Himmelreich auf Erden

Auch Robert Rutzmoser (Frederic Welter), 18, verunglückt mit seinem Wagen und muss fortan als echter Bekloppter seinen Platz in einem geistig behinderten Niederbayern finden. Auf der Suche nach dem Himmelreich auf Erden begegnet er der jungen Neuropsychologin Julie Stiller (Christiane Paul), in die er sich selbstredend verguckt. Torsten C. Fischer ist ein ungewöhnlicher, facettenreicher Film zwischen satirischer Heimatkomödie und engagiertem Liebesdrama gelungen.

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Schleudertrauma

„If I haven’t got an accident, I wouldn’t be here“ (John Giorno): In einem TV-Drama von Johannes Fabrick erleidet Tim Bergmann ein Schleudertrauma, nachdem er einen Autounfall mit tödlichen Folgen gebaut hat. Unter der etwas streng konstruierten Oberfläche – die Familie seiner verstorbenen Frau klagt ihn wegen fahrlässiger Tötung an, um das Sorgerecht für seinen sechsjährigen Sohn zu erstreiten – gibt es für den Zuschauer einen mitunter tief schürfenden Film voller interessanter Figurenentwicklungen zu entdecken.

Liebling, bring die Hühner ins Bett!

Familie Teuffel zieht aufs Land, aus der hektischen Großstadt Berlin in das beschauliche Krummenwalde. Mutti, die die ganze Bagage ernährt, bekommt einen neuen Job, die jüngste Tochter einen Hund, die ältere einen Apfel und eine Tafel Schokolade, weil sie pausenlos schmollt, der Sohn fährt ein Huhn platt, und Vati, der ganz tolle Sachbücher schreibt, plumpst von der Leiter und bekommt einen Hahn. Natürlich passiert in Matthias Tiefenbachers flott dahinplätschernder Komödie Liebling, bring die Hühner ins Bett! noch viel mehr, aber man soll ja auch nicht immer gleich alles verraten. Nur so viel vielleicht: Barbara Rudnik und Axel Milberg als die erziehungsberechtigten Teuffel geben ein eingespieltes Gespann ab und der Nachwuchsmime Ludwig Blochberger sieht Leonardo DiCaprio ähnlich. Eine weitere belanglose, sentimentale Familienkomödie, irgendwo zwischen „Liebling, ich muss auf Geschäftsreise“ und „Liebling, vergiss die Socken nicht“.

Pommery und Putenbrust

In einem plötzlichen Anfall von unerklärlicher Nächstenliebe lädt sich Luise die ganze bucklige Verwandtschaft ins Haus, um Weihnachten endlich wieder einmal im Kreise ihrer Familie zu verbringen. Gatte Gideon, ganz generöser Galan, willigt zähneknirschend in die Festtagspläne seiner Frau ein, und so trudeln sie auch schon bald in die gute Stube: Bruder Frieder, ein Mann fürs Praktische, samt Anhang, Schwester Jasmin mit ihrer schlechteren Hälfte, und schließlich möchte auch noch die existenzialistische Mutter vom Busbahnhof abgeholt werden. Bis zu diesem Punkt verfolgt man Manfred Stelzers Situationskomödie Pommery und Putenbrust in schadenfroher Erwartung – und wird von einer Reihe pointierter Attacken auf menschliche Macken und so prächtigen Darstellern wie Armin Rohde oder Katharina Thalbach belohnt. Dann allerdings flacht der Film im Gegensatz zu Jasmins Brüsten stark ab und spart auch nicht mit überflüssigen sentimentalen Momenten. Ein Film, in dem als letzter Darsteller ein Hund eingeführt wird, kann nur von der guten alten Oma ZDF produziert sein.

Napoleon

Es ist eine Binsenweisheit, dass die Geschichte so genannter großer Männer größtenteils von Herren in Zwergengestalt geschrieben wurde, und es ist ebenso hinlänglich bekannt, dass pompös angekündigte Fernsehmehrteiler nur in den seltensten Fällen von einem entsprechenden künstlerischen Wert sind. Darin macht auch der neueste Versuch, das Leben von Napoleon Bonaparte für eine historische Abenteuerschmonzette zu nutzen, leider keine Ausnahme. Christian Clavier in der Hauptrolle und eine ganze Riege internationaler Stars wie Isabella Rosellini, Gérard Depardieu oder John Malkovich haben ihre unzweifelhaften Begabungen für einen sündhaft aufwändigen Ausstattungsfilm hergegeben, der – zumindest nach Ansicht des ersten Teils – vollkommen unkritisch eine erotische Eroberung des französischen Feldherren an die andere reiht, um sich nebenher am klug organisierten Verrecken hübsch uniformierter Jecken zu erfreuen. Endlich einmal Kaiser in Frankreich!

Der Anwalt und sein Gast

Christian Weller rennt. Wirft den Kopf zur Seite, schließt die Augen, rennt und rennt blind ins Verderben. Doch wer ist dieser Christian Weller? Eines Tages paukt der erfolgsverwöhnte Anwalt und Familienvater, ein Mann, der größten Wert auf ein selbstbewusstes und bestimmtes Auftreten legt, den vermeintlichen Frauenmörder Frank Karmann aus der Untersuchungshaft frei. Ein weiteres Lorbeerblatt für eine beachtliche Karriere, die neugierig von einer jungen Frau von der Presse beäugt wird. Oder gilt ihr Interesse doch ihm? Und was, zum Teufel, treibt dieser Karmann plötzlich in seinem Leben – als ungebetener Hausfreund seiner scheinbar durchgedrehten Familie? Mit Der Anwalt und sein Gast ist Jörg v. Schlebrügge (Buch) und Torsten C. Fischer (Regie) ein fesselnder Psychothriller gelungen, in dem sich Heino Ferch als Weller und „Der Totmacher“ Götz George als der schlitzohrige Karmann ein intelligent und subtil gestaltetes Duell zwischen zwei Männern liefern, die vom Schicksal nicht gleichermaßen begünstigt wurden.

Geht nicht gibt’s nicht

Das kostet, das Leben. Miete, Handy, die hypermoderne Hi-Fi-Anlage – als die 18-jährige Conny (Bernadette Heerwagen) den Automechaniker Mike (Sebastian Ströbel) kennen lernt, kann sie zwar endlich der Bevormundung und dem Gedränge der elterlichen Wohnung entfliehen, ihre übertriebene Bereitschaft allerdings, die Konjunktur anzukurbeln, treibt sie in den Ruin. Auch mit ihrem neuen Film Geht nicht gibt‘s nicht begibt sich die Nachwuchsautorin Britta Stöckle in die Welt der so genannten kleinen Leute, unbekannten Wesen, die anscheinend stinknormale Sorgen und Nöte haben. Diesen frisch vom Bandscheibenschaden des Vaters weg inszenierten, zwischen Lovestory und Schuldendrama oszillierenden TV-Film möchte man wegen seiner Besetzung zur Ansicht empfehlen, sein aufdringliches Bemühen um Authentizität und seine schulmeisterliche Didaktik hingegen stören beträchtlich. Spätestens wenn sich das inzwischen zerstrittene Paar zufällig auf dem Hospitalflur wieder begegnet – sie im Kind- und er im Krankenbett –, ist dieser Film wieder in der heilen Welt der ZDF-Abendunterhaltung angekommen.