Gefangen im Jemen

Mit seinem Film Gefangen im Jemen kehrte Peter Patzak in die harte Welt der Männerrivalitäten zurück und schickte seinen „Joker“ Peter Maffay in die Wüste, sich mit seinem Sohn auszusöhnen und dessen abenteuerlustigen Freunde vor den Gefahren einer Motorradtour im aufständischen Norden des Landes zu schützen. Was ihm, obwohl er tapfer Tretminen stemmt und als einziger Kenner der jemenitischen Gepflogenheiten wacker gegen die ahnungslosen Greenhorns aus Deutschland annuschelt, letztlich nicht gelingen mag. Neben einem zuweilen arg nervenden Heldenpathos sind Peter Patzak ein glaubwürdiges Bild der politischen Umstände im Jemen und ein spannendes Geiseldrama gelungen – und wirklich beeindruckende Bilder, die sich auf angemessene Weise vor der wilden Schönheit der Wüste verneigen.

Werbeanzeigen

Deine besten Jahre

Vera Kemp, 36, hat sich zeit ihres Lebens ausschließlich mit den schönen Dingen dieser Welt umgeben. Die Leitung der Geschäfte hat die kunstbeflissene Firmenerbin ihrem schönen Mann überlassen, auf ihrem schön gedeckten Tisch brennen Kerzen, und wenn sie, wie heute, Geburtstag hat, dann kann sie sich sicher sein, dass ihr eine schöne Überraschung ins Haus im Grünen steht. Wie schon in seinem letzten Fernsehfilm „Bittere Unschuld“ nimmt sich Dominik Graf auch hier den drängenden Problemen an, die die High Society plagen: Ehebruch, Familiendünkel, knallharter Konkurrenzkampf, wenn es ums Geld geht. Dies alles, kameratechnisch virtuos und durchaus fesselnd in Szene gesetzt, mögen wir dennoch nur den relativ seltenen frustrierten Millionärsgattinnen dieses Landes zur Ansicht empfehlen – und Hauptdarstellerin Martina Gedeck, dass du, wenn du die persönliche Anrede erlaubst, Deine besten Jahre nicht noch einmal mit einer derart überflüssigen Story verschwendest. Kurzfassung unter höflicher Auslassung der Elemente, die frustrierte Millionärsgattinnen interessieren: In behütetem Reichtum Aufgewachsene entdeckt das Böse in der Welt, schluckt erst mal Pillen und liest dann einen sie rettenden Brief vor. Tragic!

Warten ist der Tod

Alfred Hitchcock hätte dieser Film auch gut gefallen: Drei ehemalige Luftwaffenflieger, frühzeitig pensioniert, finden sich im bürgerlichen Leben nicht zurecht und benehmen sich überhaupt nicht zivil – gemeinsam mit einem angeheuerten „Profi“ überfallen sie die Kassenräume einer Flugschau. Doch nicht um diesen gelungenen Bruch geht es in dem ungemein spannenden, zweiteiligen Thriller. Der Blick des Drehbuchautors und Regisseurs Hartmut Schoen, bisher vor allem als Dokumentarist aufgefallen, gilt ganz den Charakteren: dem alles kontrollieren wollenden Venske, der sich zwischen Ehefrau und Geliebter zerreibt, seinen beiden „Kameraden“ Kellermann und Glöckler und dem kleinen Laux in Nöten, der die militärisch agierende Heldentruppe als gar nicht so gewiefter Gauner komplettiert. Schon der Überfall geht beinahe schief, aber das ist nichts im Vergleich dazu, was sich hinterher abspielt. Da einige des millionenschweren Gaunerquartetts keine Böcke mehr haben, sich von Zahnbelag zu ernähren (diesen Ausspruch verdanken wir Helen Vita, die hier in einer kleinen Nebenrolle ein exquisites Darstellerensemble mit ihrem bodenständigen Humor krönt) und nicht abwarten wollen, bis das verabredete halbe Jahr bis zur Verteilung der Beute vorbei ist, fliegen bald schon die Fetzen, dass die Nerven nur so sirren. Und dafür braucht Schoen keine effektvollen Tricks – ihm genügt das Psychogramm des Perfektionisten Venske (hervorragend: Ulrich Tukur), der an seinen eigenen Werten und Prinzipien scheitert, um Hochspannung zu erzeugen: Warten ist der Tod.

Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln

In Weißkittelkreisen wird man diesen Thriller nicht diskutieren, untermauert er doch die weit verbreitete Ansicht, der wahre Irre sei der Seelenklempner. Mit Racheengel – Stimme aus dem Dunkeln ist Götz George im aufregenden Kosmos der Serienmörder gestrandet: als gescheiterte Koryphäe der Psychiatrie, die sich – inzwischen selbst ein Fall für Bonnies Ranch – zum Richter so „minderwertiger, abartiger Geschöpfe“ wie Sexualverbrecher aufschwingt. Besonderer Coup für den „Nervenkitzel am Freitag“: Neben „Schimanski“ mimt mit „Sperling“ Dieter Pfaff gleich noch ein zweiter Kriminaler einen manischen Mörder. Ein zugegebenermaßen spannender Anstalts-Thriller von Thorsten Näter, der neben seiner Starbesetzung allerdings auch ein Klischee nach dem anderen auffährt. Trost bietet da nur die vom Sender dankenswerter Weise beigefügte „Hintergrund-Information“: „Niemand kann unter Hypnose zu Handlungen überredet oder gar gezwungen werden, die er eigentlich ablehnt.“

V.I.P. – Die Bodyguards

Pamela Anderson Lee, mit ihrer Entscheidung gegen das Silikonimplantat der Konkurrenz wieder einmal zwei Brüste voraus, bleibt zwar der Serie und auch den Schönen und Reichen treu, wagt mit V.I.P. – Die Bodyguards jedoch den erfreulichen Sprung in die „aufgeklärte“ Welt der Dekolleté-Unterhaltung, die sich durchaus bewusst ist, dass der Heißhunger auf Luxus in der Regel mit einem Hot-Dog gestillt wird. Vom halb entblößten Rettungsengel zum Leibwächter für Beverly-Hills-Schnösel und zur Mitproduzentin aufgestiegen, hat sie gemeinsam mit Jonathan F. Lawton (u.a. Script für „Pretty Woman“) einen hyperbunten, schrillen Action-Comic kreiert, in dem es – ähnlich wie in „Pulp Fiction“ – eigentlich ständig um Belangloses geht, derweil sich die üppige Leiterin der exklusiven Agentur Vallery Irons Protection den bleihaltigen Plots stellt (Stichwort: kugelsicherer Schreibtisch). Gemessen an der Biederkeit von „Baywatch“, wo Pam nur dauernd planschte, ist der furztrockene Humor und der lockere, selbstironische Ton dieser Serie ein erheblicher Fortschritt.