Der Vater meiner Schwester

Nach außen hin nimmt der 19-jährige angehende Koch Paul das Leben leicht, auch als seine Mutter Karola bei ihrem neuen Lebenspartner Michael einziehen will, zuckt er nicht mit der Wimper. Als ihm Karola allerdings gesteht, dass sein tot geglaubter und zum Helden stilisierter Vater Klaus nicht wie jahrelang behauptet in Indien ums Leben gekommen ist, sondern quasi um die Ecke mit Frau und Tochter lebt, bahnt sich ein veritables Familiendrama an. Als Klaus seinen Sohn bei einem ersten Treffen abkanzelt, findet Paul einen Weg, sich bei seiner Halbschwester Susa und Klaus’ Frau Annette lieb Kind zu machen, und seinen Vater, der seine Existenz leugnet, in Bedrängnis zu bringen. Der Vater meiner Schwester von Christoph Stark überzeugt vor allem durch seine einfallsreich und lebensnah gestaltete Story und ein sehr gutes Darstellerensemble: Ludwig Blochberger als Paul und Christian Berkel als sein Vater Klaus liefern eine Glanzvorstellung ab.

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Liebe auf den zweiten Blick

2002 traten „Die Rosenkrieger“ erstmals in Erscheinung – jetzt erwartet die beiden Scheidungsanwälte „ein neuer Fall“. Während Stefan Milloschinski in höchstem Maße daran interessiert ist, dass die auch für ihn lukrative Scheinehe zwischen einer Hunsrücker Schafzüchterin und einem Baden-Badener Industriellenspross alsbald wieder wie vereinbart gelöst wird, setzt sich Elvira Kupfer für die Herzensangelegenheiten der burschikosen Susanne Weber (Lisa Maria Potthoff) ein, die sich nun doch in Thomas Hahn (Marc Oliver Schulze) verguckt hat. Jutta Speidel gibt einmal mehr die energische, aufrechte, emanzipierte Frau, Gunter Berger den Widerpart des eitlen Fatzke. Als Gipfeltreffen beliebter TV-Schauspieler inszeniert, erreicht diese Mischung aus piefiger Screwballkomödie und moderner Aschenblödelei ihren erotischen Höhepunkt, wenn im Baden-Badener Spielcasino ein Jeton über 1000 Euro in Elviras Dekolleté verschwindet. Derlei weckt bestenfalls ein müdes Gähnen, keinesfalls Liebe auf den zweiten Blick.

Ich bin ein Berliner

Der Gauner Felix Rath ist in Nöten: Bei der Beerdigung seiner Mutter schnappt sich ein geprellter Kunde die Urne und verlangt ein saftiges Lösegeld. Die Erbschaft bringt auch nicht viel ein: nur ein Fotoalbum und ein paar alte Briefe. Die allerdings stammen von John F. Kennedy und bringen Felix und seinen alten Kumpel Dietrich auf eine Idee. In Ich bin ein Berliner präsentiert sich Thomas Heinze der staunenden Öffentlichkeit als unehelicher Spross des ehemaligen amerikanischen Präsidenten. Optisch zwar die ideale Besetzung, klingt bei ihm leider jede Formulierung wie vom Blatt abgelesen, während Michael Gwisdek als der Antiquitätenhändler Dietrich sein komödiantisches Talent voll ausspielt; in weiteren Rollen agieren Sophie von Kessel und Renate Blume. Wer sich an der haarsträubenden Geschichte nicht stört, kann hier eine über weite Strecken unterhaltsame Gauner- und Liebeskomödie mit einer ganzen Reihe wirklich charmanter Einfälle entdecken – angesiedelt irgendwo zwischen „JFK“ und „Schtonk!“.

Die Leibwächterin

Eigentlich regelt die ehrgeizige EU-Politikerin Johanna Sieber ihre Angelegenheiten lieber allein, doch als sie kurz vor einer wichtigen Rede von einem Unbekannten tätlich angegriffen wird, kommen ihr Die Leibwächterin Mona und ihr umsichtiges Eingreifen doch sehr gelegen. Eine erste Annäherung zwischen zwei starken Frauen, denen alsbald weitere folgen, denn ein mysteriöser Erpresser zwingt Mona, Informationen über die engagierte Politikerin weiterzugeben. Nach einem Buch des versierten Krimiautoren Harald Göckeritz hat Markus Imboden einen spannenden Politthriller inszeniert, an dem vor allem die vielen gebrochenen Charaktere interessieren. Barbara Rudnik spielt Johanna und glänzt als leidenschaftliche Verführerin, Ulrike Folkerts spielt Mona und geht ganz in der Rolle einer selbstbewussten Frau auf, die sich nicht zum ersten Mal in ihrem Leben in die Enge getrieben sieht.

Crazy Partners

Vorsicht, hier wird scharf geschossen! Zum einen mit verbalen Injurien wie „Ey, die leg ich so flach, dass die bei euch unter der Tür durchpasst“, zum anderen mit allerlei Geschützen, Panzerfaust inklusive. Von ihren Vorgesetzten vom Dienst suspendiert, gehen der Berliner Drei-Tage-Bart-Polizist Kozack (Steffen Groth) und die nicht minder schlagfertige BKA-Ermittlerin Mia von Weitersdorf (Mareike Fell) auf Tuchfühlung und Verbrecherjagd. Kozack, der pausenlos den starken Max markiert, kriegt dabei einiges in die vorlaute Fresse, Mia von Weitersdorf hält mit dem Ellenbogen dagegen. Wie es weitergeht in der als Comic angelegten, geistig tiefer gelegten Actionkomödie Crazy Partners, darüber schweigen wir wie ein Massengrab. Nur soviel: Die von zwei Studenten ersonnene ­– O-Ton ­– „Kokain-Legierung Grüner Teufel“ muss eindeutig gefährlicher als Berliner Weiße mit Schuss sein.

Der Mörder meines Vaters

Schon seit Jahren lebt der 17-jährige Julian (Marco Bretscher-Coschignano) zusammen mit seiner Mutter Clara (Barbara Auer) zurückgezogen in einem Haus an der Ostsee. Aufgrund einer Phobie ist er nicht in der Lage, das Grundstück zu verlassen, sein nahezu einziger Kontakt zur Außenwelt ist seine Freundin Vanessa (Anna Brüggemann). Als Clara eines Tages bei einem Autounfall verletzt wird und sie der ortsfremde Architekt Phillip Koch (Herbert Knaup) nach Hause begleitet, steht für den eifersüchtigen und krankhaft am Rockzipfel seiner Mutter klebenden jungen Mann fest: Das ist Der Mörder meines Vaters. Dieser wenig überzeugende Psychothriller in der Tradition des Film noir krankt vor allem an einem nur holzschnittartig gezeichneten Figurenensemble und einem sichtlich überforderten Jungdarsteller, den die Regie von Urs Egger ziemlich allein im rauen Wind Rügens stehen lässt.