Stille Nacht – Heilige Nacht

Die Weihnachtsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Während die einen Reißaus nehmen und sich auf einen Trip in die Einsamkeit der Berge machen, sacken die anderen schon einmal die Geschenke ein und überfallen, als Sankt Nikolaus getarnt, ein Kaufhaus. Bei den einen gibt es Streit, bei den anderen Verletzte und Tote, doch wie das Drehbuch so spielt kommen alle wieder glücklich zusammen und finden sich in der klaustrophobischen Enge einer Jagdhütte wieder. Mit seinem Psychothriller Stille Nacht – Heilige Nacht überspitzt Regisseur Thomas Stiller im Grunde nur, was Jahr für Jahr in deutschen Wohnzimmern unter dem Tannenbaum abläuft. Wo jedoch jeder mit Freund Heins Schlachtfest rechnen muss, da ist‘s mit der Harmonie endgültig Essig, und es entspinnt sich ein gelungener Kammerkrimi, der seine von diversen Lügengebäuden zusammengehaltenen Antihelden in eine Hölle aus Angst und Gewalt schickt. Eine eindrucksvolle Ensembleleistung krönt diesen höchst dramatischen Streifen.

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Hin und weg

Heiß in Liebe entbrannt lernen wir David (Daniel Brühl) in seinem ersten Film kennen, den er gemeinsam mit Vater Hanno auf dem Regiestuhl realisierte. Und tatsächlich: Diese für eine Staffel der „Wilden Herzen“ entstandene Love-and-Crime-Story erweist sich auf den ersten Blick als liebenswert. Absolut glaubwürdig in den Charakteren, glänzend gespielt und ungemein spannend entwickelt sich hier eine mitreißende Achterbahnfahrt der Gefühle, die lediglich ganz zum Schluss unter einem etwas erzwungenen Happy End leidet. Von Brühls Filmpartnerin Katharina Schüttler jedenfalls ist man von Anfang an Hin und weg.

Biikenbrennen – Der Fluch des Meeres

Alles Quatsch, denkt der knallharte Software-Unternehmer Fölster, seiner asthmakranken Tochter Johanna zuliebe von Berlin an die Nordsee verzogen, und verbietet das ihm unbekannte Traditionsfest des Biikenbrennen – eine Art Halloween für Küstenbewohner –, das ausgerechnet vor seiner Haustür stattfinden soll. Dummerweise entpuppt sich der faule Zauber aber als handfester Alptraum und Der Fluch des Meeres schlägt gnadenlos zu: Johanna löst sich in Luft auf. Wer sich für übersinnliche Phänomene und phantastische Abenteuer erwärmen kann, der wird höflich über das doch eher blasse Spiel eines Christoph M. Ohrt hinwegsehen und sich an dem klugen Drehbuch von Timo Berndt, der vorzüglich verzauberten Landschaft um Ottenkoog und einem diabolischen Heinrich Giskes erfreuen, der diesem insgesamt gelungenen Mystery-Thriller zusätzlich Gesicht verleiht.

Verliebt in eine Unbekannte

Das schwülstige Italo-Komödchen Verliebt in eine Unbekannte stellt unter Beweis, wie variabel deutsche Fernsehnasen heute sein müssen. Hier mimt Gabriel Barylli nicht nur den Laiendompteur im Regiestuhl, sondern gleich auch noch einen Arzt, der einem Hallodri (Heio von Stetten) die Arbeitsunfähigkeit bestätigen soll. Was der von seinem Unfall längst genesene Versicherungsbetrüger nicht weiß: Im Koma hat sich die Verursacherin seines bemitleidenswerten Zustands (Cecilia Kunz) unsterblich in sein Herz gegraben. Ein unsäglicher Mix aus klebrig-sentimentalem Gefühlskitsch und unfreiwillig komischen Bonnie-und-Clyde-Allüren, der, von allerlei italienischen Schnulzen begleitet, zu einer immerhin überraschenden Lösung für sein vorprogrammiertes Happy End findet.

Der Voyeur

Reichlich mysteriös ging es schon in Roman Kuhns erstem Spielfilm „Die Schläfer“ zu, der sich ausgiebig an der herben Schönheit der britischen Kanalinsel Guernsey delektierte. Auch in seinem zweiten Thriller spielt die Location, wie es heute gern heißt, die größte Rolle. Seine erotische Entdeckung Claudia Mehnert jedenfalls darf sich praktisch ausschließlich ihrer Körpersprache bedienen, und so hat es Der Voyeur, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der sich in Abwesenheit eines „dubiosen“ Italieners in dessen „atemberaubend“ schöne Gattin verguckt, vor allem mit den seltsamen Gestalten in der „morbiden, geheimnisvollen Atmosphäre“ des Grand Hotel Locarno zu tun, einem durchgeknallten Ex-Agenten zum Beispiel, der völlig unmotiviert für Rabatz sorgt. Ein in Hochglanzbildern vorgeführter Pseudo-Thriller, der letztlich nur Langeweile verbreitet.

Weihnachtsfieber

Von Paul Harathers Weihnachtsfieber lässt man sich gerne anstecken. Der zweite Kinofilm des Regisseurs, ebenso wie dessen „Indien“-Debüt eine gelungene Mischung aus Off-Road-Movie und pointiertem Situationswitz, schweißt einen bestens aufgelegten Uwe Ochsenknecht und eine herrlich genervte Jahresendflügelpuppe (Barbara Auer) zu einer unfreiwilligen Fahrgemeinschaft zusammen, die im Zuge ihrer gemeinsamen Reise immer häufiger die Selbstkontrolle verlieren, dafür aber ein paar ganz einfache Einsichten in ihr Leben gewinnen. Hier prallen eine überzeugte Verächterin des Weihnachtsrummels und ein leidenschaftlicher Fan von Bischofsmützchen in einer liebenswert menschlichen, mitunter urkomischen Schrulle zusammen. Firma dankt.

Neuschnee

An Weihnachten kommt niemand vorbei. Auch nicht Léa („Dogma 5“-Actrice Elodie Bouchez) und Eric (Stéphane Rideau), zwei junge Franzosen, die sich in einer schmutzigen Welt zurechtfinden sollen, über die sich gerade – dem Anlass gemäß – Neuschnee und Nasenpulver verbreiten. Gaël Morels mal schrille, mal märchenhafte Amour fou von der diebischen Lesbe und dem einsamen Wachmann lockt mit viel typisch französischer (Kino-)Tristesse und schwelgt selbstverliebt in Neonbildern, ehe George Michael mit „Careless Whisper“ endgültig das Fest der Liebe einläutet. Sicherlich gut gemeinte, aber reichlich gekünstelte Pop-Ballade, die sich zudem als äußerst geschwätzig erweist: „Jungs reden mit Mädchen, weil sie mit ihnen schlafen wollen, und Mädchen schlafen mit Jungs, weil sie mit ihnen reden wollen“  …