Pfarrer Braun – Der siebte Tempel

Große Volksschauspieler brauchen große Aufgaben. Weil Ottfried Fischer aber das größere kriminologische Schwergewicht als Heinz Rühmann ist, hat er von ihm nicht nur den Namen und die Leidenschaft für den Beruf des Detektivs geerbt, sondern sogar die Verantwortung für eine sage und schreibe 26 katholische Seelen zählende Gemeinde auf Nordersand übernommen. Pfarrer Braun, von Bischof Hemmelrath (Hans-Michael Rehberg) auf die idyllische Nordseeinsel strafversetzt, löst in den nächsten Wochen gleich zwei knifflige Fälle: In Der siebte Tempel entlarvt er die Mörder einer vermögenden Witwe und macht sie von der Kanzel weg dingfest; in Das Skelett in den Dünen kommt er einer verwegenen Doppelidentität auf die Spur. Zwei ganz auf die gewichtige Erscheinung des „Dreifaltigkeits-Derricks“ maßgeschneiderte, augenzwinkernde Krimikomödien, für die Autor Wolfgang Limmer so hübsche Soutanen-Sottisen wie „Du (Gott) bist der größte“ ersann.

Für immer verloren

Was bringt uns das „große SAT.1-Event“ in diesem Frühjahr? Einen heißen Gassenhauer wie „Opernball“? Eine weitere Schicksalsmelodie im Stile von „Vera Brühne“? Oder doch nur das Remake von „Liebe darf alles“? Alles weit gefehlt und trotzdem getroffen: In seinem neuesten TV-Zweiteiler schickt der Berliner Sender eine bemitleidenswert ungepflegte Veronica Ferres in eine deftige Kolportagegeschichte um eine Frau, die vom türkischen Zoll wegen Drogenschmuggels hopsgenommen wird. Ist die dreifache Mutti Sabine nun Für immer verloren und muss sich in Zukunft von Kakerlaken ernähren? Wie kommen die Kinder daheim mit der Trennung zurecht? Und wie der Papa – mit der Waschmaschine? Dieser unter der Regie von Uwe Janson entstandene Film durchläuft konsequent alle Genres vom Gefängnisfilm (auf dem Niveau von „Hinter Gittern“) über das Familien- bis zum Eifersuchtsdrama; zum Schluss fühlt man sich gar an „Der Tunnel“ erinnert. Eine haarsträubende Mischung, die nicht nur einmal unfreiwillig für Heiterkeit sorgt.

Novaks Ultimatum

Für seine politische Überzeugung geht ein Medientycoon über Leichen, Beispiele dafür gibt es reichlich. In einem neuen SAT.1-Thriller ist dem Verleger Hildebrandt (Hanns Zischler) ein Berliner Staatsanwalt im Weg, der ihn bei seinen braunen Geschäften empfindlich stört. Ein erstes Attentat misslingt, ein südamerikanischer Killer wird eingeflogen. Davon hat allerdings auch die Polente schon Wind gekriegt und setzt einen bereits vor längerem aus dem Dienst geschiedenen V-Mann an dessen Stelle. Novaks Ultimatum präsentiert eine immerhin sorgfältig gearbeitete und auch psychologisch einigermaßen glaubhafte, intrigante Spannungsgeschichte, in der Mark Keller in der Rolle des Novak ausreichend Gelegenheit hat, seinen ausgesprochen männlichen Außenseiter-Charme auch bei der Damenwelt gewinnbringend einzusetzen. Was allerdings weder ihm noch der Damenwelt in der Gestalt der Verlegertochter etwas nützt. Ein beflissen rechtschaffener Streifen, der in eine gewaltsame Auflösung von antiker Dimension mündet.