Geiselfahrt ins Paradies

So ist das immer. Man macht seine Arbeit, ein paar Pläne für die Zukunft vielleicht, und dann kommt eines Tages die Endstation, die Inflation oder Prohibition, und man ist seinen Job los. Schnapsbrenner Hubert jedenfalls steht urplötzlich mit einem Präsentkorb und ohne Anstellung vor einem Problem: Er kann das Ticket für die Reise nach China nicht zahlen, wo ihn seine Braut zur Hochzeit erwartet. Mit anderen Worten: Hubert braucht Geld. Doch wo stehlen, wenn nicht leihen? Logo – in der Lottobude. Ergo braucht Hubert auch noch eine Waffe. Eine Beschaffungsmaßnahme, die den Funker aus Passion die Sendestation und viele rare Nerven kosten. Nein, so ein bewaffneter Raubüberfall ist nicht easy, leider. Mit einer Duschhaube auf dem Kopf und einem Tuch vor dem Mund versucht er, seinen Plan in die Tat umzusetzen, wird aber nicht verstanden. Vom Mummenschanz befreit, erbeutet er dann allerdings nebst 40.000 Mark auch noch Gesine und deren Tochter Marie, die partout mit ihm verduften wollen …

Es sind die Details und die aberwitzigen Situationen, die die Kriminalkomödie Geiselfahrt ins Paradies so sehenswert machen. Droschkenkutscher zum Beispiel werden Tränen der Freude vergießen, wenn Martin Wuttke als unfreiwilliger Fluchtfahrer der gesamten Zunft des Taxigewerbes endlich aus dem Herzen brüllt. Einen weiteren Höhepunkt markiert eine unheimliche Begegnung des gereiften mit dem jungen Horst Frank. Diese und viele weitere herrliche Szenen versöhnen allemal damit, dass der inszenatorische Fluss der Handlung mitunter ins Stocken gerät. Zumal das Interesse schon bald den überraschenden Wendungen des Roadmovies gilt. Denn es kommt stets alles anders, als Hubert lenkt.

Wie schon in seinem Dokumentarfilm „Schnaps im Wasserkessel“, mit dem Hans-Erich Viet 1991 erstmals ein größeres Publikum auf sich aufmerksam machte, lässt der auch aus „Hopnick“ und „Karniggels“ bekannte Regisseur und Schauspieler seine Helden trotz widrigster Gegebenheiten nie das Prinzip Hoffnung vergessen. Oder, wie Horst Frank zum Schluss nuscheln darf: „Wir sind guter Dinge und sehen den kommenden Aufgaben gelassen entgegen.“

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