Trennungsfieber

Nachdem sich ihre besten Freunde Liane und Toni das Jawort zum Ehebruch gaben, werden auch die seit 23 Jahren miteinander verheirateten Scheidungsanwälte Carla und Fritz mit einem grassierenden Willen zur Selbstverwirklichung infiziert. Für ein richtiges Trennungsfieber plätschert diese Komödie zwar ein bisschen zu belanglos daher, dafür sieht man hier mit Senta Berger und Günther Maria Halmer zwei Quotengaranten bei ihrer tapferen Arbeit, alle mögliche Banalität einer solchen Fernsehschmonzette erfolgreich zu überspielen.

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Verschwinde von hier

Jannas Freund Janosch macht sich gerne einmal aus dem Staub, zum Beispiel wenn sie gerade wieder einmal schwanger ist. In Verschwinde von hier erzählt Franziska Buch mit einem im deutschen Fernsehen seltenen Mut zu fiesen, aber vitalen Figuren am Rand der Gesellschaft eine proletarische Lebensgeschichte. Der eine oder andere Schlenker weniger wäre in diesem Drama um einen Jungen (Simon Glöcklhofer), der seinen in den Knast gewanderten, über alles geliebten Ziehvater partout nicht vergessen kann, zwar besser gewesen, doch auch so steht der Film als ungewöhnlich lebensnahe Darstellung eines Milieus da.

Ich kaufe mir einen Mann

Einen rabenschwarzen Hochzeitstag hat da Helen, Frau im besten Verzweiflungsalter, erwischt: Neben ihrem Job und der häuslichen Ordnung verliert sie überdies ihren Mann, der sich seines lästig gewordenen Ehegespons abrupt entledigt. Fortan schlägt sich Helen paralysiert durch eine Reihe absurder Konfrontationen, bis sich ihr Schicksal durch einen weiteren Schicksalsschlag bessert: Nach dem plötzlichen Tod ihres abtrünnigen Gatten steht sie mit einem Koffer voller Geld da. Ich kaufe mir einen Mann, von der Story her blitzsaubere Kolportage, als Inszenierung eine hitgeschwängerte Beziehungsdramödie, entfaltet einigen Situationswitz, und geht dank des einfühlsamen Spiels der Hauptdarstellerin Mariele Millowitsch überdies als die annehmbare Schilderung einer Emanzipation durch. Die Rolle des zu läuternden Callboys, der die Frauen glücklich macht, ist mit Schauspielerregisseur Gabriel Barylli allerdings ungleich weniger hochkarätig besetzt.

Ein fast perfektes Alibi

Auch Jupp Scholten (Günter Lamprecht) vermurkst sein Leben aus Liebe. Selten leuchtete ein scheint´s so unspektakulärer Charakter in so herrlichen Farben: Wie sich „Biberkopf“ Lamprecht in den Spießer Scholten verwandelt, Hausmeister unter der Knute der Gattin und schon seit 30 Jahren beim selben Bauunternehmen beschäftigt, das kann man schlicht nur beängstigend nennen. Ein fast perfektes Alibi nach dem Roman „Glatteis“ von Hans Werner Kettenbach, den sogar Jörg Fauser „für einen Glücksfall der erzählenden Literatur“ hielt, berichtet gleichfalls von einem durch einen Mordfall ausgelösten Prozess – hier allerdings eher von dem des humanitären Verfalls. Viel mehr sei über Michael Gutmanns superben, mit Hilde van Mieghem, Gottfried John und Elfriede Irrall in weiteren Rollen hervorragend besetzten Kleinbürger-Krimi gar nicht verraten, der hier wie bei seinem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichneten TV-Film „Nur für eine Nacht“ für Buch und Regie verantwortlich zeichnet.

Das Alibi

Was man nicht alles aus Liebe vermurkst: Die 16-jährige Hannah (Lena Lauzemis), nach einer misslungenen Geburtstagsparty zufällig Zeugin einer rabiaten Anbastelei mit tödlichen Folgen, deckt die schreckliche Bluttat, in die drei ihrer Mitschüler verwickelt sind und macht sich damit selbst schuldig. Mit diesem für ein Jugenddrama eher ungewöhnlichen Plot debütiert die in Berlin lebende Schriftstellerin Terèzia Mora als Fernseh-Drehbuchautorin. Das Alibi, von einem sehr jungen Ensemble und vor allem in der Hauptrolle durchaus überzeugend gespielt, entfaltet den spannenden Reifeprozess eines Mädchens, dass sich über die Motivation ihres Handelns selbst nicht bewusst ist und damit eine Serie weiterer Tragödien auslöst. Wirklich störend an diesem populistischen Lehrfilm sind nur die gelegentlich kunstgewerbliche Fotografie und die allzu bedeutungsschwangere Theatralik der Inszenierung, die krampfhaft Tiefe in einer moralisierenden Moritat vorgaukelt.

Todesflug

Zum Todesflug setzt dieser Thriller von Fred Breinersdorfer (Buch) und Peter Schulze-Rohr (Regie) an. Iris Berben mimt wieder einmal die gealterte Mondäne, die sich mit den Pillen aus dem Schminktäschchen zudröhnt, Gatte in spe und Geschäftsmann Jörg Schüttauf scharwenzelt mit der befreundeten Cellistin Floriane Daniel, und Rock-Ikone Bob Lenox als fast tauber Schatten seiner Legende sorgt für zusätzliches, misanthropisches Dunkel. Da einen jedoch keine dieser Figuren in diesem Quartett interessiert, folgt man nur widerwillig dem Geschehen, dessen Ausgang man von Anfang an kennt: Runter kommen sie alle, auch die, die ihre schmutzige Wäsche ausgerechnet im Privatflieger waschen …

Die Abzocker – Eine eiskalte Affäre

Gewiefte Überlebensstrategen sind Die Abzocker Maya und Tony. Eine eiskalte Affäre, eine deutsch-kanadische Koproduktion, rührt im Wesentlichen den üblichen Sex-&-Crime-&-Sonnenbrillen-TV-Quark, ist dafür aber überdurchschnittlich raffiniert konstruiert. Zumindest „Dallas“-Fans dürften diesem intriganten Thriller gespannt bis zum Ende folgen, wo es dann vollends albern wird, wenn der Möchtegern-Clyde Benjamin Sadler erwägt, seinen gepflegten Dreitagebart gegen einen bürgerlichen Beruf zu tauschen, beim Wachschutz zum Beispiel, um seine Liebe zu der überaus üppigen Bonnie-Epigonin Bobbie Phillips zu retten …