Das Mädchen aus der Fremde

Das bemerkenswerte Spielfilmdebüt von Miriam Stein schildert das bewegende Schicksal der kleinen Neda, die ein Flüchtlingstransport aus dem Kosovo in die Schweiz führt. Das Mädchen aus der Fremde findet in dem Chefarzt Robert Wagner (Christian Kohlund) einen verständnisvollen, vor allem aber engagierten Vertrauten, der sich gegen alle Widerstände für ihr Wohl einsetzt. Das von Regisseur Peter Reichenbach hoch emotional gestaltete, mitreißende Drama zwingt den Zuschauer förmlich dazu, sich in die Lage des verstörten Mädchens zu versetzen, das, traumatisiert von den Erlebnissen des Krieges, verzweifelt nach Halt sucht. Darüber hinaus gelingt es dem Drehbuch von Christa Capaul, praktisch alle relevanten Aspekte der Flüchtlingsproblematik zu thematisieren und die Verantwortung des Einzelnen über die der Behörden zu stellen.

Kleiner Mann sucht großes Herz

Gestatten, Tom Bergmann, Creativ Director der Werbeagentur Wagenfeld. Nicht immer ganz pünktlich, aber megaerfolgreich – und so was von sympathisch. Das gefällt jedem, auch der Erbin einer riesigen Supermarktkette, die dem feschen Kerl nicht nur einen bedeutenden Auftrag, sondern sich höchstselbst gleich mit anvertraut. Frau Freund indes erweist sich als gänzlich unfreundlich, als ihr neuer Vorzeigebubi nicht kuscht und sich trotz ihres einnehmenden Wesens auch noch mit einem dahergelaufenen Kind trifft. So einfältig wie ihr Titel ist die ganze Komödie Kleiner Mann sucht großes Herz, die in strikter Schwarzweiß-Zeichnung von bösen Machtmenschen und guten Freunden erzählt, die weder Job noch Geld noch Ansehen kümmern, wenn es gilt, einem kleinen unglücklichen Heimjungen Freude zu schenken. Die Mutter des Jungen ist natürlich eine Prostituierte, die sich den goldenen Schuss setzt, Johanna Christine Gehlen in der Rolle der snobistischen Geschäftsfrau hat bei J.R. Ewing gelernt, und der Grund, weshalb sich Werbefuzzi Mark Keller so emsig um den kleinen Sascha bemüht, lässt sich auch leicht erraten.

Warum sind denn alle netten Männer schwul?

Die Medizinstudentin Mala erwischt zunächst einmal ihren Freund in flagranti mit einer anderen im Bett, um sich dann einen weiteren, als mitfühlenden Homo getarnten Hetero-Hallodri in die Wohnung zu holen. Gegen den vorhersehbaren Plot der Beziehungsschmonzette Warum sind denn alle netten Männer schwul sind auch die beiden Hauptdarsteller Floriane Daniel und Marc Hosemann machtlos, doch wenigstens redlich bemüht, eine Reihe komödiantischer Akzente zu setzen. Ein fast schon sympathisch harmloser TV-Unterhalter.

Ich pfeif auf schöne Männer

Nur weil sie um ihre grenzenlose Unabhängigkeit fürchtet, pfeift die erfolgreiche Artdirektorin Linda Lano auf das Angebot ihres Partners, endlich in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen und den Bund der Ehe zu schließen. Was die Macher der Reihe „Lauter tolle Frauen“ mutig als „eine bissige Persiflage auf Lust und Last der Single-Gesellschaft“ bezeichnen, ist eine verschnarchte, vor Klischees nur so strotzende Bestseller-Verfilmung nach Tina Grube, die der bemitleidenswerten Jennifer Nitsch einmal den Satz Ich pfeif auf schöne Männer in den Mund legt, um sich anderthalb Stunden mit den Scheinproblemen der Schönen und Reichen zu befassen und zum Finale ein Happy End vor dem Altar zu suchen.

Der Schrei des Schmetterlings

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte präsentiert uns Frank Strecker mit seinem Melodram Der Schrei des Schmetterlings. Darin lernt der selbstmordgefährdete Misanthrop Pablo (Marek Harloff) ausgerechnet bei der an Leukämie erkrankten Paulina (Marie Zielcke) Trost, Nähe und Lebenslust kennen. Der mit viel HipHop-Musik und anderer Mucke trendy in Szene gesetzte Film krankt vor allem an einer allzu schemenhaften Zeichnung der Charaktere. Spätestens wenn die dramatische Knochenmarktransplantation gelungen ist und das junge Glück gemeinsam zur Love Parade nach Berlin fahren darf, möchte man ob so viel Leid in der Welt selbst in Tränen ausbrechen. Dietmar Schönherr gibt den wackeren Großvater und Knochenmarkspender mit Bart – und einzig Hannelore Elsner als die verzweifelte Mutter des geradezu unangenehm verhaltensgestörten Pablo vermag in diesem prätentiösen Teenager-Heuler darstellerisch Akzente zu setzen.

Heirate mir!

In Heirate mir! von Douglas Wolfsperger verknallt sich der schüchterne Eugen, der trotz seines fortgeschrittenen Alters noch immer unter der Knute seiner Mutter steht, unsterblich in die aus Polen stammende Goschka, die er bei einer illegalen Brautschau kennen gelernt hat. Eine ganze Reihe skurriler Figuren bevölkert diesen zwischen romantischer Love-Story und grotesk-makaberer Ausstattungskomödie pendelnden Ulk, der seinen humoristischen Höhepunkt in einer Heimwerker-Notoperation des geliebten Kaninchens von Eugen findet. Ingrid van Bergen in der Rolle der dominierenden Mutter darf nach Herzenslust intrigieren, Totengräber Ulrich Noethen müht sich nach Kräften, keine Leichenmiene aufkommen zu lassen, und sogar die radebrechende Verona („Ich bin sprachenlos“) Feldbusch in ihrer ersten Hauptrolle enttäuscht nur als singendes Nachwuchstalent wirklich. Freunden hinterhältiger Kastrationen und anderer derb-dummer Gags sei dieser Film wärmstens ans Gemächt gelegt.

Der Bestseller

Der „Bulle von Tölz“ Ottfried Fischer ist die einzige wirklich komische Figur in einem ihm  auf den Leib geschriebenen Film, der sich über weite Strecken bemüht, das Niveau deutscher Humorproduktionen wieder auf Tiefststand zu bringen. Die Handlung: Eine wegen Schreibhemmung nach Gran Canaria verschickte Edelfeder kommt auf der sonnigen Insel einem echten Verbrechen auf die Spur. Sonnenklar, dass sich dabei die fiktiven Abenteuer seines Romanhelden namens Trüffelschwein und die realen Ereignisse gegenseitig befruchten, und Der Bestseller wie Quellwasser aus seinem Schreibwerkzeug fließt. Als Krimi vollkommen untauglich, birgt diese überaus lahme Komödie nur eine Erkenntnis: dass sich die Komik des Stoikers Fischer („Ein Meer ist mehr, als das, was ich da seh. Was ich da seh, ist ein See.“) in einem Heer der Strunzdummen besonders gut macht.