Richard Sorge – Spion aus Leidenschaft

In Zeiten, da Japan seine Kriegsverbrechen in China am liebsten unter den Teppich kehren würde, mag dieser Film einen wichtigen Beitrag wider das Vergessen leisten. Das aber ist – nach Ansicht des ersten Teils der zweiteiligen deutsch-japanischen Koproduktion Richard Sorge – Spion aus Leidenschaft – auch schon das einzig Positive, was sich über die letzte Regiearbeit Masahiro Shinodas sagen lässt. Mit extrem großem Aufwand an Komparsen, hübschen Uniformen und Kostümen realisiert, überschreitet dieser bunte Bilderbogen von Agentenbiografie mehr als nur einmal die Grenze zur Lächerlichkeit. Einziger Aktivposten des ersten Teils ist Ulrich Mühe in der Rolle des Eugen Ott, der Richard Sorge (Iain Glen) als Militärattaché in der deutschen Botschaft Tokios die Mitgliedschaft in der NSDAP ermöglicht. Hier wurde ein spannendes Stück Weltgeschichte als gekünsteltes Kasperletheater mit Bildungsauftrag inszeniert.

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Der weiße Afrikaner

Spannende Geschichten, meint man, sollten in Südafrika auf der Straße liegen. Stattdessen erlebt man mit Martin Enlens zweiteiligem Abenteuerfilm Der weiße Afrikaner eine aufwändig ausgestattete Gold-gräber-Story, die nicht nur wegen der Mitwirkung eines fast blinden Löwen eher an „Daktari“ als an die großen Vorbilder des Genres erinnert. Tim Bergmann in der Rolle des jungen Geologen Hans Merensky, der als kleiner Junge seine Eltern auf dem Schwarzen Kontinent verlor, buddelt sich auf der Suche nach Edelmetall durch eine lachhafte Kolportage-geschichte, die neben ein paar komödiantischen Elementen und groteskem Kitsch (vom Pistolenduell bis zur Entführung der Braut ist alles dabei) vor allem eines bietet: abgrundtiefe Langeweile. Böte der an Originalschauplätzen gedrehte Film (Kamera: Philipp Timme) nicht eine ganze Reihe beeindruckender Landschaftsaufnahmen, wäre er überhaupt keiner Erwähnung wert.

Las Vegas

James Caan, ihr Einsatz: Das Wettgeschäft in Deutschland boomt wie verrückt, und auch die Wüstenmetropole Las Vegas hat ihre Umsatzeinbrüche nach dem 11. September längst kompensiert. Hilfreich dabei dürfte die Ausstrahlung der gleichnamigen Drama-Serie gewesen sein, in der Caan den alten Haudegen Ed Deline spielt, Chef der Sicherheitstruppe des Montecito Resort & Casino. Sein Protegé Danny McCoy (Josh Duhamel, vom „People’s Magazine“ unter den 50 schönsten Männern gelistet) schläft in der ersten Folge mit der falschen Frau, überführt einen Trickbetrüger und macht ansonsten Schleichwerbung für sein Blendax-Lächeln. Solange Männer von Bikini-Schönheiten und Frauen vom großen Glück träumen, wird es das glitzernde Zockerparadies und Serien wie diese geben, die alles hat, was eine Glamour-Serie braucht: einen echten und viele falsche Gaststars wie Paris Hilton, Mimi Rogers, Hugh M. Hefner & Co.

