Grüße aus Kaschmir (2004)

Gerade erst dem langweiligen Leben auf dem Land entronnen, schwebt die junge Tonassistentin Lisa (Bernadette Heerwagen) im siebenten Himmel, als sie in einer Münchener Disco den Ingenieur und Kaschmiren Sharif (René Ifrah) kennen lernt. Gleich nach der ersten gemeinsamen Liebesnacht schwanger, macht sie ferner Bekanntschaft mit der Weltanschauung des Orientalen und dessen fürchterlicher Familiengeschichte. Nach einem Drehbuch von Harald Göckeritz entstanden, erreichen die Grüße aus Kaschmir den Zuschauer zu gleichen Teilen als emotionale Liebesgeschichte und politischer Thriller. Ein gewagter Spagat, der eigentlich noch nie zu einem wirklich gelungenen Ergebnis geführt hat. Einerseits gelingt es Regisseur Miguel Alexandre vorzüglich, die inneren Konflikte seiner beiden Hauptfiguren herauszuarbeiten, andererseits wirkt die Thematik Terrorismus dann doch aufgesetzt in einem Film, der zuvor Momente höchsten Liebesglücks zu süßlich tröpfelnden Melodien beschwor. Das SAT.1-Remake „Im Bett mit einem Taliban“ scheint unausweichlich.

Crazy Race 2 (2004)

„Manta, Manta“, „Go, Trabi, Go“, die Blechlawine der Hochgeschwindigkeitskomödien reißt nicht ab. Auch Crazy Race 2 rollt auf der Überholspur daher und deckt nebenher auf, „warum die Mauer wirklich fiel“. Im Wesentlichen aber verfährt Regisseur Christoph Schrewe hier nach der einfachen Devise, dass weniger nichts und mehr mehr ist und karrt dabei ein schier unglaubliches Personal zusammen. An der Seite der 18-jährigen Jenny (Wolke Hegenbarth), die im Herbst 1989 der Liebe zuliebe in die DDR rübermacht und dadurch ein heilloses Chaos anrichtet, agieren hier so gestandene Mimen wie Wichart von Roell in der klassischen Rolle des Opa Klimbim, Ingrid Steeger nimmt die Verfolgungsjagd mit erweiterter Knautschzone auf, Daniel Küblböck baut – wie passend – als Fahrschüler Mist, Otto Waalkes gibt sich als Arbeiter-und-Bauern-Wissenschaftler schizophren und der mumifizierte Roberto Blanco nimmt es mit Humor. Unser Kommentar: Schenkel, Schenkel, klopf, klopf.

Mörderische Suche (2004)

Es ist schon ein Kreuz mit den Männern. Nie kann man ihnen wirklich vertrauen, und schon gar nicht dem eigenen Gatten. Als Katharina Benedek ihren Mann Richard, einen höheren Beamten der EU, in Prag besucht, möchte sie ihm eigentlich eine frohe Botschaft überbringen und anschließend eine gemeinsame Reise mit ihm nach Barcelona antreten. Schon in der ersten Nacht allerdings erwischt sie ihn mit einem Callgirl an der Hotelbar, und kurz darauf ist er sogar gänzlich aus ihrem Bett und von der Bildfläche verschwunden. Ann-Kathrin Kramer spielt die Hauptrolle in diesem TV-Aufguss von Roman Polanskis „Frantic“, in dem sich die Filmbösewichte wie Abziehbilder aus einem billigen Schundheft benehmen. Gehen Sie mit ihr auf die Mörderische Suche nach auch nur einer einzigen originären Idee dieses Thrillers von Johannes Grieser, und staunen Sie, wie ihn selbst so vorzügliche Darsteller wie Christoph Waltz und Jörg Schüttauf nicht um einen Deut aufwerten können.

