Mörderjagd – Ein Frau schlägt zu

Ganz schön crazy muss der Serienkiller sein, der stets junge blonde Frauen vergewaltigt und enthauptet. Genau der richtige Fall für die schöne FBI-Agentin Pearson, die nach erfolgreicher Gehirnoperation mit dem Wissen eines der Opfer und allerlei Dessous bewaffnet auf Mörderjagd geht. Ausgehend von dieser wissenschaftlich bemerkenswerten Grundidee, liebt sich Nicollette Sheridan durch einen Thriller, der immerhin nicht so blutrünstig ist, wie er klingt, und für Menschen mit Jagdschein und Freunde der Klippschulen-Psychologie vermutlich nicht ohne Reiz ist: Eine Frau schlägt zu.

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Dumm gelaufen

Eigentlich hat diese Komödie alles, was für eine Empfehlung spricht: Einen Regisseur mit Beobachtungsgabe und dem nötigen Gespür für Situationen und Timing (Peter Timm), zwei famose Hauptdarsteller in glänzender Laune (Bernd Michael Lade als Landwirt und Christiane Paul als Prostituierte), eine ganze Schar von herrlich verrückten Nebenfiguren, die ganz und gar diesem real-irrwitzigen Kosmos Mutter Erde entspringen (großartig zum Beispiel Armin Rohde als Dorfpolizist oder Natja Brunckhorst als „Jäger zu Jagdwurst“-skandierende, militante Tierschützerin), und darüber hinaus jenen tiefschwarzen Humor, um den man hierzulande die Briten schon immer beneidet. Auch die Grundkonstellation, so einfach sie ist, hat sich in der Geschichte des Films bereits durchaus als komödientauglich erwiesen: Kapriziöse Großstadtnutte trifft stoische Jungfrau vom Lande – und beide haben noch eine Leiche im Koffer. Doch so oft man diesen Film vor Freude an sein Herz drücken möchte, so oft unterfordert er einen mit allzu vorhersehbaren Momenten und einer doch immer durchscheinenden, schlicht altbackenen Moral, die auf unangenehme Weise aufdringlich um Sympathie buhlt: Dumm gelaufen.

Der Andreotti-Prozess

In ihrer beeindruckenden Dokumentation Der Andreotti-Prozess rollen Maria-Rosa Bobbi und Michael Busse dreißig Jahre italienische Nachkriegsgeschichte auf. Mit Spannung erwartete man anno 1999 das Urteil in zwei aufsehenerregenden Prozessen gegen den „Paten von Palermo“ Giulio Andreotti. Während sich der ehemalige Ministerpräsident, angeklagt unter anderem als Auftraggeber für den Mord an einem Journalisten, in Ahnungslosigkeit zu hüllen versucht, zeigt dieser Film auf beängstigende Weise, wie sich das Schweigen auch in der Gegenwart fortsetzt: Der Machtmissbrauch der Herrschenden, von Leichen gepflastert, geht weiter und findet nur neue Formen des Ausdrucks.

Unterwegs als sicherer Ort

1942 als Sohn jüdisch-deutscher Emigranten in einem Ghetto geboren, unternahm der Kölner Schriftsteller Peter Finkelgruen 1996 eine Reise zu den wichtigsten Stationen seines Lebens: Shanghai, Prag, Haifa. Seinen präzisen Erinnerungen an die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten steht in Unterwegs als sicherer Ort die freundliche Gleichgültigkeit der besuchten Städte gegenüber, die das Grauen des Nazi-Terrors vergessen haben. Doch Peter Finkelgruen weiß: Man braucht nur zu graben. In seinem Buch „Haus Deutschland“, in dem er den Mord an seinem jüdischen Großvater in Theresienstadt schildert, hat er sich gefragt, was ein perfekter Mord ist. Seine Antwort: „Vielleicht der, von dem alle wissen, dessen Mörder alle kennen, zu dem aber alle schweigen.“