Dornröschen erwacht

Und aus die Maus: Als die Pianistin Juliane nach drei Jahren im Koma erwacht, glaubt ihre Tochter Antonia, sie hätte einen Selbstmordversuch unternommen, ihr Mann Stefan hat den Klavierbauerbetrieb ihres Vaters aufgegeben und das Haus verkauft, außerdem ist er mit ihrer ehemals besten Freundin, der Lehrerin Inga, zusammen. Dornröschen erwacht, der zweite abendfüllende Spielfilm von Elmar Fischer nach „Fremder Freund“, ist ein fesselnder Psychothriller, der ein klassisches Thema des Genres noch einmal neu erfindet. Ein bestechendes Ensemble (neben Nadja Uhl sind Misel Maticevic, Marie-Lou Sellem und Ulrich Tukur als behandelnder Psychologe in weiteren Hauptrollen zu sehen) und die ausgezeichnete Kameraarbeit des DffB-Absolventen Ngo the Chau erzeugen eine ganz eigene Stimmung von kalter Distanz und entwerfen das spannende Bild einer von verletzten Gefühlen dominierten Gemeinschaft.

Silberhochzeit

Alma und Ben sind seit einem Vierteljahrhundert ein Ehepaar und beschließen, diesen freudigen Anlass gemeinsam mit ihren Freunden zu feiern. Bei ausgesuchten Speisen und Getränken wird getratscht und gestichelt, bis sich die ganze Bagage als ein Haufen ausgemachter Arschlöcher und hoffnungsloser Egoisten erweist. Ausgehend von einer Kurzgeschichte von Elke Heidenreich, entwerfen Matti Geschonneck (Regie) und Daniel Nocke (Buch) in ihrem Kammerspiel Silberhochzeit ein Panoptikum der Eitelkeiten und Macken, die sich unter dem Einfluss hochprozentiger Drinks in boshaften Attacken entladen. Eigentlich ein spannendes Sujet, doch leider hält der Film schon das Stöbern in fremden Briefen für den Gipfel menschlicher Geschmacklosigkeiten und steuert vorhersehbar und trotz der prominenten Besetzung eher kraftlos auf die bezeichnend banale Schlussbemerkung „Glück ist Sonnenschein auf der Hoteltapete“ zu.

Dresden

Die feierliche Weihe der Dresdner Frauenkirche im letzten Jahr gehört zweifellos zu den kulturellen Höhepunkten des noch jungen Jahrtausends, der Event-Zweiteiler Dresden definitiv nicht. Durchgehend in Distanz schaffendes Sepia getaucht, handelt der zehn Millionen Euro teure Antikriegsfilm von Roland Suso Richter brav Themen wie Hunger, Vertreibung und Gewalt gegen Kollaborateure ab, um sich nach einem besonders zäh inszenierten ersten Teil allmählich dem flammenden Inferno vom Februar 1945 zu nähern. Die Krankenschwester Anna (Felicitas Woll) verliebt sich in den abgeschossenen britischen Bomberpiloten Robert (John Light), der im Gegensatz zu seinen Kameraden fließend deutsch spricht und deshalb, wie praktisch, auch nicht untertitelt werden muss. Einmal mehr verbrämt teamWorx einen bedeutenden historischen Stoff mit einem kitschigen Arztroman, Autor Stefan Kolditz entreißt ein paar Kapitulationswitze dem Vergessen.

Der Mann im Strom

Vom Arbeitsmarkt ausgespuckt, zieht der Bergungsinspektor Jan Hinrichs (Jan Fedder) mit seiner Familie von Wismar nach Hamburg, wo der allein erziehende Mittfünfziger aber auch keine Anstellung findet. Erst als er sich um zehn Jahre jünger macht, darf er beweisen, dass nur erfahrene Bergungstaucher können, was erfahrene Bergungstaucher können – und hat allerhand Trouble mit dem Freund seiner schwangeren Tochter, der auf die schiefe Bahn geraten ist. Der Mann im Strom nach dem gleichnamigen Roman von Siegfried Lenz, der dieser Tage seinen 80. Geburtstag feiert, erzählt eine konventionelle Verbrechen-lohnt-sich-nicht-Geschichte aus dem Hamburger Hafenmilieu, die auf Grund ihrer schulmeisterlichen Didaktik reichlich angestaubt wirkt. Umso nachdenklicher stimmt einen der Umstand, dass die sozialkritische Komponente des 1957 entstandenen Romans aktueller ist denn je.