Mörderjagd – Ein Frau schlägt zu (1997)

Ganz schön crazy muss der Serienkiller sein, der stets junge blonde Frauen vergewaltigt und enthauptet. Genau der richtige Fall für die schöne FBI-Agentin Pearson, die nach erfolgreicher Gehirnoperation mit dem Wissen eines der Opfer und allerlei Dessous bewaffnet auf Mörderjagd geht. Ausgehend von dieser wissenschaftlich bemerkenswerten Grundidee, liebt sich Nicollette Sheridan durch einen Thriller, der immerhin nicht so blutrünstig ist, wie er klingt, und für Menschen mit Jagdschein und Freunde der Klippschulen-Psychologie vermutlich nicht ohne Reiz ist: Eine Frau schlägt zu.

Dumm gelaufen (1997)

Eigentlich hat diese Komödie alles, was für eine Empfehlung spricht: Einen Regisseur mit Beobachtungsgabe und dem nötigen Gespür für Situationen und Timing (Peter Timm), zwei famose Hauptdarsteller in glänzender Laune (Bernd Michael Lade als Landwirt und Christiane Paul als Prostituierte), eine ganze Schar von herrlich verrückten Nebenfiguren, die ganz und gar diesem real-irrwitzigen Kosmos Mutter Erde entspringen (großartig zum Beispiel Armin Rohde als Dorfpolizist oder Natja Brunckhorst als „Jäger zu Jagdwurst“-skandierende, militante Tierschützerin), und darüber hinaus jenen tiefschwarzen Humor, um den man hierzulande die Briten schon immer beneidet. Auch die Grundkonstellation, so einfach sie ist, hat sich in der Geschichte des Films bereits durchaus als komödientauglich erwiesen: Kapriziöse Großstadtnutte trifft stoische Jungfrau vom Lande – und beide haben noch eine Leiche im Koffer. Doch so oft man diesen Film vor Freude an sein Herz drücken möchte, so oft unterfordert er einen mit allzu vorhersehbaren Momenten und einer doch immer durchscheinenden, schlicht altbackenen Moral, die auf unangenehme Weise aufdringlich um Sympathie buhlt: Dumm gelaufen.

Unterwegs als sicherer Ort (1997)

1942 als Sohn jüdisch-deutscher Emigranten in einem Ghetto geboren, unternahm der Kölner Schriftsteller Peter Finkelgruen 1996 eine Reise zu den wichtigsten Stationen seines Lebens: Shanghai, Prag, Haifa. Seinen präzisen Erinnerungen an die Zeit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten steht in Unterwegs als sicherer Ort die freundliche Gleichgültigkeit der besuchten Städte gegenüber, die das Grauen des Nazi-Terrors vergessen haben. Doch Peter Finkelgruen weiß: Man braucht nur zu graben. In seinem Buch „Haus Deutschland“, in dem er den Mord an seinem jüdischen Großvater in Theresienstadt schildert, hat er sich gefragt, was ein perfekter Mord ist. Seine Antwort: „Vielleicht der, von dem alle wissen, dessen Mörder alle kennen, zu dem aber alle schweigen.“

Ein Mutterherz läuft Amok (1996)

Tracy (Delta Burke) will ein Kind. Obwohl Tracy eigentlich alles hat – einen Mann, eine Villa am Stadtrand, gediegene Auslegeware… –, will Tracy ein Kind. Ein Kind! Ihr Kind!! Jetzt!!! Tracy geht ins Krankenhaus, um sich künstlich befruchten zu lassen. Soweit, so muttertierüblich. Doch alles kommt anders, denn Tracy hat Krebs, und die böse, böse Ärztin schneidet ihr da untenrum alles weg, nur weil der Herr Gatte glaubt, sein Jawort zur Operation sei gefragt! Alles weg, ratzekahl mitsamt dem Krebs, und ohne ihr etwas zu sagen!! Tracy schmollt!!! Die ganze schöne Auslegeware und das hübsche Mobiliar sind ihr schnuppe!!!! So ein Mutterherz, das lässt sich nicht mit schönen Worten trösten, Ein Mutterherz läuft Amok!!!!! Wer so wie Delta Burke offensichtlich, die bedrohlicher Weise auch als ausführende Produzentin genannt wird, Spaß an der Darstellung hemmungsloser Rachsucht findet, der wird mit dieser Mischung aus süßlichem Kitsch und knallhartem Trash bestens bedient sein – und sich nur über das Happy End ärgern.

Bittere Unschuld (1999)

Wenn man böswillig wäre, könnte man diesen Film von Dominik Graf zum Genre des Ausstattungsfilms zählen. Aus welchem Grund, fragt man sich, soll man wohlfrisierte Menschen anschauen, die in sonnendurchfluteten Villen am Stadtrand den verpatzten Chancen der Vergangenheit nachtrauern? Warum Menschen, die zu klassischen Klängen klassische Probleme wälzen, seine kostbare Zeit schenken, die man doch eigentlich viel besser damit zubringen könnte, sich am Stadtrand eine Villa zu suchen? Weil wir aber nicht böswillig sind und uns gerne Bittere Unschuld aufs Haupt streuen, räumen wir ein, dass die Story dieses Psychothrillers zwar im Grunde nicht von Belang ist, das Ganze aber so geschickt umgesetzt wurde, dass man dies beinahe nicht merkt. Wer Filme wie „Treffer“ oder „Die Katze“ nicht kennt, Arbeiten Grafs, die wirklich neue Impulse setzten, und aus irgendeinem Grund gerade keine Lust hat, sich um sein Luxusdomizil zu kümmern, der kann sich dieses Sommerlochfilmchen, das den Sinnen schmeichelt wie edelste Auslegeware, bedenkenlos reinziehen und sich schon auf so gediegene Darsteller wie Elmar Wepper oder Laura Tonke freuen.