Mr. und Mrs. Right (2004)

Das Gute kann so nah sein, doch davon ahnen die beiden Münchener Mittdreißiger Louise und Felix nichts. Maria Furtwängler als flirtfreudige Cateringunternehmerin und Matthias Brandt als phlegmatischer Wirtschaftsjournalist frotzeln sich in diesem Liebesfilm mit stark komödiantischem Einschlag nach Herzenslust an, begreifen aber erst viel zu spät, dass sie eigentlich Mr. und Mrs. Right sind. Die Folge: beide verlieben sich jeweils in einen anderen Partner und realisieren erst dann, wie wichtig ihnen ihre Zuneigung zueinander ist. Zum Ende rückt Torsten C. Fischers heiterer Reigen nach einem Drehbuch von Hans-G. Raeth und Sathyan Ramish zwar leider bedrohlich in die Nähe des Kitsches, bis dahin allerdings bietet er weitgehend intelligente und oft auch überraschend einfallsreiche TV-Unterhaltung. In weiteren tragenden Rollen sind Marie Lou Sellem als beziehungsgeschädigte Träumerin und Udo Wachtveitl als reuiger Tausendsassa zu sehen.

Der Staatsanwalt – Henkersmahlzeit (2005)

Absolut verständlich, dass es Rainer Hunold nach 140 Folgen von „Dr. Sommerfeld – Neues vom Bülowbogen“ in eine gewichtigere Rolle drängt – immerhin startete der Mann einmal seine Fernsehkarriere mit TV-Serien-Klassikern wie „Der eiserne Gustav“ oder „Ein Mann will nach oben“. Der Staatsanwalt – Henkersmahlzeit präsentiert ihn uns in der Rolle eines jovialen Staatsdieners, der nach zehn Jahren in seine Heimatstadt Wiesbaden zurückkehrt, um sich dort mit einer Serie mysteriöser Morchelmorde herumzuschlagen. Als Kriminalfilm schlicht indiskutabel, interessieren an diesem offensichtlich als Pilotfilm für eine mögliche Reihe gedachten, von Peter F. Bringmann routiniert inszenierten Film vor allem die Figurenkonstellationen. Marcus Mittermeier weiß durch sein lebendiges Spiel als Kommissar und Sohn des Staatsanwaltes zu gefallen, und auch Fiona Coors als die schwangere Kollegin, die zwischen den beiden Streithähnen vermittelt, vermag ein paar positive Akzente zu setzen.

Die Bullenbraut (2005)

Brutal: Der windige Enthüllungsjournalist Gessner (Michael Brandner) wird in Hamburg von einem Unbekannten über den Haufen geschossen. Fatal: Die Polizei verfolgt die unschuldige Jennifer (Idil Üner) und nimmt sie trotz dürftiger Beweislage fest. Egal: Die Kölner Taxifahrerin Paula Dohm (Gaby Köster) drückt auf die Tube und nimmt den Fall in die eigenen Hände. Unterstützt durch einen schlauen Wirt, einen tumben Kollegen und einen vorlauten Dreikäsehoch kann sie schließlich das Rätsel um den wahren Schuldigen mit weiblicher Intuition lösen. Wem ein paar rasante Verfolgungsjagden, eine simple, aber trotzdem bis zum Ende undurchsichtige Story und eine kesse Schnodderschnauze für eine Krimikomödie genügen, dem könnte dieser immerhin flott und unbekümmert auf den Leib der Kabarettistin inszenierte Unterhalter gefallen. Wird Die Bullenbraut ein Erfolg, werden wir die wahrscheinlich dümmste Praline der Welt schon bald wieder hinter ihrem Steuer erleben.

Der Mann von nebenan lebt! (2005)

Was leichte Schläge auf den Hinterkopf doch so alles bewirken. Nachdem die ehemalige Leistungssportlerin Kate (Lisa Martinek) den psychopathischen Kleingeist Willi Mattuschek (Axel Milberg) gemeinsam mit drei Nachbarinnen in einem Waldweiher versenkte, ist aus dem gewaltbereiten Frührentner ein handzahmer Bekloppter geworden, der noch nicht einmal mehr seinen Namen weiß. Was Kate und ihre Komplizinnen, die praktizierende Hexe Malise (Andrea Sawatzki) und die nassforsche Inge (Barbara Magdalena Ahren) nicht wissen: Der Mann von nebenan lebt! Als Kate ihren einstigen Peiniger in einem vorbeifahrenden Fahrzeug entdeckt und sich auch partout keine Leiche im Wasser mehr findet, wiederholt sich für Kate ein schrecklicher Alptraum. Frei nach einer Romanvorlage von Amelie Fried entstanden, überzeugt die Fortsetzung von „Der Mann von nebenan“ (2002) durch die Spiellaune des sich keineswegs immer einigen, vermeintlichen Mördertrios und eine gehörige Portion anarchischen Witzes.