Die Hexe des Grafen Dracula (1968)

Von der wilden Party einer vergnügungswilligen Spaßgesellschaft eingeführt, nähert sich dieses Horrordrama von Vernon Sewell den Geheimnissen eines abgelegenen Herren- und Hexenhauses, in dem Christopher Lee, Boris Karloff und eine nicht ganz von ihrer Zeit im Reich der Toten unbeschadete Barbara Steele ein Rendezvous zum Jahrestag ritueller Hexenverbrennungen haben. Ästhetisch mitunter von den klassischen Vorbildern seines Genres inspiriert, taucht dieser gewöhnlich nekrophile Gruselstreifen seine sadomasochistischen Fantasien in psychedelische Farben und Muster, was seinerzeit als verkaufsfördernde Maßnahme galt.

Fr., 13. Mai, 14.25 Uhr, Silverline

Nachtgestalten (1999)

Anhand mehrerer Parallelhandlungen zum episodischen Berlin-Film alltäglich-urbaner Extremsituationen verwoben, schildert diese Tragikomödie von Andreas Dresen das nächtliche Geschehen in einer rücksichtlos-selbstbezogenen Stadt, die ihre auf vielfältige Weise emsig beschäftigten Bewohner anlässlich eines Papstbesuches in besondere Aufruhr versetzt. Von vorzüglichen Darstellerleistungen vorangetrieben (die Michael Gwisdek in der Rolle eines chronisch unter Zeitdruck stehenden Angestellten als unfreiwilliges Kindermädchen des verloren gegangenen, angolanischen Findelkindes Ricardo, Oliver Breite als schlicht gestrickten Brandenburger auf Sightseeing-Tour einer ihm möglich scheinenden großen Liebe und Dominique Horwitz als weitgehend ratlosen Löwenbändiger seiner resolut obdachlosen Partnerin Hanna zeigen), entwirft dieser ergreifend warmherzige und zugleich schmerzlich entlarvende Film das Bild eines Menschen als gesellschaftliche Randfigur, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz auf die Suche nach ihren blauen Wundern begeben hat.

Mo., 09. Mai, 1.10 Uhr, MDR

Leid und Herrlichkeit (2019)

Stark autobiografisch geprägtes Drama von Pedro Almodóvar, das Antonio Banderas in der Rolle des erfolgreichen Filmregisseurs und Schmerzpatienten Salvador Mallo zeigt, der zur Linderung seiner Leiden zu Heroin und jeder Menge Tabletten greift. In ergreifenden Bildern erzählt der Regisseur von einer Jugend in bitterer Armut, von seiner engen Beziehung zu seinem älteren Bruder, seiner Liebe zum Kino, zu seiner Mutter und zur homoerotischen Zweisamkeit, um auch sein bisheriges Oeuvre selbstkritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.

So., 08. Mai, 20.15 Uhr, ARTE

J. Edgar (2011)

Formal und ästhetisch angelehnt an das Hollywoodkino der 1930er Jahre und die Filmbiografien seiner ärgsten Feinde, zeichnet Regisseur Clint Eastwood zentrale Stationen im Leben des FBI-Gründers J. Edgar Hoover nach, um seinen beruflichen Ehrgeiz und sein Wirken als weltanschaulich verblendeter, beinharter Knochen und Fels im Sturm „unamerikanischer Umtriebe“ als das Ergebnis einer gnadenlos unterdrückten Homosexualität und einer Erziehung zu schildern, die keinerlei menschliche Schwäche duldet. Von einer übereifrigen Kosmetikabteilung verhunzt, die Alter mit Mumifizierung verwechselt, brillieren Leonardo DiCaprio, Armie Hammer und Judi Dench in einem soziokulturell wichtigen Film, der ausdrücklich vor den Gefahren einer ignoranten Sexualmoral warnt und sowohl als Liebesdrama von historischer Tragweite wie als Charakterstudie eines Mannes interessiert, der in den pikanten Momenten seines Lebens ins Stottern gerät.

Sa., 07. Mai, 22.45 Uhr, Warner TV Film

Diva (1981)

Schwerelos inszenierter Mystery-Thriller von Jean-Jacques Beineix um einen träumerischen Postboten in Paris, der durch teils unglückliche Umstände in den Besitz gleich mehrerer heißbegehrter Tonaufnahmen gelangt und daraufhin von mehreren Fraktionen verbrecherischer Dunkelmänner verfolgt wird, die hinter ihren verspiegelten Sonnenbrillen nichts Gutes im Schilde führen. Durch den Diebstahl eines Kleides in die Schlagzeilen, aber auch in den Fokus der Bestohlenen, der berühmten Opernsängerin Cynthia Hawkins, geraten, gelingt es ihm mit der Hilfe einer gewitzten vietnamesischen Diebin und ihres vorausschauenden Freundes Gorodish seinen Verfolgern zu entkommen und der Dame seines Herzens ein besonderes Geschenk zu offerieren. Inhaltlich komplex, bildsprachlich von überbordender Schönheit und oft auf gelungene Weise ironisch, überzeugt dieser Film als kriminalistisches Puzzle und als sinnlich-poetische Liebeserklärung an das Kino allgemein.

