Eine Liebe in Saigon

In „Der Fan“, einem ihrer ganz frühen Filme, präsentierte sich Désirée Nosbusch noch als männermordender Kannibale, als Ärztin einer internationalen Hilfsorganisation, die in Vietnam mit einer Häufung von Meningitis-Fällen kämpft, macht sie sich zumindest nicht verdächtig, unter dem Helfer-Syndrom zu leiden. Der TV-Zweiteiler Eine Liebe in Saigon, man ahnt es, erzählt eine melodramatische Liebesgeschichte vor exotischer Bilderbuchkulisse, die en passant Kriegsverbrechen und der Veruntreuung von Spendengeldern auf der Spur ist. Monica Bleibtreu als Pensionswirtin raucht leidenschaftlich Zigarre, Mehmet Kurtulus als Halbvietnamese und Minensucher spielt den rauen Burschen mit weichem Kern. Ein typisches Genre-Produkt, das trotz einiger Bemühungen, den Klischees zu entkommen, ein reichlich schiefes Bild von Vietnam zeichnet – die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen entstanden am Drehort Südafrika.

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Mathilde liebt

Die Kinder sind groß und aus dem Haus, der Mann ist tot, nun könnte auch Mathildes Leben zu Ende gehen. Doch weit gefehlt: Mathilde (Christiane Hörbiger) lernt in der Oper den Entwicklungshelfer Carlo (Michael Mendl) kennen, der sie nach einem leidenschaftlichen One-Night-Stand mit einer falschen Telefonnummer sitzen lässt, wenig später begegnet sie auf einer Radtour Hannes (Elmar Wepper), mit dem sie sich auf Anhieb versteht und eine Beziehung eingeht. Mathilde liebt überrascht zunächst als mutiger und fortschrittlicher Fernsehfilm, der tabuisierte Themen wie Liebe und Sexualität im Alter behandelt, enttäuscht aber auch, wenn er seine Erzählhandlung immer wieder auf Nebenschauplätze lenkt, etwa auf den Dialog zwischen der sexy Oma und der kleinen, verknallten Enkelin Mascha (Joana Fink-Mendl). Unter dem Strich bleibt ein konventioneller Unterhaltungsfilm für die ganze buckelige Familie.

Meine bezaubernde Nanny

Was soll man von zwei Blagen erwarten, die pausenlos ihren Gameboy traktieren oder im Internet chatten, weil man Freunde im wirklichen Leben „nicht ausschalten kann“? Nicht viel, und so muss Meine bezaubernde Nanny den missratenen Nachwuchs, der bisher noch jedes Kindermädchen erfolgreich vergrault hat, wieder auf den Teppich der Tatsachen bringen. Der freilich wird mit allerlei Schnickschnack inklusive fliegenden Schwertkämpfern und chinesischen Weisheiten gewebt, damit reizüberflutete Bälger die Chose zweifelsfrei als SAT.1-Fantasykomödie erkennen. Solange sich der Film von Christoph Schrewe noch über moderne Zivilisationskrankheiten mokiert, geht alles o.k., doch wenn Eva Hassmann als Zaubergestalt aus dem alten China vom Himmel herabschwebt, ist Staunen über grenzdebile Dialoge und ein haarsträubendes Finale angesagt, einzig geeignet für die TV-Krabbelgruppe.

Kaplan Leo

Aus Gram über zwei rot lackierte Gänse segnet Großmutter Dargatz das Zeitliche, und bald ist die ganze schrecklich nette Familie auf dem heimischen Bauernhof eingeflogen, um ein stattliches Erbe anzutreten. Dummerweise sieht das Testament nur den Pflichtteil für die Verwandten vor, den größeren Batzen soll der Kaplan Leo einstreichen, der mit der Eröffnung des Testaments betraut ist. Nach und nach lernt der Zuschauer die Geheimnisse der Familienmitglieder kennen, die sich untereinander nicht unbedingt grün aber einig darin sind, das Erbe nicht einfach so aus der Hand zu geben. Vivian Naefes schwarze Komödie steigert sich in einem virtuosen Crescendo zur makaberen Farce und überzeigt vor allem mit einem überragenden Ensemble – neben Matthias Brandt in der Titelrolle sind so famose Schauspieler wie Gisela Schneeberger oder Elmar Wepper zu sehen.

Finanzbeamte küsst man nicht

Das Hotel Auerwald, benannt nach der Besitzerin Adele Auerwald (abonniert auf schrullige Schabracken: Gisela Trowe) hat eindeutig bessere Zeiten gesehen. Die Gäste bleiben aus, das spärliche Personal verschweigt der Chefin die schwierige finanzielle Lage – und jetzt steht auch noch eine Steuerprüfung ins Haus! Finanzbeamte küsst man nicht hetzt den Steuerberater Stefan Ahrens und die Steuerprüferin Ulrike Stechlin aufeinander, die sich kurz zuvor auf einer Hochzeitsfeier begegnet sind und schließlich auch vor dem Altar landen werden. Heio von Stetten und Rebecca Immanuel klappern mächtig mit ihren Aktenkoffern in dieser anspruchslosen Was-sich-neckt-das-liebt-sich-Komödie, in der sogar so patente Darsteller wie Jürgen Tarrach oder Marie-Lou Sellem wie drittklassige Schmierenkomödianten agieren. Weil uns sonst nichts zu diesem Film einfällt: für die Ausstattung zeichnet Monika Nix.

Die Verlorenen

Regisseur Christian Görlitz nimmt sich in seinem neuesten Film Die Verlorenen einmal mehr den Opfern sexueller (und struktureller) Gewalt an und erzählt die Geschichte einer Frau, die früh von ihrer Tochter getrennt wird, später in den Bann eines religiösen Fanatikers gerät und beinahe zur Mörderin wird, ehe sie selbst von Mörderhand stirbt. Karoline Eichhorn spielt den zerrissenen Charakter der Krista mit einer faszinierenden Subtilität, die man in dem Film ansonsten schmerzlich vermisst. In Hauruckmanier inszeniert, vermischt das Drama die verschiedensten Genres, verhackstückt gleich drei verschiedene Erzählstränge und paart billige, die Spannung steigernde Thrillerelemente mit mediterraner Folklore. Ein romantischer Feuerschlucker rettet ihre Seele, aber nicht ihr Leben. 3 SAT zeigt am gleichen Tag um 23.00 Uhr Görlitz‘ ebenfalls misslungenen Psychokrimi „Das Böse“ um eine ganz ähnlich gelagerte Problematik.

Der zweite Blick

Jede Beziehung leidet darunter, wenn einer der Partner verpassten Chancen nachtrauert. Der zweite Blick, geschrieben von Niklas Becker und von Ariane Zeller inszeniert, führt zwei Ehepaare auf einer Nordseeinsel zusammen und wirbelt deren Leben dezent durcheinander. Folgt man dem in ruhigen Bildern erzählten Film um die Probleme einer langjährigen Partnerschaft und die Wiederentdeckung einer Jugendliebe anfangs noch gern, wenn sich Suzanne von Borsody als Linda mit frischem Mut einem neuen Lebensabschnitt stellt (die Kinder sind aus dem Haus), machen sich später gediegene Langeweile und auch Unmut breit, wenn erfahrene Schauspieler wie Guntbert Warns, Catrin Striebeck oder Michael Mendl andauernd druckreife Sätze aufsagen wie „Ich hätte gern einen Obstsalat für die Dame“. Trotz einiger gelungener Momente ein viel zu bemühter Liebesfilm, der einen nie emotional zu bewegen versteht.