Bangkok – Ein Mädchen verschwindet (1999)

In der Acht-Millionen-Hauptstadt Bangkok wird die Tochter eines deutschen Zollbeamten entführt, bei ihrer verzweifelten Suche geraten er und seine Frau erst an einen versoffenen Ex-BND-Mann und dann zwischen die Fronten Kung-Fu praktizierender Drogenhändler. Die deutsch-thailändische Koproduktion Bangkok – Ein Mädchen verschwindet von Thorsten Näter überzeugt vor allem durch ihre Liebe zum Detail und eine ungestüme Lust, tausenderlei bekannte Motive durcheinanderzuwirbeln und zu einem völlig neuen Gefüge zusammenzusetzen. Ein Unterfangen, dass auch dank seiner bestens gerüsteten Darsteller glückte – mit Ulrich Noethen, Bettina Kupfer und Axel Milberg in den Hauptrollen gelang der eindrucksvolle Beweis, dass man auch hierzulande mit dem Genre Thriller spielerisch umzugehen versteht, ohne dass Dramaturgie und Spannung darunter leiden.

Der geheime Zeuge (1999)

Strapaziös sind die Bemühungen der Rechtsgelehrten Jana Hallberg (Dennenesch Zoudé), sich in der strengen Kleiderordnung der Juristerei einzufügen. Leider erweist sich das Justizdrama Der geheime Zeuge eher als verhinderte Love-Story, in der nebenbei allerlei erhitzte Gemüter versuchen, ihr Schäfchen ins Trockene und die hübsche Äthiopierin zu Bett oder zu Fall zu bringen – ein von Peter Schulze-Rohr reichlich bieder inszeniertes „Fernsehvergnügen“ (Senderinfo SWR) für den TV-Schnellverzehr, überkonstruiert und längst nicht so geheimnisvoll, wie sein Titel verspricht.

Vorübergehend verstorben (1998)

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: Luise Rubato (Karoline Eichhorn) ist 30 (ein schönes Alter), Rechtsanwältin (ein schöner Beruf), Mutter eines Sohnes (auch was Schönes) – und sie macht abends gerne mal ganz schön einen los, auch wenn das den Zorn ihres Lebensabschnittsgefährten Harry (Veit Stübner) erregt. Luise Rubato ist schön, aber ledig (das ist nicht so schön), sexuell und überhaupt irgendwie unterfordert (das ist überhaupt nicht so schön), aber, wie schon angedeutet, sie zieht auch gerne mal was Schönes an, die Aufmerksamkeit des überaus schönen venezolanischen Geschäftsmanns Enrique Delacorte (Michael Reale) zum Beispiel, der wunderbare Dinge in ihr Ohr haucht, mit spanischem Akzent, Ssie värrstähän. Plötzlich darf die Hamburger Kleinkriminellenanwältin mit dem großen Geld hantieren und sich in Venedig auf seidenen Laken entspannen … Eine quälend lange Stunde weidet sich Sigi Rothemund in seinem neuesten Krimi an einer Liebesgeschichte, wie sie nicht dummdreister daher kommen könnte. In der letzten halben Stunde allerdings – die meisten Zuschauer dürften bereits ganz schön tief schlafen – macht er seinem bis dahin geradezu lächerlich trivialen Thriller Vorübergehend verstorben derart Feuer unter dem Hintern, dass es doch wieder schön ist. Das großartige Finale (gepeinigtes Dummchen erleichtert die Drogenmafia mal eben um 30 Millionen und linkt nicht nur die östliche, sondern auch die westliche Hemisphäre) entschädigt allemal für die zuvor zu überstehenden Torturen.