Lernen zu leben (1999)

Auch in Lernen zu leben spricht Mehdi Charef seine ganz eigene Sprache und erzählt, fernab von konventionellen dramaturgischen Kniffen der Glotze, auf bemerkenswert sichere Weise von einem äußerst subtilen Prozess: Erst durch den Kontakt mit einer jungen Psychologin (Cécile Bois) gewinnt eine Gruppe sogenannter schwer erziehbarer Schüler wieder das Vertrauen in sich und damit auch zu anderen. Dass er dabei einen auffallend leisen Ton anschlägt, mag zum Teil darin begründet sein, dass Charef hier ein Stück seiner Vergangenheit bloßlegt, vor allem aber wohl darin, dem Zuschauer die sich gelegentlich in Gewalt entladende Sprachlosigkeit seiner Protagonisten spürbar zu machen. Ein gelungener, nachdenklich stimmender Film, der einen nachhaltig dazu bewegt, den Schicksalsschlägen, die jeder durchs Leben schleppt, die angemessene Beachtung zu schenken.

Der Kopp (1999)

Der Kopp Dietmar Schönherr mutet reichlich altbacken an. Seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt, ermittelt der nun als Ausbilder tätige, ehemalige Cop in einer als Schachkrimi getarnten Partie Altherrenskat, über deren Verlauf er am liebsten seinen Hund informiert. Auch inszenatorisch ohne zündende Ideen, vermögen hier allenfalls die Emma-Peel-Outfits von Alexandra Kamp zu begeistern.

Bangkok – Ein Mädchen verschwindet (1999)

In der Acht-Millionen-Hauptstadt Bangkok wird die Tochter eines deutschen Zollbeamten entführt, bei ihrer verzweifelten Suche geraten er und seine Frau erst an einen versoffenen Ex-BND-Mann und dann zwischen die Fronten Kung-Fu praktizierender Drogenhändler. Die deutsch-thailändische Koproduktion Bangkok – Ein Mädchen verschwindet von Thorsten Näter überzeugt vor allem durch ihre Liebe zum Detail und eine ungestüme Lust, tausenderlei bekannte Motive durcheinanderzuwirbeln und zu einem völlig neuen Gefüge zusammenzusetzen. Ein Unterfangen, dass auch dank seiner bestens gerüsteten Darsteller glückte – mit Ulrich Noethen, Bettina Kupfer und Axel Milberg in den Hauptrollen gelang der eindrucksvolle Beweis, dass man auch hierzulande mit dem Genre Thriller spielerisch umzugehen versteht, ohne dass Dramaturgie und Spannung darunter leiden.

Der geheime Zeuge (1999)

Strapaziös sind die Bemühungen der Rechtsgelehrten Jana Hallberg (Dennenesch Zoudé), sich in der strengen Kleiderordnung der Juristerei einzufügen. Leider erweist sich das Justizdrama Der geheime Zeuge eher als verhinderte Love-Story, in der nebenbei allerlei erhitzte Gemüter versuchen, ihr Schäfchen ins Trockene und die hübsche Äthiopierin zu Bett oder zu Fall zu bringen – ein von Peter Schulze-Rohr reichlich bieder inszeniertes „Fernsehvergnügen“ (Senderinfo SWR) für den TV-Schnellverzehr, überkonstruiert und längst nicht so geheimnisvoll, wie sein Titel verspricht.

Vorübergehend verstorben (1998)

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: Luise Rubato (Karoline Eichhorn) ist 30 (ein schönes Alter), Rechtsanwältin (ein schöner Beruf), Mutter eines Sohnes (auch was Schönes) – und sie macht abends gerne mal ganz schön einen los, auch wenn das den Zorn ihres Lebensabschnittsgefährten Harry (Veit Stübner) erregt. Luise Rubato ist schön, aber ledig (das ist nicht so schön), sexuell und überhaupt irgendwie unterfordert (das ist überhaupt nicht so schön), aber, wie schon angedeutet, sie zieht auch gerne mal was Schönes an, die Aufmerksamkeit des überaus schönen venezolanischen Geschäftsmanns Enrique Delacorte (Michael Reale) zum Beispiel, der wunderbare Dinge in ihr Ohr haucht, mit spanischem Akzent, Ssie värrstähän. Plötzlich darf die Hamburger Kleinkriminellenanwältin mit dem großen Geld hantieren und sich in Venedig auf seidenen Laken entspannen … Eine quälend lange Stunde weidet sich Sigi Rothemund in seinem neuesten Krimi an einer Liebesgeschichte, wie sie nicht dummdreister daher kommen könnte. In der letzten halben Stunde allerdings – die meisten Zuschauer dürften bereits ganz schön tief schlafen – macht er seinem bis dahin geradezu lächerlich trivialen Thriller Vorübergehend verstorben derart Feuer unter dem Hintern, dass es doch wieder schön ist. Das großartige Finale (gepeinigtes Dummchen erleichtert die Drogenmafia mal eben um 30 Millionen und linkt nicht nur die östliche, sondern auch die westliche Hemisphäre) entschädigt allemal für die zuvor zu überstehenden Torturen.