Lautlose Schreie – Eine Frau in Gefahr

Die taubstumme Elvira Ranft wird im Büro ihres Chefs vergewaltigt. Da wir uns bei Lautlose Schreie – Eine Frau in Gefahr in der Gewöhnlichkeit des Fernsehalltags befinden – und damit in jener Welt, die sich stetig bemüht, jedweden Inhalt in einer beliebten, letztlich aber beliebigen, leichtverdaulichen Form zu verstauen, die man als „guter TV-Standard“ zu bezeichnen versucht ist –, lernen wir hier nur, was wir spätestens seit Hitchcocks „Ein Mann unter Verdacht“ schon erahnten: Der wirkliche Täter kommt immer erst später. Als Justizdrama zu dröge und als Krimi nur knapp über dem Durchschnitt vergleichbarer Produktionen, stellt dieser wenigstens psychologisch haltbare, bereits 1996 nach einem Drehbuch von Wolfgang Brenner entstandene Film nicht mehr als eine immerhin passable Möglichkeit dar, seine Zeit zu verschwenden.

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Lernen zu leben

Auch in Lernen zu leben spricht Mehdi Charef seine ganz eigene Sprache und erzählt, fernab von konventionellen dramaturgischen Kniffen der Glotze, auf bemerkenswert sichere Weise von einem äußerst subtilen Prozess: Erst durch den Kontakt mit einer jungen Psychologin (Cécile Bois) gewinnt eine Gruppe sogenannter schwer erziehbarer Schüler wieder das Vertrauen in sich und damit auch zu anderen. Dass er dabei einen auffallend leisen Ton anschlägt, mag zum Teil darin begründet sein, dass Charef hier ein Stück seiner Vergangenheit bloßlegt, vor allem aber wohl darin, dem Zuschauer die sich gelegentlich in Gewalt entladende Sprachlosigkeit seiner Protagonisten spürbar zu machen. Ein gelungener, nachdenklich stimmender Film, der einen nachhaltig dazu bewegt, den Schicksalsschlägen, die jeder durchs Leben schleppt, die angemessene Beachtung zu schenken.

Der Kopp

Der Kopp Dietmar Schönherr mutet reichlich altbacken an. Seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, ermittelt der nun als Ausbilder tätige, ehemalige Cop in einer als Schachkrimi getarnten Partie Altherrenskat, über deren Verlauf er am liebsten seinen Hund informiert. Auch inszenatorisch ohne zündende Ideen, vermögen hier allenfalls die Emma-Peel-Outfits von Alexandra Kamp zu begeistern.

Bangkok – Ein Mädchen verschwindet

In der Acht-Millionen-Hauptstadt Bangkok wird die Tochter eines deutschen Zollbeamten entführt, bei ihrer verzweifelten Suche geraten er und seine Frau erst an einen versoffenen Ex-BND-Mann und dann zwischen die Fronten Kung-Fu praktizierender Drogenhändler. Die deutsch-thailändische Koproduktion Bangkok – Ein Mädchen verschwindet von Thorsten Näter überzeugt vor allem durch ihre Liebe zum Detail und eine ungestüme Lust, tausenderlei bekannte Motive durcheinanderzuwirbeln und zu einem völlig neuen Gefüge zusammenzusetzen. Ein Unterfangen, dass auch dank seiner bestens gerüsteten Darsteller glückte – mit Ulrich Noethen, Bettina Kupfer und Axel Milberg in den Hauptrollen gelang der eindrucksvolle Beweis, dass man auch hierzulande mit dem Genre Thriller spielerisch umzugehen versteht, ohne dass Dramaturgie und Spannung darunter leiden.

Der geheime Zeuge

Strapaziös sind die Bemühungen der Rechtsgelehrten Jana Hallberg (Dennenesch Zoudé), sich in der strengen Kleiderordnung der Juristerei einzufügen. Leider erweist sich das Justizdrama Der geheime Zeuge eher als verhinderte Love-Story, in der nebenbei allerlei erhitzte Gemüter versuchen, ihr Schäfchen ins Trockene und die hübsche Äthiopierin zu Bett oder zu Fall zu bringen – ein von Peter Schulze-Rohr reichlich bieder inszeniertes „Fernsehvergnügen“ (Senderinfo SWR) für den TV-Schnellverzehr, überkonstruiert und längst nicht so geheimnisvoll, wie sein Titel verspricht.

Vorübergehend verstorben

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: Luise Rubato (Karoline Eichhorn) ist 30 (ein schönes Alter), Rechtsanwältin (ein schöner Beruf), Mutter eines Sohnes (auch was Schönes) – und sie macht abends gerne mal ganz schön einen los, auch wenn das den Zorn ihres Lebensabschnittsgefährten Harry (Veit Stübner) erregt. Luise Rubato ist schön, aber ledig (das ist nicht so schön), sexuell und überhaupt irgendwie unterfordert (das ist überhaupt nicht so schön), aber, wie schon angedeutet, sie zieht auch gerne mal was Schönes an, die Aufmerksamkeit des überaus schönen venezolanischen Geschäftsmanns Enrique Delacorte (Michael Reale) zum Beispiel, der wunderbare Dinge in ihr Ohr haucht, mit spanischem Akzent, Ssie värrstähän. Plötzlich darf die Hamburger Kleinkriminellenanwältin mit dem großen Geld hantieren und sich in Venedig auf seidenen Laken entspannen … Eine quälend lange Stunde weidet sich Sigi Rothemund in seinem neuesten Krimi an einer Liebesgeschichte, wie sie nicht dummdreister daher kommen könnte. In der letzten halben Stunde allerdings – die meisten Zuschauer dürften bereits ganz schön tief schlafen – macht er seinem bis dahin geradezu lächerlich trivialen Thriller Vorübergehend verstorben derart Feuer unter dem Hintern, dass es doch wieder schön ist. Das großartige Finale (gepeinigtes Dummchen erleichtert die Drogenmafia mal eben um 30 Millionen und linkt nicht nur die östliche, sondern auch die westliche Hemisphäre) entschädigt allemal für die zuvor zu überstehenden Torturen.

Die Handschrift des Mörders

In einem kleinen kleinen Dorf, wo jeder jeden vom Wegsehen kennt, findet der Dorfsheriff Eppe (Götz Schubert) eine sorgsam kahlrasierte Frauenleiche – ein Fall für die eilends aus der großen großen Stadt anreisende Polizistin Sophie (Dorothea Schenck), die Die Handschrift des Mörders auch schon bald entziffert zu haben glaubt. Langweilig? Denkste: So abgedroschen und einfach es klingt, zwei grundverschiedene Charaktere in einen Mordfall zu schicken, so sympathisch ist die Figur, die Hajo Gies (Regie) und Timo Berndt (Drehbuch) in den Mittelpunkt ihres gelungenen Genrefilms stellen. Ohne falsche Ambitionen, aber mit jener Lakonie ausgestattet, die einen gesunden Menschenverstand glaubwürdig macht, setzt sich der einfache Dörfler gegen die eingebildete Städterin durch. Da lässt man sich sogar noch einmal das überstrapazierte Serienkiller-Motiv gefallen.