Daniel Käfer – Die Villen der Frau Hürsch

Weil Intelligenz im Verlagswesen nicht mehr gefragt ist, findet der freigestellte Chefredakteur Daniel Käfer die Muße, frühe Kindheitserinnerungen aufzufrischen und Die Villen der Frau Hürsch zu inspizieren. Mit seinem erfrischend unspektakulären, leisen und klugen Film schließt Regisseur Julian Roman Pölsler nahtlos an seine vier „Polt“-Krimis an und lässt wiederum eine Romanfigur von Alfred Komarek durch eine herrliche Landschaft spazieren. Im Steirischen Salzkammergut stößt Käfer, glänzend dargestellt durch Peter Simonischek, auf verschlossene und verschrobene Gestalten, aber auch auf offenherzige Menschen wie den jungen Peter, der ihm fortan als persönlicher Fremdenführer dient. Anstatt allerdings die mysteriösen Todesumstände seiner Urgroßtante Mizzi aufzuklären, schlittert er beinahe in eine erotische Affäre mit der jungen Wirtstochter Anna (Bernadette Heerwagen) – typisch für einen, der in einem himmelblauen 2CV mit Atomkraft-nein-danke-Aufkleber durchs Ausseerland fährt.

Ein Geschenk des Himmels

Damit ihr kleiner Sohn Tim wieder einen Vater bekommt, ist die fromme Witwe Susanna Samel sogar bereit, den schüchternen Peter Pfefferle aus der schwäbischen Pietistengemeinde vor den Traualtar zu führen – ein Mann mit der Ausstrahlung eines Nudelholzes. Vorher allerdings müsste sie noch ihren neuen Untermieter „Johnny John“ Martin loswerden, einen lebensfrohen, aber hoch verschuldeten Anwalt aus Frankfurt, der Rechte auf das Haus seiner verstorbenen Mutter geltend macht, in dem Susanna wohnt. Ein Geschenk des Himmels ist eine von Olaf Kreinsen souverän inszenierte romantische Komödie, mit der sich der „Lindenstraßen“-Autor Marcus Hertneck für höhere Aufgaben empfiehlt. Ganz wunderbar jedenfalls funktioniert der lakonische Humor dieses Films, etwa wenn die gottesgläubige Susanna (Suzan Anbeh) an der Currywurstbude das Tischgebet spricht. Die Rolle des charmanten Frauenhelden spielt Walter Sittler, Moritz Basilico debütiert in der Rolle des aufgeweckten Jungen Tim.

Träum weiter, Julia

Bei Timo ist die Kacke ganz schön am dampfen. Mit einem Bein im Knast, versucht er seine gurkenmaskengepflegte Haut mit einem waghalsigen Sprung in die Alster zu retten, landet dann aber doch wieder mit einer Hamburger Deern im Gebüsch. Der Laiendarsteller Timo Jacobs wird den einen oder anderen an Christian Ulmen als „Mein neuer Freund“ erinnern, vielleicht auch an Marius Müller-Westernhagen als „Theo gegen den Rest der Welt“. Auf alle Fälle ist hier ein absolut authentischer Typ mit Seltenheitswert im deutschen Film zu erleben. Natürlich auch ein Verdienst des „Königs von Schwabing“ Klaus Lemke, der nach einer Reihe weniger produktiver Jahre seinen Weg jenseits ausgetretener Pfade unbeirrt weitergeht. Mit Träum weiter, Julia hat er eine schelmisch-charmante Sommerkomödie geschaffen, und auch sein zweiter neuer Film „3 Minuten Heroes“, ein Episodenfilm über das Hamburger Rotlichtmilieu, hat unbedingt größere Beachtung verdient.

Mörder in Weiß – Der Tod lauert im OP

Das geht an die Nieren: Als die junge Ärztin Hanna Reischl beinahe den Tod eines Patienten verursacht, wird sie zwangsversetzt und arbeitet fortan in der Pathologie einer Kölner Klinik. Gleich an ihrem ersten Arbeitstag liegt ihr ehemaliger Freund Michael Körber tot auf der Bahre, der sie tags zuvor noch mopsfidel nervte. Als sie dann auch noch einer anderen Patientin mit einer frischen Operationsnarbe im Bauchbereich begegnet, die mit mysteriösen Medikamenten vollgestopft wurde, verhärtet sich ihr Verdacht, dass es in der so genannten Sozialstation der Klinik nicht mit rechten Dingen zugeht. 1979 schuf Rainer Erler mit „Fleisch“ einen seinerzeit Aufsehen erregenden Organspende-Thriller, dessen Grundidee Mörder in Weiß – Der Tod lauert im OP nun noch einmal gnadenlos ausschlachtet. Ein ziemlich flaches Epigonen-Produkt und kein Meilenstein in der Karriere der talentierten Hauptdarstellerin Theresa Hübchen, die der Sache auf eigene Faust nachzugehen versucht.

Polizeiruf 110 – Vergewaltigt

Kaum reicht man jemandem den kleinen Finger, schon nimmt er die ganze Hand. Auf einem Dorffest lernt die junge Claudia (Anna Maria Mühe) den glücklosen Bauunternehmer Frank Göber (Harald Schrott) kennen, sie tanzt, sie amüsiert sich, sie streitet mit ihrem Freund (Hinnerk Schönemann). Auf dem Heimweg wird sie von Göber in einem Waldstück Vergewaltigt, kann aber immerhin flüchten, ehe sich auch noch sein tumber Komplize Alex Kohler (Sven Pippig) an ihr vergeht. Eine neue Folge des altehrwürdigen Polizeiruf 110, der nicht nur die erschreckende Banalisierung eines Verbrechens als Kavaliersdelikt anprangert, sondern auch ein beziehungsreiches Geflecht von Gewalt und Gegengewalt in einem Landstrich Brandenburgs entwirft. Bis in die Nebenrollen famos besetzt, überzeugen hier vor allem das nuancierte Drehbuch von Stefan Kolditz und das energische Auftreten von Hauptkommissarin Johanna Herz (Imogen Kogge), die auch in dieser Folge schier an der Menschheit verzweifelt.

Ein ganz normales Paar

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr – meint ein Sprichwort. Im Falle der Innenarchitektin Kathi (Floriane Daniel) und des Bänkers Alex (Steffen Wink) ist aber alles anders. Obwohl sie die – O-Ton – „beste Schwiegermutter der Welt“ (haha) und eine schicke Altbauwohnung mit jeder Menge Platz für den Nachwuchs haben, nützt auch das jahrelange „fleißige Üben“ (hoho) nichts – die beiden bekommen einfach nicht das sehnlichst erwartete Kind. Abhilfe schafft erst die In-vitro-Fertilisation, die in deutschen TV-Filmen derzeit mega en vogue ist. Kathi erwartet endlich ein Kind und – unheilschwanger dräut die Musik – verliert es gleich wieder. Woraufhin allesamt die Nerven verlieren, die Schwiegermutter inklusive. Zartbesaiteten Gemütern sei noch verraten, dass Ein ganz normales Paar dann doch noch auf ein Happy End zusteuert, obwohl Kathis beste Freundin Johanna (Jule Gartzke) mittlerweile von Alex geschwängert wurde. Und das ist dann schon wieder so schön, dass es blöd ist.