Feindesland – Lebenslänglich IRA

Auf dem Boden der irischen Tatsachen lernen wir in Feindesland – Lebenslänglich IRA, was es heißt, für die Freiheit zu kämpfen: Nach 14 Jahren Haft kehrt der ehemalige IRA-Terrorist Leo (hervorragend: Lorcan Cranitch) wieder in den Schoß der Familie und zu der früheren Verlobten in West-Belfast zurück. Aber nicht nur Roisin, mittlerweile Mutter und Frau eines Säufers, hat in der Zwischenzeit ihre Unschuld verloren: Ständig beobachtet vom staatlichen Sicherheitsdienst und seltsam irritiert vom gewalttätigen Klima unter seinen Mitmenschen erlebt Leo seine zurückgewonnene Freiheit als einzigen Spießrutenlauf. Ein einzigartiges Spielfilmdebüt und ein weiterer Glücksfall des new british cinema, in dem Tim Fywell einen verzweifelt empfindlichen Kämpfer mit einem Land konfrontiert, dem jede Lust auf Heldentum vergangen ist.

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Taxandria

Im fernen Taxandria verschmelzen eingefleischte Vollblutschauspieler wie Armin Mueller-Stahl oder Katja Studt mit den surrealistischen Visionen des Malers und Animationsfilmers Raoul Servais. Vier Jahre lang bastelten die Techniker an der optimalen Mischung der digitalen und realen Bilder, und das Ergebnis gibt ihnen recht: „Taxandria“ ist nicht nur eine der teuersten europäischen Koproduktionen geworden, sondern auch einer seiner wertvollsten Beiträge zum phantasievollen Umgang mit dem Medium Film. Dabei ist die Fabel des zeitlosen Märchens vergleichsweise einfach: Gemeinsam mit dem Leuchtturmwärter Karol lernt der junge Prinz Jan – anstatt mit seinem Privatlehrer schnödes Schulwissen zu büffeln – die Macht der Kontrolle als hohle Hülle und den Geschmack von Freiheit und Gefangenschaft kennen.

Die Geliebte und der Priester

Ebenso rührselig wie überflüssig ist das zweiteilige SAT.1-Zölibatärenmelodram Die Geliebte und der Priester – und beileibe keine Verfilmung des Romans „Die Mätresse des Bischofs“, mit dem sich Eckhard Henscheid schon 20 Jahre vor der Entstehung dieses Machwerks über die Reizwort-Ridikülitäten seiner Zeit mokierte. Für Busenfreunde großer Gefühle allerdings ist der Film vermutlich unverzichtbar: Mit den (geschätzten) Traummaßen von 190-130-180 (Sonja Kirchberger und Maria Grazia Cucinotta zusammengenommen) dürfte dem Sender mit dem bunten Ball trotz allem eine gute Quote gewiss sein.

Der Schnapper – Blumen für den Mörder

Der Schnapper mit Horst Krause als Ruhrpott-Kommissar Schrader kann trotz einer vorzüglichen Darstellerriege und der detailfreudigen Inszenierung von Vadim Glowna nicht überzeugen. Blumen für den Mörder, die erste Folge der neuen Krimireihe, präsentiert mit einem an Vernichtungskopfschmerz leidenden schwarzen Schaf in den eigenen Reihen der Polizei, einer als Wunderheilerin getarnten okkulten Hexe, einem an Klaustrophobie leidenden Schnapper und einer Vielzahl weiterer schräger Figuren eine derart kranke Welt, dass es schon nicht mehr schön ist, und bleibt außerdem im Gewirr seiner vielen falschen Fährten selbst stecken.

Nadine nackt im Bistro

Nadine nackt im Bistro legt dermaßen viel Wert auf Etikette, dass man schwerlich von einem Etikettenschwindel sprechen kann. Dennoch hätte die ganz dem Vive l’amour verschriebene, sentimental-nostalgische Liebesgeschichte einen weniger marktschreierischen Titel verdient. Wen dieser immer wieder durch seinen charmanten Witz bestechende, tragikomische Film um die große Liebe des Antiquars Etienne zur Bedienung seines Lieblings-Bistros La Cigale nicht anzurühren vermag, der ist noch nicht im siebenten Himmel gewesen. Störend wirkt allenfalls das zuweilen etwas hölzerne Spiel der Hauptdarsteller Max Tidof und Rita Lengyel.

Alptraum im Airport

Eigentlich will die Amerikanerin Angela (Leslie Malton) nur eine Weile Urlaub von ihrem ungetreuen Ehegatten nehmen. Dummerweise plant sie ihren Abflug ausgerechnet an dem Tag, an dem sich die „Weiße Bruderschaft“ als dunkle Macht beweisen und dem  „Internationalen Verband zur Förderung der Farbigen“ eine Bombenüberraschung bereiten will. Dumm zudem, dass nicht nur der größte Teil des Personals auf dem Flughafen von Larnaka, sondern auch alle Gesetze der Logik und Wahrscheinlichkeit in diesem geradezu lächerlich blöden Actionthriller streiken, der sich in erster Linie als Vehikel zur Verbreitung rassistischer Witze verdient macht – fürwahr ein Alptraum im Airport.

Steins Fälle – Mord ist kein Zufall

Fahrerflucht, Erpressung, Mord: Schon nach der ersten Viertelstunde haben Steins Fälle ausreichend Anklagepunkte für das Urteil „Lebenslänglich“ beisammen. In den fünf neuen Teilen der Krimiserie brillieren erneut Klaus J. Behrendt als Privatdetektiv Stein und Leonard Lansink als Kommissar Krüger. In der ersten Folge Mord ist kein Zufall  hat es das eindeutig nach dem Vorbild der Kollegen Schimanski und Thanner gestaltete Duo vor allem mit sich selbst zu tun: Krüger flüchtet vor der Schwiegermutter in die Wohnung des Freundes und sorgt dort nicht nur mit seiner Stauballergie für einigen Wirbel. Die Lösung des eigentlichen Falls überlassen die beiden gewissermaßen en passant Steins Freundin Sonja (Andrea Sawatzki) – so etwas nennt man moderne Ermittlungsmethoden. Und effektive dazu: In nur 45 Minuten erteilen Autor Hartmann Schmige und Regisseur Heiner Carow ihre Lehrstunde in Sachen charmant-amüsanter Kriminalunterhaltung.