Ein Mutterherz läuft Amok

Tracy (Delta Burke) will ein Kind. Obwohl Tracy eigentlich alles hat – einen Mann, eine Villa am Stadtrand, gediegene Auslegeware… –, will Tracy ein Kind. Ein Kind! Ihr Kind!! Jetzt!!! Tracy geht ins Krankenhaus, um sich künstlich befruchten zu lassen. Soweit, so muttertierüblich. Doch alles kommt anders, denn Tracy hat Krebs, und die böse, böse Ärztin schneidet ihr da untenrum alles weg, nur weil der Herr Gatte glaubt, sein Jawort zur Operation sei gefragt! Alles weg, ratzekahl mitsamt dem Krebs, und ohne ihr etwas zu sagen!! Tracy schmollt!!! Die ganze schöne Auslegeware und das hübsche Mobiliar sind ihr schnuppe!!!! So ein Mutterherz, das lässt sich nicht mit schönen Worten trösten, Ein Mutterherz läuft Amok!!!!! Wer so wie Delta Burke offensichtlich, die bedrohlicher Weise auch als ausführende Produzentin genannt wird, Spaß an der Darstellung hemmungsloser Rachsucht findet, der wird mit dieser Mischung aus süßlichem Kitsch und knallhartem Trash bestens bedient sein – und sich nur über das Happy End ärgern.

Bittere Unschuld

Wenn man böswillig wäre, könnte man diesen Film von Dominik Graf zum Genre des Ausstattungsfilms zählen. Aus welchem Grund, fragt man sich, soll man wohlfrisierte Menschen anschauen, die in sonnendurchfluteten Villen am Stadtrand den verpatzten Chancen der Vergangenheit nachtrauern? Warum Menschen, die zu klassischen Klängen klassische Probleme wälzen, seine kostbare Zeit schenken, die man doch eigentlich viel besser damit zubringen könnte, sich am Stadtrand eine Villa zu suchen? Weil wir aber nicht böswillig sind und uns gerne Bittere Unschuld aufs Haupt streuen, räumen wir ein, dass die Story dieses Psychothrillers zwar im Grunde nicht von Belang ist, das Ganze aber so geschickt umgesetzt wurde, dass man dies beinahe nicht merkt. Wer Filme wie „Treffer“ oder „Die Katze“ nicht kennt, Arbeiten Grafs, die wirklich neue Impulse setzten, und aus irgendeinem Grund gerade keine Lust hat, sich um sein Luxusdomizil zu kümmern, der kann sich dieses Sommerlochfilmchen, das den Sinnen schmeichelt wie edelste Auslegeware, bedenkenlos reinziehen und sich schon auf so gediegene Darsteller wie Elmar Wepper oder Laura Tonke freuen.

Eisleute

Ob man es glaubt oder nicht, überall gibt es Probleme. Drängende Probleme, mit etwas weniger wichtigem würden wir uns gar nicht abgeben. In Deutschland zum Beispiel ist man, genau wie in Japan oder den USA, anscheinend nicht in der Lage, ein schmackhaftes Eis zuzubereiten. Oder woran sonst liegt es, dass man hierzulande, und das schon seit den 20er Jahren, pausenlos zum Italiener rennt? In der deutschen Wirtschaftswunderklamotte wie in den unzähligen Folgen des Schulmädchenreports – der virile südländische Eismann ist längst zum Synonym für zuvorkommende und freundliche Bedienung geworden. Tugenden, die auch Gabriele Soravia pflegt: Sogar der Schwarzwälder, sozusagen der Inbegriff von Nationalstolz und Wertarbeit, weiß den Fleiß und die Künste dieses fremdländischen Mannes zu schätzen. Künste, die er denn auch nicht vorführt: Nur in einem einzigen Moment, dann nämlich, als es um sein Berufsgeheimnis geht, verweigert sich der aus den Dolomiten stammende Gelatiere den Kameras der Dokumentaristen Hannelore Conradsen und Dieter Köster. Diese wiederum porträtieren die Eisleute auf selten umfangende Weise und werfen mit ihrem Film auch einen kritischen Blick auf die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme im modernen Europa.