Die Handschrift des Mörders (1999)

In einem kleinen kleinen Dorf, wo jeder jeden vom Wegsehen kennt, findet der Dorfsheriff Eppe (Götz Schubert) eine sorgsam kahlrasierte Frauenleiche – ein Fall für die eilends aus der großen großen Stadt anreisende Polizistin Sophie (Dorothea Schenck), die Die Handschrift des Mörders auch schon bald entziffert zu haben glaubt. Langweilig? Denkste: So abgedroschen und einfach es klingt, zwei grundverschiedene Charaktere in einen Mordfall zu schicken, so sympathisch ist die Figur, die Hajo Gies (Regie) und Timo Berndt (Drehbuch) in den Mittelpunkt ihres gelungenen Genrefilms stellen. Ohne falsche Ambitionen, aber mit jener Lakonie ausgestattet, die einen gesunden Menschenverstand glaubwürdig macht, setzt sich der einfache Dörfler gegen die eingebildete Städterin durch. Da lässt man sich sogar noch einmal das überstrapazierte Serienkiller-Motiv gefallen.

Schande (1999)

Was eigentlich sollte im Zentrum des Interesses stehen, wenn ein Verbrechen geschieht? Das zumeist verborgene Leiden des Opfers? Oder die visuell reizvolle Oberfläche der Tat? Das Fernsehen hat diese Frage längst für sich beantwortet, wenn auch noch nicht endgültig. Noch eindringlicher und entschiedener als Bernd Schadewald in seinem Film „Angst“ führt Claudia Prietzel in Schande dem Zuschauer die Innenansicht und Gefühlswelt eines Mädchens vor Augen, das sexuell missbraucht wird – und sie trifft, wie möglicherweise kein anderer Film zu diesem Thema zuvor, den wesentlichen Kern des letztlich noch immer tabuisierten Phänomens Kindesmissbrauch. Nach „Kuppke“ und „Das vergessene Leben“ ist dies bereits die dritte herausragende Fernsehinszenierung der Regisseurin, in der sie nicht nur das nötige Feingespür für die heiklen Seiten des Sujets beweist, sondern auch Mut zur Konsequenz und das Geschick, die Ohnmacht und Verstörung der 12-jährigen Bénice (Stephanie Charlotta Koetz) nicht nur sichtbar, sondern spürbar zu machen. Ein Film, der zur Auseinandersetzung anregen will und wird.

Sweet Little Sixteen (1999)

Geradezu ärgerlich geriet der „erotische“ Thriller Sweet Little Sixteen, der erhebliche Mengen nackten Fleisches (u.a. von Cosma Shiva Hagen) auf unappetitlichste Weise zur Schau stellt.  Heikko Deutschmann – dies sei an dieser Stelle fieser Weise verraten – mimt einen manischen Lolitamörder, der als „Pate eines sibirischen Tigers“ offensichtlich vor nichts mehr zurückschreckt, und seine willigen, blutjungen Begleiterinnen am liebsten in Striptease-Clubs ausführt. Ein Film, den man dem sonst so geschätzten Regisseur Peter Patzak („Kottan ermittelt“)  nicht zugetraut hätte: Ungerührt reiht er ein Genreklischee an das nächste, lässt pausenlos pubertierende Girls neue Dates mit älteren Herren ausmachen (natürlich per Handy), die allesamt nach Babyspeck sabbern, und zwischendurch läuft ab und zu jemand ins Messer. Aua!

Gnadenlos 2 – Ausgeliefert und missbraucht (1999)

Kurzweilig immerhin – und nach dem frühzeitigen Ableben seiner dilettierenden Jungdarstellerinnen auch zunehmend packend gespielt – fiel die Fortsetzung des Rotlichtthrillers „Gnadenlos – zur Prostitution gezwungen“ aus, an dessen Ende der Mädchenhändler Jürgen Baluga (Leon Boden) seiner gerechten Strafe zugeführt wurde. Wieder aus der Haft entlassen, stellt er in Gnadenlos 2 – Ausgeliefert und missbraucht zu seinem sichtlichen Missfallen fest, dass sein Bruder Robert (Dieter Mann) die Geschäfte nicht gerade in seinem Sinn weitergeführt hat. Wieder nach einem Skript des alten Krimifuchses Herbert Reinecker entstanden, spitzt sich die anfangs etwas träge Story aus dem Berliner Sündenbabel zum Ende hin sehenswert zu, wenn die Grenzen zwischen Täter und Opfer verschwimmen und der ermittelnde Beamte Landau (Günther Maria Halmer) auf gewohnt gnadenlos gute Weise bittere Miene zum bösen Spiel macht.