Die Bubi-Scholz-Story

Dieser Mann will nach oben – und er schafft es. Auf der Sonnenseite des Lebens angelangt, befällt den Frauenschwarm vom Prenzlberg jedoch ein gehöriger Schatten. Bis zum Umfallen feiert er seinen Triumph und präsentiert sich auf zahllosen Promi-Parties als Erfinder des Cocktails „Rum-Reichen“. „Das ist Dostojewski“, bringt Götz George George die tragische Geschichte des Idols der Nachkriegszeit Gustav Scholz auf den Punkt. Dennoch wollte er die Rolle des alternden „Bubi“ ursprünglich nicht übernehmen – sie war ihm, wie der Berliner sagen würde – zu spack. Gut, dass ihn Regisseur Roland Suso Richter doch noch überreden konnte. Denn wie der Handwerker George sich diese Rolle erarbeitet hat, ist allemal knorke. Zum Beispiel, wie er wie ein wilder Stier und voll bis an die Kiemen die Leinwand mit Schlägen traktiert, um den Fight seines Lebens, den längst verlorenen Weltmeisterschaftskampf im Halbschwergewicht gegen Harold Johnson anno 1962, nachträglich doch noch für sich zu entscheiden. Oder wie er im Knast als „Opa Scholz“ beweist, dass er noch längst nicht zu alt ist, einen Möchtegern-Schulz (aus Frankfurt/Oder?) auf die Bretter zu schicken. Da nämlich ist der Herausforderer neese. Und das deutsche Fernsehen um eine mustergültige Produktion reicher.

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Schlange auf dem Altar

Der Evangelik Färber fällt fast aus dem Bett, als ausgerechnet der Gebetsruf des Muezzins seinen Schlaf jäh beendet. Kaum zu glauben, was so eine Mini-Moschee aus Plastik für einen Lärm machen kann. Die ihm anvertrauten Schäfchen jedenfalls stehen wie vom Donner gerührt vor der Gotteshaustür, trauen ihren Ohren nicht und spähen hilfeheischend gen Himmel. Das fängt ja gut an.

Wie schon in „Geiselfahrt ins Paradies“ mimt Armin Rohde auch in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Hans-Erich Viet den Geprellten. Gab er in der Gaunerkomödie jedoch einen schmierigen Schurken, der eher durch Zufall um sein sauer Geklautes gebracht wird, hat er sich hier zum allzu gefühlsduseligen Gottesvertreter gewandelt, der es seiner eigenen Leichtgläubigkeit zuschreiben muss, dass er zum Hilfspastor degradiert wird – und das in Hamburgs Schanzenviertel, wo Sodom und Gomorrha Koks verticken und kleine Mädchen auf die Straße schicken. Doch Färber nimmt die Zwangsversetzung an – und somit auch die Herausforderung, in einem von Grund auf verrufenen Stadtteil gegen den Untergang des Abendlands anzukämpfen.

Zunächst lässt sich alles sehr gut an für den sympathischen Färber, der endlich neuen Schwung in die verstaubte Kanzlei bringt. Die erste Predigt sitzt, der schwule Kantor staunt, und die weibliche Klientel ist Feuer und Flamme – bis zu dem Tag, da die Nigerianerin Mambele bei ihm um Kirchenasyl bittet und mit ihr eine drei Meter lange Python, eingangs erwähnter Muslimenwecker und allerlei erotische Spannungen in das Haus Gottes einziehen …

Doch so reich die Schlange auf dem Altar an Verwicklungen, skurrilen Einfällen und komischen Zuspitzungen ist, eine Gratwanderung zwischen Liebesromanze, Kiezkirchengroteske und Asylantendrama vermag auch sie nicht zu leisten. Drehbuchautor Georg Heinzen konnte sich offenbar ebenso wenig entscheiden wie die beiden Hauptfiguren Färber/Mambele zum Ende des Films, wohin die Reise gehen soll. Der irrige Glaube allerdings, Unterhaltung entstehe dadurch, dass überhaupt nichts mehr ernst genommen wird, ist fast schon wieder so menschlich wie das Heldengespann, dem man wirklich gern dabei zuschaut, wie es zum Beispiel um den richtigen Sound auf der Landstraße streitet und den Boss aus dem Cabrio feuert (nieder mit Bruce Springsteen!).

Obwohl es dem Film an einer bündigen Einheit mangelt und man bisweilen auch mit seltsam altmodisch anmutenden Gute-Laune-Szenen wie dem Schwoof in der Kirche konfrontiert wird – der Gesamteindruck bleibt positiv. Und die Fans von Viet, der nebenbei wieder einmal fleißig Kaurismäki zitiert (Gemeindepastor Reinhardt pflegt über der Lektüre von „Lucky Luke“ einzuschlafen), haben ihre Mini-Moschee ohnehin schon auf den Sendetermin programmiert.