mailänder vorgesehen, interessiert sich die junge, einer Verheiratung abgeneigte Klosterschülerin Héloïse (Adèle Haenel) nicht nur für Literatur und die weltlichen Genüsse des Rauchens, sondern auch für ihre vermeintliche Gesellschafterin Marianne (Noémie Merlant), die, als Malerin beauftragt, im Geheimen das Hochzeitsporträt des adeligen Fräuleins zu erstellen, augenscheinlich erotischen Forschergeist zeigt. Intensiv interpretiert und im Stil eines barocken Gemäldes fotografiert, gefällt dieses dramaturgisch geschickt durch den Schwangerschaftsabbruch der Haushälterin Sophie rhythmisierte, historische Liebesdrama von Céline Sciamma für seine intime Annäherung zweier junger Frauen unterschiedlichen Standes, die sich zum Höhepunkt des Films auf tragisch-optimistische Weise in einem Filmkuss ganz ohne Alltagsmaske begegnen.

Mi., 08. September, 20.15 Uhr, ARTE

Jäger der verlorenen Schatzes (1981)

Zum Kultfilm avanciertes Action-Abenteuer von Steven Spielberg nach einer Idee von George Lucas um einen hartgesottenen Archäologen und Schlangen-Phobiker, der im Auftrag des amerikanischen Geheimdienstes nach dem Verbleib der sagenumwobenen Bundeslade sucht, um sie vor dem Zugriff durch deutsche Faschisten zu bewahren. Nach gelungen humoristischer Ouvertüre zur Einführung des Hauptcharakters, des peitschenkundigen Filzhutträgers „Indiana“ Jones, die seinem mimisch begabten Widersacher Alfred Molina in einer seiner ersten Rollen auf tragische Weise das Leben kostet, entfaltet sich eine hochgradig kurzweilig inszenierte, burleske Abenteuergeschichte, die sich, neben anderen natürlichen Übeln, den Nationalsozialismus deutscher Prägung zum Erzfeind auserkoren hat, um sich als unbeschwertes Filmvergnügen um die Ehrenrettung so genannter B-Pictures verdient zu machen, deren folkloristische und oft befreiende Komik auf unnachahmliche Weise modifiziert und damit salonfähig aufgetischt wird.

Mo., 06. September, 20.15 Uhr, KABEL 1

Nordwand (2008)

Nervenzehrend-distanzloses Bergsteigerdrama, das den Erstbesteigungsversuch der Eiger-Nordwand 1936 als aussichtloses Unterfangen der beiden deutschen Gebirgsjäger und Latrinenputzer Toni Kurz und Andreas Hinterstoißer sowie ihrer österreichischen Kollegen Willy Angerer und Edi Rainer zeigt, die, von zweifelhaften nationalen Wertvorstellungen, einer sensationslüsternen Presse und der Hoffnung auf olympisches Gold angetrieben, ihr Leben in einer Steilwand der Schweizer Berge opfern, um „das letzte große Problem der Alpen“ zu lösen. Bemerkenswert für die Leistungen seiner vier Hauptdarsteller Benno Fürmann, Florian Lukas, Simon Schwarz und Georg Friedrich, ist dieser mit originalen Ausrüstungsgegenständen, aber mit nur wenig originärem Gedankengut vordergründig kritisch gestaltete Film von Philipp Stölzl in bedenkliche Nähe zu früheren Beiträgen seines Genres geraten, die sich als Propaganda des Faschismus ins Gedächtnis der Weltöffentlichkeit eingebrannt haben.

So., 05. September, 23.10 Uhr, 3 SAT

Vom Lokführer, der die Liebe suchte… (2018)

Schelmisch-poetische Tragikomödie um einen hochdekorierten, erst kürzlich pensionierten aserbaidschanischen Eisenbahner (Miki Manojlović), der sich in Abwandlung eines Aschenputtel-Motivs auf die Suche nach der Besitzerin eines hellblauen Spitzen-BHs macht, um, mal mit Schimpf und Schande verjagt, mal mit offenen Armen empfangen, beinahe unter die Räder seiner ehemaligen Lok und einer voreingenommen-misstrauischen Mensch-Maschine zu geraten, die ihn aufgrund seiner sonderbaren Aktivitäten zum Sittenstrolch abgestempelt hat. In ausgesucht stimmungsvollen Bildkompositionen natürlicher wie industrieller Landschaften fotografiert, beschwört dieser Film von Veit Helmer reihenweise absurd-satirische Situationen, die dem Zuschauer den scheinbar widersprüchlichen Eindruck einer Welt voller Verheißungen, aber auch voller Entbehrungen vermitteln. Reich an geschickt eingesetzten Geräuschen, aber vollkommen ohne Worte erzählt, knüpft der Regisseur mit seinem heiter-versöhnlichen Film an einer fast vergessenen Tradition filmsprachlich universell aufbereiteter Geschichten an.

Sa., 04. September, 18.50 Uhr, One

Dessau Dancers (2014)

Komödiantisch akzentuiertes Tanzdrama um eine Gruppe leidenschaftlich bewegungsfreudiger Jugendlicher, die sich 1985 unter dem Eindruck des amerikanischen Breakdance-Movies „Beat Street“ vom Staatsapparat der DDR als „akrobatische Schautanz-Gruppe“ instrumentalisieren lassen, um anlässlich eines TV-Auftrittes für „Ein Kessel Buntes“ öffentlich die Hosen runter zu lassen. Überdeutlich als Aufklärungsunterricht für ein jugendliches Publikum konzipierter Film von Jan Martin Scharf, der einer Generation Nachgeborener die Allgegenwärtigkeit der Staatssicherheit in der DDR näher bringt.

Mi., 01. September, 1.20 Uhr, BAYERN