Mörderische Elite

Man ahnte es bereits: Dunkle Gestalten halten die Fäden dieser Welt in der Hand und züchten an Vorzeige-Unis die Monster der Zukunft heran. Das muss auch die junge Stipendiatin und hochbegabte Computerexpertin Jenny erfahren, die, geblendet vom schönen Schein des Luxus, den ultimativen Code-Knacker für den Stiftungsvorsitzenden eines Geheimbundes entwickelt. Der junge Regisseur Florian Baxmeyer, zuvor durch eine Oscar-Nominierung für seinen Diplomfilm „Die rote Jacke“ aufgefallen, mischt in seinem Spielfilmdebüt Mörderische Elite einen wüsten Groschenroman mit der sympathischen Liebesgeschichte zweier Außenseiter, die sich wie Bruder und Schwester sind und deshalb wie Königskinder umschleichen. Mina Tander in der Rolle der Jenny und Niels Bruno Schmidt in der Rolle ihres besten Freundes Cengiz setzen erfreuliche Akzente in diesem ansonsten total verkorksten Thriller, der einen ausdrucksstarken Mimen wie Ulrich Noethen als Karikatur eines Finsterlings einsetzt.

Nachtangst

Von furchtbaren Alpträumen gequält, leidet die junge Medizinstudentin Anna Sonnenberg (Marie Zielcke) unter einem gefährlichen Schlafdefizit – mehrfach droht sie in einen Sekundenschlaf mit möglicherweise fatalen Folgen zu fallen. Ihre Nachtangst wollen drei ehrgeizige Kommilitonen lindern, die einer sensationellen Entdeckung auf dem Gebiet der Schlafforschung auf der Spur sind und versuchen, bei einem ominösen Pharmakonzern den ganz großen Reibach zu machen. Wie schon mit seinem Organspende-Thriller „Der Runner“, ebenfalls ein Produkt aus dem Hause PRO 7, liefert Michael Rowitz auch hier einen Film auf ästhetisch hohem Niveau ab, der sich hinter seiner schicken Schale als vollkommen hohl erweist. Anstatt sich wirklich auf das Sujet Schlafentzug zu verlassen, bombardiert er den Zuschauer mit unmotiviert aus der Trickkiste des Spannungsfilms gegriffenen optischen Reizen, die ob ihres beliebigen Einsatzes auch nicht die offensichtlich angestrebte Suggestivkraft erzielen.

K3 – Kripo Hamburg: Porzellan

Tot im Boot – dieser Tag ist für den Sportlehrer Wolfgang Kranach gelaufen. Nahezu mit jedem seiner Kollegen war der beliebte Pädagoge befreundet, und in dessen engstem Umfeld kann man es erst recht nicht begreifen, wie es zu dieser schrecklichen Bluttat kommen konnte. Auch der zweite Fall von K3 – Kripo Hamburg: Porzellan ist einem klassischen Whodunit auf der Spur und führt in familiäre und zwischenmenschliche Abgründe in einer Hamburger Vorstadt-Idylle, wo sich gleich zwei angeheiratete Verwandte des Ermordeten um die attraktive Witwe Kranach balgen. Wiederum von Friedemann Fromm nach einem Buch von Peter Petersen inszeniert, ist ein virtuos fotografierter und spannender Kriminalfilm entstanden, in dem die neckischen Kabbeleien zwischen den vier Kommissaren etwas sparsamer ausfallen als im ersten Teil – „Auf dünnem Eis“ hatte im letzten August Premiere und war in diesem Jahr für einen Grimme-Preis nominiert.

Der Boxer und die Friseuse

Als der junge Profiboxer Mirco kurz vor seinem ersten Kampf seinen Promoter (Tilo Prückner) umhaut, verspielt er den letzten Kredit bei seinem Lebensgefährten Fränki, der sich die ganze Zeit rührend um ihn gekümmert hat – und das, obwohl er seit seiner Haftentlassung den Frauen nachsteigt und behauptet, er sei „nur knastschwul“. In der Liebeskomödie Der Boxer und die Friseuse, mit der Hermine Huntgeburth und Drehbuchautor Eckhard Theophil („Männerpension“) einmal mehr ihren köstlichen Sinn für Humor beweisen, haben Ulrich Noethen und Hinnerk Schönemann zwei wunderbare Charaktere geschaffen. Hier trifft ein breitbeiniger Kraftprotz und Einfaltspinsel, der trotzig versucht, seinen eigenen Weg zu gehen, und dabei überall aneckt, auf einen romantischen Feingeist von Starfriseur, bei dem aber auch schon mal die Sicherungen durchbrennen. Paradeschwule wie bei Michael „Bully“ Herbig sucht man in dieser Komödie glücklicherweise vergeblich.

Liebe in der Warteschleife

Jeden lieben Tag Hirschgeweihe ausfahren, ist auch nicht jedermanns Sache. Liebe in der Warteschleife greift noch einmal die Grundidee der großartigen Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ auf und lässt den Kurierdienst-Fahrer Thomas (Johannes Brandrup) jeden Morgen pünktlich um halb sieben an ein und demselben Montag aufwachen. Bis die Zeit endlich ein Einsehen mit dem Ehe-und-Eigenheim-untauglichen Spätzünder hat und gnädigerweise den Dienstag einläutet, muss Thomas mehrfach vergeblich versuchen, seine Freundin Susanne (Julia Stinshoff) für sich zurückzugewinnen; wieder andere der ewig gleichen Montage nutzt er für ausgiebige Einkaufsbummel, für ausgedehnte Motorradfahrten oder zum Billard-Training mit seinem Freund Frank (sehenswert wie immer: Andreas Schmidt). Von einigen wenigen gelungenen Sequenzen abgesehen, sondert Dennis Satins gefälliger Unterhalter einen trivialen Joke nach dem anderen ab und reitet damit den eigentlich unkaputtbaren Plot seines Vorbilds zu Tode.

Drechslers zweite Chance

Bei Sebastian Drechsler (Dietmar Bär) läuft schon seit Jahren immer dieselbe Platte. Tagsüber lehrt der Abschleppunternehmer die Falschparker von Dortmund das Fürchten, abends trifft er sich mit seinem Ex-Kollegen Budde (Joachim Król) in der Kneipe. Erst als ein kleiner Junge quasi vom Himmel in seinen 20-Tonner fällt und mit ihm die Dänin Iben (Sofie Lassen-Kahlke) in sein organisiertes Einsiedlerdasein tritt, kommen ein paar Dinge bei dem bärbeißigen Ex-Polizisten ins Rollen. Drechslers zweite Chance präsentiert sich als eher misslungene Mischung aus Buddy- und Liebeskomödie, die sich nur schleppend von Szene zu Szene müht und gleich der radebrechenden Dänin keine klare Sprache entwickelt. Hier wetteifern trockene Ruhrgebiets-Rhetorik und Knallchargen-Komik mit ein paar ernsten Momenten, die Einblicke in eine glücklichere Vergangenheit des ständig übelgelaunten Bandscheiben-Patienten Drechsler erlauben. Unter dem Strich kein Goldener Bär für den sympathischen Wahlberliner Dietmar.