Di., 03. Mai, 23.30 Uhr, HESSEN

Sommer vorm Balkon (2005)

Anekdotisch-generationenübergreifende, romantische Tragikomödie von Andreas Dresen, die zwei junge Berlinerinnen, „arm, aber sexy“, bei ihren wenig Erfolg versprechenden Versuchen zeigt, wenigstens die schöne Jahreszeit zur Anbahnung eines Liebesabenteuers zu nutzen. Urkomisch in seiner kontrastreich eingesetzten Musikauswahl und in seinem schlagfertigen Witz, erzählt diese im Kern nüchtern beobachtete, proletarische Ballade von den Wünschen und Hoffnungen zweier Freundinnen, die in einer modernen Leistungsgesellschaft leider unerfüllt bleiben müssen.

Mo., 02. Mai, 23.10 Uhr, MDR

Der Junge muss an die frische Luft (2018)

Weitgehend losgelöst vom übrigen Kuchen-und-Eierlikör-Weltgeschehen, zeigt diese autobiografische Tragikomödie von Caroline Link den deutschen Komiker Hape Kerkeling als „Lümmel von der hinteren Bank“, der sich als Sohn eines reisenden Schreiners und einer kränkelnden Mutter seine ersten Lorbeeren als Parodist einer rheinischen Großfamilie abholt, die schon bald den Tod der Großmutter und den tragischen Freitod der Mutter zu beklagen hat. Musikalisch wie emotional eher der Generation seiner Großeltern zugetan, schmeichelt sich diese nostalgisch verklärte, gleichwohl sympathisch dargebotene Familiensaga in die Herzen einer deutschen Öffentlichkeit, die trotz latenter Humor- und Schwulenfeindlichkeit dankbar in den ewig großen Sommerferien einer tragisch verlaufenden Lebensgeschichte verweilt. Mittels romantisch-wehmütiger Schlagermelodien als Entschuldigungszettel aus dem Nähkästchen einer gleichgeschlechtlich orientierten Jugend vorgetragen, präsentiert dieser Film seinen Helden als bemitleidenswerten, aber schelmischen Jungen, der endlich seinen Frieden mit der Welt schließen möchte.

So., 01. Mai, 20.15 Uhr, SAT.1

Die Unglaublichen 2 (2018)

14 Jahre nach dem Leinwanddebüt der titelgebenden Superheldenfamilie setzt diese Action-Abenteuerkomödie von Brad Bird die Handlung des ersten Films nahtlos fort, um Mr. Incredible nach seinem vorerst letzten Kraftmeier-Einsatz gegen den räuberischen Tunnelgräber erneut mit Berufsverbot zu belegen. Während seine gedanklich-elastische Gattin von einem ehemaligen Fan und Telekommunikations-Unternehmer angeheuert wird, das Ansehen ihres übel beleumundeten Betätigungsfeldes zu retten und auf ihrem brandneuen Elastibike Jagd auf den Brillen-Bösewicht „Screenslaver“ macht, fristet Mr. Incredible sein Dasein unter der Knute einer repressiven Staatsräson als Hüter der häuslichen Ordnung, um seinem Sohn Dash bei den Matheaufgaben zu helfen und nebenbei die polymorph-ungelenken ersten Schritte seines Kleinkindes Jack-Jack mitzuerleben. Von Beginn an auf eine hohe Schlagzahl rasant inszenierter Action-Momente und Gags fixiert, präsentiert sich das zweite Computeranimations-Abenteuer der Incredibles als familientauglicher Unterhaltungsfilm, dessen ironischen Seitenhiebe auf die Querdenker-Bewegung in einem an „MIB“ erinnernden Kosmos nicht minder monströser Superhelden-Kollegen untergehen.

Sa., 30. April, 20.15 Uhr, SAT.1

Drei Tage und ein Leben (2019)

Souverän in seiner künstlerischen Gestaltung, aber überkonstruiert in wesentlichen Details, erschafft dieses sich über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren erstreckende Drama von Nicolas Boukhrief anhand einiger weniger Figurenkonstellationen das Porträt einer abgeschieden lebenden dörflichen Gemeinschaft, die, aufgebracht durch das spurlose Verschwinden eines kleinen Jungen, nur allzu gern bereit ist, ein Worst-Case-Szenario zu akzeptieren, ehe ein verheerender Sturm die Karten in der Region neu mischt. Überdeutlich moralisch in seiner Erscheinungsform als gedoppelte Weihnachtserzählung, nutzt dieser Film genretypische Elemente des Thrillers, um sein geschickt unter den Teppich gekehrtes kriminalistisches Hauptmotiv unter einem Berg frisch nachwachsenden Grases zu begraben.

Do., 28. April, 23.45 Uhr, WDR

Fantastic Four (2005)

Vier junge Wissenschaftler geraten in ein Fantasy-Action-Abenteuer von Tim Story, infizieren sich bei einer gescheiterten Weltraummission mit diversen Superkräften und lernen, mehr oder weniger begeistert von ihren neuen Fähigkeiten, sie nutzbringend im Kampf gegen den Filmbösewicht Doctor Doom einzusetzen. Inhaltlich anspruchslos, setzt diese eingängig-komödiantisch angelegte Initiationsgeschichte der vier Superhelden Mr. „Elastiman“ Fantastic, Invisible Woman, Human „Jack Jack“ Torch und The Thing auf den Spaßfaktor, den seine charakterlich höchst unterschiedlich gestrickten Figuren bei der Erprobung der ihnen zugewiesenen Chemiebaukästen verbreiten.

Mo., 25. April, 20.15 Uhr, KABEL 1