Die Mauer – Berlin `61

Das so genannte Eventfernsehen hakt mit schöner Beharrlichkeit eine zentrale Station der deutschen Geschichte nach der anderen ab. Zum Nationalfeiertag der Deutschen Einheit, was läge näher, stand für die Filmproduktionsfirma teamworx die Wiedererrichtung des antifaschistischen Schutzwalls auf dem Programm. Dafür hat der bereits mehrfach mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnete Autor und Regisseur Hartmut Schoen eine relativ simple Story ersonnen: Die Ostberliner Familie Kuhlke, zur Stunde der Grenzschließung zu Besuch in Westberlin, wird von ihrem Sohn Paul (Frederick Lau) getrennt, der sich auf eine Rede zum Gedenken Ernst Thälmanns vorbereitet. Die Rückkehr in den Ostteil der Stadt ist den Eltern versperrt, weil sich Vater Hans Kuhlke zuvor beim Schmuggel von Altmetall erwischen ließ und polizeilich gesucht wird. Von den Offiziellen der DDR als „Rabeneltern“ diffamiert, sind die Versuche der Kuhlkes, den linientreuen Pionier Paul in den Westen zu holen, zum Scheitern verdammt.

Dass Heino Ferch in Die Mauer – Berlin `61 nach all seinen martialischen Heldenrollen einen einfachen Plastefuger aus Ostberlin spielt, der ob der Aussichtslosigkeit der Situation kapituliert, gehört noch zu den besseren Einfällen des Films. An seiner Seite glänzt Inka Friedrich als verzweifelte, aber kämpferische Mutter Katharina, die sich die Gunst ihres einzigen Westkontakts teuer erkaufen muss. Den wiederum spielt Axel Prahl: Erwin Sawatzke, einen aalglatten Möbelhändler und Emporkömmling, der die Not seiner Ostbekanntschaft brutal ausnutzt und dafür eine proletarische Tracht Prügel kassiert. Dem nuancierten Spiel der prominenten Besetzung aber steht leider eine eher plakative Zustandsbeschreibung der beiden deutschen Staaten entgegen, die sich vor allem auf Platituden beschränkt: hüben Bohnenkaffee, drüben selbst gemachter Kuchen. Mit starrem Blick auf den internationalen Markt produziert, ist ein wenig differenziertes Geschichts- und Familiendrama entstanden, dass überraschender Weise fast völlig auf das dramatische Potential des historischen Ereignisses verzichtet: Kein Volkspolizist  springt über Stacheldrahtzaun, kein Schuss fällt an der Grenze, und es gibt nicht einen einzigen Toten. Allerdings auch kein Happy End.

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