Nymphomaniac: Vol. 1 (2013)

Provokant blasphemisch-pornografisches Drama von Lars von Trier, der seine „Lebensbeichte einer Nymphomanin“ mit den Anmerkungen und kulturwissenschaftlichen Diskursen ihres Zuhörers Seligmann konstrastiert, um praktisch sämtliche existenziellen Aspekte des Lebens – Liebe, Sexualität, Gewalt etc. – durch den Fleischwolf seiner Erzählung bzw. einer „Möse“ zu pressen und mit dem finalen Klappern der Katzenklappe endgültig ad absurdum zu führen. Formal streng, oft bemerkenswert gespielt und tendenziell pessimistisch, wirft dieser Film ein dubioses Licht auf seinen Regisseur und seine Darsteller, wenn sich diese im Rahmen eines Kinoprojekts zu Sexualobjekten degradieren.

Fr., 31. Januar, 22.10 Uhr, TELE 5

Precious – Das Leben ist kostbar (2009)

Überragend gespieltes Familien- und Inzestdrama um eine sehr korpulente Afroamerikanerin in New York, die, noch minderjährig, das zweite Kind von ihrem leiblichen Vater erwartet, von der Mutter, einer Sozialhilfeempfängerin, dominiert wird und als prügelnde Analphabetin der Schule verwiesen wird. Auch in den Nebenrollen sehr gut gespielt, begeistert der Film vor allem als das Porträt einer scheinbar chancenlosen, ausgenutzten und missbrauchten Außenseiterin, die sich dennoch ihren Lebenswillen, ihren Galgenhumor, einen gesunden Menschenverstand und ihre Träume bewahrt hat.

Do., 30. Januar, 20.15 Uhr, Kinowelt TV

Verleugnung (2016)

Nach einer wahren Begebenheit entstandenes Justizdrama mit Rachel Weisz, die sich an der Seite ihrer Anwälte in einem Gerichtsverfahren gegen die Verleumdungsklage eines Populisten und Holocaust-Leugners wendet. In mehrfacher Hinsicht für seine aktuellen politischen Bezüge sehenswerter Film von Mick Jackson , der sich gegen die immer wiederkehrenden Versuche wendet, historische Tatsachen zu verdrehen, aber auch die Schwierigkeiten zeigt, im Zweifelsfall eine allgemeingültige Wahrheit vor Gericht zu beweisen.

Sa., 25. Januar, 23.30 Uhr, RBB

Public Enemies (2009)

Biografisch-amouröses Gangsterdrama, in dem Johnny Depp als „Staatsfeind Nr. 1“ von der Polizei gejagt wird, immmer wieder aus dem Gefängnis ausbricht, schließlich aber selbst einsehen muss, dass er als Bankräuber ein auslaufendes Geschäftsmodell verfolgt. Hochkarätig besetzt, hochwertig fotografiert, in der Anlage der Hauptfigur hochgradig heroisch, aber freizügig bezüglich der historischen Wahrheit, gefällt dieser an der Lebensgeschichte John Dillingers orientierte Film vor allem als nostalgisch überhöhtes, actionreiches Liebesdrama.

Do., 23. Januar, 23.10 Uhr, ZDF Neo

Kampf der Titanen (2010)

Vor allem auf spektakuläre Schauwerte abzielendes Fantasy-Actionabenteuer, das als tricktechnisches „Update“ und Remake des Originalfilms von 1981 dank seiner zuweilen selbstironischen Haltung zu gefallen versteht und den Halbmenschen Perseus alias Sam Worthington, seit „Avatar“ Spezialist für exotisches Federvieh, auf seinem geflügelten Rappen Pegasus in unerbittliche Kämpfe mit den olympischen Göttern verwickelt. Fazit: halbherzig angerichtete Halbgötterspeise mit sehenswert choreografierten Gefechten, allerlei fiesen Riesenskorpionen und weiteren mythologischen Fabelwesen.

Di., 21. Januar, 20.15 Uhr, TNT Film

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis (2014)

Im Gewand eines Thrillers inszeniertes, gesellschaftskritisches Krimidrama um einen Kleinkriminellen auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld und lukrativen Einkommensquellen, der, fasziniert von den Möglichkeiten im Nachrichtengeschäft, als Freelancer auf die Jagd nach spektakulären TV-Nachrichtenbildern geht und zu diesem Zweck einen obdachlosen jungen Mann als unterbezahlten Azubi anheuert. Die zynisch überhöhte Mediensatire, die nebenbei die Verhandlungstaktiken der Branche karikiert und auch den Zuschauer zu einer Selbstreflektion über die eigene Schaulust zwingt, bietet dem Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal die Gelegenheit für die beunruhigende Charakterstudie eines Mannes, der keinen blassen Schimmer von journalistischer Ethik hat und sich stattdessen vom manischen Arschkriecher in ein größenwahnsinniges Arschloch verwandelt.

Mo., 20. Januar, 18.15 Uhr, TNT Film

Auguste Rodin (2017)

Lebenskluge Künstlerbiografie von Jacques Doillon unter besonderer Berücksichtigung des schwierigen Liebesverhältnisses zu seiner Kollegin Camille Claudel, die er – fortschrittlich in ihrem künstlerischen Empfinden, aber hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Stellung in klassischen Rollenbildern gefangen – als Seelenverwandte hochschätzt und liebt, aber wegen „älterer Verpflichtungen“ nicht heiraten möchte. Vor allem in der männlichen Hauptrolle bemerkenswert gespielt, überzeugt dieser Film als dramatisches Zeitzeugnis einer unmöglichen Liebe, aber auch als späte Würdigung eines außergewöhnlichen Künstlers.

So., 19. Januar, 20.15 Uhr, Kinowelt TV